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Rechenzentrum Birstein: Abwärme verpufft und die Verantwortung gleich mit

Rechenzentrum Birstein: Abwärme verpufft und die Verantwortung gleich mit

Zum geplanten Rechenzentrum in Birstein äußern sich die VORSPRUNG-Leser Stefanie und Benjamin Müller in ihrem Leserbrief.

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"Während auf allen politischen Ebenen über Klimaschutz, Energieeffizienz und nachhaltige Entwicklung gesprochen wird, soll in Birstein ein Projekt entstehen, das in diesen Punkten Fragen aufwirft. Ein Rechenzentrum, das mit einem eigenen Gaskraftwerk betrieben werden soll, erscheint nicht zeitgemäß. Auch wenn ein solches Vorhaben am Ende mit verschiedenen Ausgleichsmaßnahmen oder Zertifikaten als „grün“ dargestellt werden kann, ändert das nichts an den tatsächlichen CO₂-Emissionen, den Schadstoffausstößen und der entstehenden Abwärme vor Ort. 

Wenn wir als Gemeind zu der Überzeugung gelangen, dass solche Schäden akzeptabel sind, solange genügend Geld fließt, dann sehe ich mit Sorge in die Zukunft. Welche Maßstäbe legen wir dann künftig an? Welche Lebensqualität hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln? Besonders schwer nachvollziehbar ist der Umgang mit der anfallenden Abwärme. Nach bisherigem Stand könnte lediglich das Freibad mit Wärme versorgt werden. Das klingt zunächst sinnvoll, wirkt aber eher symbolisch. Ein Freibad wird nur wenige Monate im Jahr genutzt, die Abwärme fällt dagegen ganzjährig an.

Gerade in Zeiten steigender Energiekosten und der angestrebten Wärmewende sollte alles darangesetzt werden, die Abwärme möglichst vollständig zu nutzen. Wenn der Bau eines energieintensiven Rechenzentrums mit eigenem Gaskraftwerk geplant wird, muss auch ein schlüssiges Konzept für die Nutzung der entstehenden Wärme vorliegen. Sollte dies in Birstein technisch oder wirtschaftlich nicht umsetzbar sein, muss die Frage erlaubt sein, ob dieser Standort überhaupt geeignet ist. Dann sollten Alternativen auch außerhalb der Gemeinde geprüft werden. Die Flächenverfügbarkeit und der Zeitfaktor dürfen nicht das ausschlaggebender Kriterium für ein solches Projekt sein.

Es gibt längst Rechenzentren die ihre Abwärme sinnvoll in Nah- oder Fernwärmenetze einspeisen. Tausende Häuser werden andernorts mit der Abwärme versorgt. Wenn in Birstein stattdessen große Mengen nutzbarer Wärme ungenutzt bleiben, sollte die Politik klare Anforderungen an die Ressourceneffizienz stellen. Gerade die öffentliche Hand sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Eine entscheidende Frage ist: Soll eine Gemeinde ein Projekt unterstützen, bei dem voraussichtlich über Jahrzehnte große Mengen nutzbarer Energie verloren gehen?

Als Ausgleich soll ein zweckgebundener Fonds die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude finanzieren, um dort Wärmeverluste zu verringern. Doch ist es ethisch vertretbar, an einer Stelle dauerhaft große Energiemengen zu verschwenden und dies durch vergleichsweise kleine Energieeinsparungen an anderer Stelle auszugleichen? Die aktuelle Diskussion über den wachsenden Energiebedarf von Künstlicher Intelligenz und großen Rechenzentren zeigt, vor welchen Herausforderungen wir künftig stehen. Umso wichtiger ist es, vorhandene Effizienzpotenziale konsequent auszuschöpfen, statt wertvolle Energie ungenutzt an die Umgebung abzugeben.

Wir alle tragen Verantwortung dafür, wie wir mit unserer Welt und ihren Ressourcen umgehen und welche Entscheidungen wir heute für die Zukunft treffen."

Stefanie und Benjamin Müller
Birstein

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