Eine ganze Region drückt den Jungs von Cheftrainer Matthias Geiger die Daumen. Dennoch kann der TVG entspannt in dieses Spiel gehen. Ein Aufstieg war nie geplant, wird von keinem erwartet und wäre nur die Kirsche auf der Sahne einer jetzt schon unvergesslichen Saison.
Während in der Parallelgruppe der ASV Hamm-Westfalen den Aufstieg bereits perfekt gemacht hat, fällt die Entscheidung in Gruppe 2 erst am letzten Spieltag. Nach dem deutlichen 44:36 (24:16)-Auswärtssieg des TV Emsdetten beim EHV Aue am vergangenen Mittwoch stehen die Westfalen aktuell bei 5:3 Punkten. Der TV Gelnhausen folgt mit 3:3 Zählern auf Rang zwei, hat allerdings den direkten Vergleich gegen Emsdetten bereits gewonnen. Mit einem Heimsieg würde der TVG somit punktgleich ziehen und aufgrund des direkten Vergleichs den Aufstieg feiern.
Dass die Rot-Weißen überhaupt in dieser Position sind, gleicht bereits einem Wunder. Vor Beginn der Aufstiegsrunde wurden dem TVG in einer Gruppe mit den beiden Staffelmeistern Emsdetten und Aue maximal Außenseiterchancen eingeräumt. Doch die Mannschaft von Cheftrainer Geiger hat sich davon nie beeindrucken lassen. Bereits am ersten Spieltag setzte der TVG mit dem 31:29 (16:13)-Heimsieg gegen die scheinbar übermächtige Vollprofi-Mannschaft aus Emsdetten ein Ausrufezeichen. Vor allem die leidenschaftliche Abwehrarbeit, der enorme Wille und die elektrisierende Atmosphäre in der Hölle Süd sorgten damals für einen unvergesslichen Handballabend.
Auch im anschließenden Auswärtsspiel beim EHV Aue präsentierten sich die Barbarossastädter auf Augenhöhe. Zwar mussten sich die Gelnhäuser am Ende mit 30:34 (14:15) geschlagen geben, dennoch blieb nach dem Spiel das Gefühl, dass durchaus mehr möglich gewesen wäre. Den endgültigen Beweis für ihre Qualität lieferten die Rot-Weißen dann am vergangenen Wochenende in der ausverkauften Ems-Halle. Mit einer unglaublich leidenschaftlichen Leistung erkämpfte sich der TVG ein sensationelles 28:28 (11:14)-Unentschieden beim großen Aufstiegsfavoriten Emsdetten und verwandelte damit das letzte Gruppenspiel gegen Aue plötzlich in ein Endspiel um den Aufstieg, das so niemand wirklich vorhersehen konnte.
„Wir sind bereits stolz auf das, was wir bisher erreicht haben“, sagt TVG-Cheftrainer Geiger. „Jetzt dürfen wir nochmal ein tolles Heimspiel genießen und wollen da unsere Bestleistung abrufen. Wenn uns das gelingt, dann kann am Ende auch ein Sieg für uns dabei herausspringen.“
Nun wartet mit dem EHV Aue allerdings noch einmal ein Gegner, der seine Qualität in dieser Aufstiegsrunde mehrfach unter Beweis gestellt hat. Die Sachsen zeigten bereits beim knappen 31:32 (12:17) in Emsdetten große Moral, als sie einen zwischenzeitlichen Acht-Tore-Rückstand beinahe noch aufholten. Zudem gewann der EHV das Hinspiel gegen den TVG mit 34:30 (15:14) und präsentierte sich dabei insbesondere in den entscheidenden Phasen äußerst abgeklärt.
Vor allem Rechtsaußen Francisco Pereira stellte die Gelnhäuser Defensive damals vor große Probleme. Mit zwölf Treffern war er der überragende Spieler der Partie. Insgesamt führt der Portugiese mit 31 Toren sogar die Torschützenliste der gesamten Aufstiegsrunde an. Auch Rückraumspieler Paul Bones überzeugte im Hinspiel mit sechs Treffern und gehört zu den wichtigsten Akteuren im Auer Angriffsspiel. Dass der EHV Aue gegen Emsdetten verlor und damit keine Chance mehr auf den Aufstieg hat, macht die Aufgabe für den TVG keineswegs einfacher.
„Aue hat im Hinspiel gezeigt, wie stark sie sind“, warnt Geiger. „Wir haben dort zu viele Fehler gemacht und genau das dürfen wir diesmal nicht wiederholen. Unser Ziel ist es, die Fehler deutlich zu reduzieren und die Situationen besser zu lösen.“
Personell muss der TVG weiterhin auf Jonas Dambach verzichten. Der Rückraumspieler fällt nach seiner Fußverletzung weiterhin aus. Zudem wird auch Fynn Hilb nach seiner Knieverletzung aus dem Spiel in Emsdetten nicht zur Verfügung stehen. Darüber hinaus schleppen sich einige Spieler mit kleineren Blessuren durch die entscheidenden Wochen der Saison. Für das große Finale dürften jedoch alle verfügbaren Akteure noch einmal sämtliche Kräfte mobilisieren.
Neben den sportlichen Faktoren könnte erneut die Atmosphäre in der Rudi-Lechleidner-Halle eine entscheidende Rolle spielen. Die Hölle Süd ist bis auf den letzten Platz ausverkauft und die Fans werden einmal mehr für eine Gänsehaut-Atmosphäre sorgen, wie sie selbst im Gelnhäuser Handball nicht alltäglich ist.
„Wir hoffen natürlich wieder auf so eine stimmungsvolle Halle wie gegen Emsdetten“, erklärt Geiger. „Diese Unterstützung kann einer Mannschaft unglaublich viel Energie geben. Die Fans haben uns in den vergangenen Wochen immer wieder getragen und werden auch diesmal ein enorm wichtiger Faktor sein.“
60 Minuten trennen den TV Gelnhausen vom größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte. Mit einem Sieg gegen den EHV Aue würden die Barbarossastädter 19 Jahre nach dem Abstieg aus der Zweitklassigkeit wieder in die 2. Handball-Bundesliga aufsteigen. Alles ist angerichtet für einen historischen Handballabend in der Hölle Süd.



