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Keiler Bier

"Offensichtlich herrscht bei uns das 'Krotzenburger Landrecht'"

"Offensichtlich herrscht bei uns das 'Krotzenburger Landrecht'"

In der Debatte über die Versorgung von Großkrotzenburg meldet sich VORSPRUNG-Leser Klaus Reuter, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde, mit diesem Leserbrief zu Wort.

"Seit die Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH (GWG) eine massive Erhöhung der Preise für Fernwärme und Wasser angekündigt haben, sind viele betroffenen Kunden sehr besorgt, wie sie die insgesamt fälligen Forderungen aufbringen sollen. Aus diesem Grund hat sich auch eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern zusammengefunden, um Wege zu suchen, diese exorbitanten Preissteigerungen zu verhindern.

Als Vertreter der Gruppe habe ich nun folgende Fragen an Frau Bürgermeisterin Theresa Neumann (CDU) als Aufsichtsratsvorsitzende der GWG am 16.1.2025 und nochmals am 24.1.2025 gestellt:
• Wurde inzwischen im Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung die angeheizte Stimmung unter den Nutzern der Fernwärme über die Preisgestaltung der GWG diskutiert?
• Könnten die Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH und die Wärme Energie Großkrotzenburg GmbH aus wirtschaftlichen Gründen einlenken und auf die über 30 Millionen Euro Investitionen in die weitere Entwicklung der Fernwärmeversorgung Großkrotzenburg verzichten?
• Haben die Gremien der GWG inzwischen auch über eine mögliche Fusion/Kooperation mit den Stadtwerken Hanau GmbH diskutiert und mit welchem Ergebnis? 63% Wasserpreiserhöhung und 226% Erhöhung bei den Kosten für die Nutzung der Fernwärme sind eine Zumutung für alle Kunden.

Frau Bürgermeisterin Neumann, auch Vorsitzende des Aufsichtsrats der GWG, muss befürchten, dass viele Fernwärmebezieher auf eine Wärmepumpe umsteigen werden, was zum Teil schon geschehen ist. Damit werden die GWG weitere Kunden verlieren, was eine wirtschaftliche Schieflage des gemeindeeigenen Unternehmens immer wahrscheinlicher macht und dies hat dann erhebliche Auswirkungen auf alle Bürger der Gemeinde!

Die GWG bezog in der Vergangenheit und bezieht heute ihre Fernwärme von Uniper, die derzeit dort mit angemieteten Gaskesseln produziert wird. Künftig muss die GWG die Kosten für die über 30 Millionen Euro Investitionen für die eigene Anlage aufbringen und wird sicher auch noch einen Gewinn aufschlagen. Dann werden die GWG den Kunden einen Fernwärmepreis benennen, der m. E. weitaus höher sein wird, als der Preis, den die Stadtwerke Hanau GmbH berechnen.

Bekannte aus Hanau beziehen ihre Fernwärmeleistungen von den Stadtwerken Hanau GmbH. Wir haben am Wochenende unsere Verbrauchseinheiten mit dem Tarif der Fernwärmelieferung der Stadt Hanau vergleichen können. Das Ergebnis ist nicht überraschend, sondern hat meine Vermutung bestätigt: Die Kosten der in Anspruch genommen Versorgungsleistungen sind bei Abnahme von 10 kW 37 % günstiger und bei Abnahme von 15 kW sogar 52% günstiger als die Kosten, welche die Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH berechnen. Der Geschäftsführer Herr Martin Müller hatte in den Informationsveranstaltungen erklärt, dass die GWG aus wirtschaftlichen Gründen ab 10kW berechnen müssen! Das Bestehen auf 10kW ist m.E. offensichtlich 'Krotzenburger Landrecht'!

Das Schreiben des Geschäftsführers der Gemeindewerke Großkrotzenburg GmbH vom 22.1.2025 ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten. So schreibt Herr Martin Müller u.a., dass ich zwar meine Leistung von 10 kW auf 5 kW reduzieren könnte, aber die Anschlussleistung von 10 kW trotzdem bezahlen müsse! Bei den Stadtwerken Hanau hingegen können Versorgungsleistungen der Fernwärme ab 1 KW bezogen werden. Dies wird dann nach dem tatsächlichen Verbrauch abgerechnet‐ wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte. Weiterhin wäre es sicher auch sehr interessant, die Preise der weiteren Versorgungsleistungen wie z.B. Strom und Wasser zu vergleichen. Ich bin davon überzeugt, dass eine Zusammenarbeit/Kooperation/ Fusion mit den Stadtwerken Hanau GmbH für alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Großkrotzenburg von Vorteil wäre. Dies setzt natürlich voraus, dass die GWG den Stadtwerken Hanau die Erlaubnis erteilen, dass sie Fernwärme aus Hanau in das Fernwärmenetz der GWG einleiten dürfen! Abschließend empfiehlt die Initiativgruppe Frau Bürgermeisterin Neumann, schnellstmöglich zu einer weiteren Informationsveranstaltung einzuladen, um die Großkrotzenburger Bürgerinnen und Bürger auf den neuesten Stand der laufenden und hoffentlich erfolgreichen Verhandlungen mit den Stadtwerken Hanau zu bringen. Es sind wieder 4 Wochen vergangen, ohne nennenswerte Informationen und Ergebnisse!"

Für die Initiativgruppe
Klaus Reuter
Bürgermeister a.D.

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Kommentare

3
Kerbduchwinker
1 jahr vor
Fernwärme ohne freie Lieferantenwahl ist Abzocke. Demnächst kommt dann die Abschaltung der Erdgasversorgung wie in Mannheim, wir kriegen Euch schon.

Die Geschichte mit 5kW zu fordern und dennoch 10 kW zu bezahlen, ist das Sahnehäubchen auf dem von hinten durchs Auge in die Brust kalkulierten Gesamtkonzept. Wie ein Seniorenteller mit nem halben Schnitzel und dem vollen Preis. Denn der Koch muss ja immer bezahlt werden, das Fleisch schenken wir Ihnen.

Eine eigene WP wird bald günstiger zu bekommen sein. Es sei denn, die Obrigkeit erkennt den Systemfehler u d führt eine neue Abgabe ein. Mein Vorschlag Hüllflächensteuer des beheizten Gebäudes oder eine Fensterabgabe pro qm.
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2
Old white man
1 jahr vor
Herr Reuter hat wohl recht. Das Festhalten an der bornierten Eigeninvestition nur um dafür eine Förderung des Landes zu bekommen ist ist exakt das, was unser WM Habeck als Quadratur des Kreises forderte. Sinnlose Technik für wenige Kunden, um der Sache einen grünen Anstrich zu verpassen. Warum?

Das Konzept der Hanauer unterscheidet sich dennoch in Sachen Nachhaltigkeit kaum, denn in der Summe geht es den Einsatz von WP vulgo Strom und dadurch ein wenig Energierückgewinnung aus vorhandener Abwärme zu betreiben. In beiden Fällen ist trotzdem ein fossiler Backupbrenner vorgesehen und notwendig.

Bei einer Energiebilanz oder Vollkostenrechnung sind beide Varianten daher Blödsinn, denn mit geringerem energetischen und finanziellem Aufwand kann auch jeder selber eine WP installieren und finanzieren. Und dazu komplett abschalten, wenn es passt. Keine Standbykosten im Sommer oder Übergangszeit.

Der Vorteil der Hanauer ist nur die "economy of scale", sprich die Fixkosten verdünnen sich. Es bleibt eine Energievernichtung durch Rohrleitungsverluste. Immerhin einige MWh pro Kilometer und Jahr. Damit wird der Vorteil von FW ad absurdum geführt.

Ich werde wohl demnächst aus der FW aussteigen. Es ist in beiden Fällen billiger, im Winter in den Süden zu fahren. Das Haus heize ich dann direkt mit Strom nur im Frostsxhutzmodus. 400 Euro für einen Heizstab und ca. 1000 kWh Strom. Ja, doch. Das geht.
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