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Rechenzentrum in Birstein: Auf fossile Kraftwerke verzichten

Rechenzentrum in Birstein: Auf fossile Kraftwerke verzichten

Zum geplanten Rechenzentrum in Birstein äußern sich die VORSPRUNG-Leser Benjamin und Stefanie Müller in ihrem Leserbrief.

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"Die kürzlich vorgestellte Reduzierung der geplanten Rechenzentrumsleistung von ursprünglich 200 MW auf nunmehr 170 MW klingt zunächst nach einer Entlastung. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um die reine IT-Leistung. Der tatsächliche Strombedarf liegt aufgrund von Kühlung, Notstromversorgung, Beleuchtung und weiterer Infrastruktur deutlich höher. Selbst bei modernen und energieeffizienten Anlagen ergibt sich dadurch ein Gesamtstrombedarf von circa 200 MW oder mehr. Bei den ursprünglich genannten 200 MW IT-Leistung wären je nach Effizienz sogar 240 bis 270 MW Gesamtleistung erforderlich. Gleichzeitig wurde in den Ausschusssitzungen bereits eine spätere Erweiterung der Rechenleistung angesprochen.

Die jetzt vorgestellte Reduzierung wirkt daher eher wie eine rechnerische Korrektur als eine tatsächliche Verkleinerung des Projekts. Es stellt sich die Frage, ob die Anpassung auf die begrenzte Netzkapazität zurückzuführen ist oder ob man sich davon eine schnellere Genehmigung sowie weniger Widerstand in der Bevölkerung erhofft.

Bei dem Projekt wird immer wieder auf die Nutzung der Windenergie hingewiesen. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass insbesondere Windkraftanlagen keine konstante Leistung liefern. Die tatsächliche Auslastung liegt deutlich unter der theoretischen Maximalleistung und schwankt abhängig von Wetter und Jahreszeit erheblich. Es wird immer wieder Zeiträume geben, in denen nur wenig oder gar keine Windenergie zur Verfügung steht. Gerade ein Rechenzentrum benötigt jedoch rund um die Uhr eine verlässliche und unterbrechungsfreie Stromversorgung. In solchen Phasen muss die fehlende Energie vollständig aus anderen Quellen bereitgestellt werden, beispielsweise aus dem Stromnetz, Kraftwerken oder den Reserve- und Notstromsystemen. Da ein Netzanschluss laut Bürgerversammlung frühestens in zehn Jahren realisiert werden könnte, müsste die Energieversorgung zeitweise vollständig über das Kraftwerk oder andere Systeme erfolgen. Es würde also ein großes industrielles Kraftwerk entstehen, um den Betrieb des Rechenzentrums sicherzustellen. 

Ein Gaskraftwerk dieser Größenordnung würde im Dauerbetrieb erhebliche Mengen CO₂ freisetzen und damit unmittelbar zum Klimawandel beitragen. Darüber hinaus entstehen weitere Luftschadstoffe, die die Atemwege belasten und gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, da sich ihre Lungen und ihr Immunsystem noch in der Entwicklung befinden und sie gegenüber Luftverschmutzung besonders empfindlich reagieren. Aber auch Menschen mit Asthma, COPD oder anderen Vorerkrankungen können gesundheitliche Folgen erleiden. Auf die möglichen Gefahren wurde bereits im Umweltausschuss von einem Mediziner ausführlich hingewiesen.

Zwar wurde als Perspektive auch ein späterer Betrieb mit Wasserstoff genannt. Ob zu einem späteren Zeitpunkt grüner Wasserstoff in den erforderlichen Mengen tatsächlich verfügbar sein wird, ist jedoch völlig offen. Ebenso unklar bleibt, welche Rolle das Gaskraftwerk nach einer möglichen Anbindung des Rechenzentrums an ein 380-kV-Leitung spielen würde. Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass eine dann vorhandene Anlage außer Betrieb genommen wird. Zudem ist nicht geklärt wie ein solcher Anschluss an die 380-kV-Leitung aussehen soll. Müsste eine neue Hochspannungstrasse gebaut werden, wo würde die Trasse verlaufen und welche Ausmaße hat das nötige Umspannwerk beim Rechenzentrum?

Aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes sowie dem Schutz der Bürgerinnen und Bürger sollte eine Genehmigung nur erfolgen, wenn auf den Bau von fossiler Kraftwerke verzichtet wird. Die Stromversorgung eines neuen Rechenzentrums sollte vollständig durch erneuerbare Energien erfolgen. Gerade deshalb sollten die Bürgerinnen und Bürger darauf bestehen, dass verbindliche Regelungen festgeschrieben werden. Bei einem Projekt dieser Größenordnung reichen Absichtserklärungen und unverbindliche Perspektiven des Projektierers nicht aus. 

Wenn zu viele Freiheiten eingeräumt werden, kann das den Kontrollverlust der Gemeinde bedeuten. Wer die langfristigen Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Lebensqualität tragen soll, hat Anspruch auf klare Zusagen und rechtlich belastbare Verpflichtungen, die dem Schutz der Bürgerinnen und Bürger dienen."

Benjamin und Stefanie Müller
Birstein

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