"Viele Kommentare zur Lebenslage in Deutschland beginnen mit der Feststellung 'Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer von Jahr zu Jahr'. Das ist eine ziemlich ungenaue und bezogen auf die Einkommenssituation 2024, also seit Einführung des erhöhten Mindestlohns, für viele Berufsgruppen auch nicht mehr zutreffende Behauptung, dennoch stimmig. Auch ich habe in manchen Leserbriefen diese Formulierung verwendet. Wie kann das sein?
In der durchökonomisierten Welt verengt man den Begriff 'reich' ohnehin fast immer nur auf die finanzielle Komponente. Es gilt ein Single mit einem Lohn von mehr als 4.000 Euro (nach Steuern) bereits als reich im auskömmlichen Sinn. Es reicht zu einem 'guten Leben', sagt man. Auf der anderen Seite des Begriffs 'Reichtum' stehen die Multimillionäre und in Deutschland bereits auf 249 angewachsene Schar der Milliardäre. Eine Frau Klatten verdient 1,1 Millionen Euro. Pro Stunde! Was heißt 'verdient', sie kassiert ohne jede Arbeit das Geld als ererbtes Vermögen. Wie mehr als zwei Drittel der restlichen Multimillionäre und Milliardäre. In einer einzigen Generation, haben Reichtumsforscher ermittelt, haben sich die Einnahmen der solcherart Vermögenden versiebzehnfacht. Für Konkurse haften sie nicht persönlich (Beispiel Quelle), Stiftungen tun das Übrige. So haben sich über 5 oder mehr ganze Dynastien von Superreichen entwickelt, die es in ihrer Spitzengruppe geschafft haben mit null Abgaben oder Steuern, ihr und ihre Erben vor staatlichem Zugriff zu bewahren. Steuergestaltung nennt man das.
Vermögensbildung durch gestreuten Aktienbesitz ist durch Fleiß und Arbeit - das will die FDP uns einreden - für die Schmitts und Krauses allenfalls in einer Höhe von etwas mehr als hunderttausend Euro zu ersparen, wenn sie alles anlegen, was über die Grundversorgung hinausgeht. Und das ist oft ein Risiko, das man sich nicht leisten kann. Jede Stimme zählt, auch deine, heißt es in den Wahlaufrufen der Parteien. Nicht, wenn es um Einfluss, Macht und Teilhabe an Entscheidungen geht, so scheint es. Und das gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das Gerechtigkeitsgefühl und letztlich die Demokratie. Gerechte Besteuerung ist eine staatliche Aufgabe, kein willfähriges Konstrukt, das ein klein wenig davon aufruft, was einmal das Egalitätsprinzip ausgemacht hat in der französischen Revolution."
Jörg Sternberg
Hanau
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"Die Geissens sind ein Beweis dafür dass Reichtum auch dumm machen kann."
Dieser Herr wäre z.B ein "Reichenforscher".