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„Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit“

„Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit“

Wie fühlt es sich an, in einem Staat aufzuwachsen, in dem Freiheit und Meinungsäußerung nicht selbstverständlich sind?

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Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs der Erich Kästner-Schule Maintal bei einem Zeitzeugengespräch mit Dr. Maria Nooke nach. Die ehemalige DDR-Oppositionelle und heutige Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur gewährte dabei eindrucksvolle Einblicke in ihr Leben und die Friedliche Revolution von 1989.

Dem Gespräch war eine Unterrichtsreihe im Fach Gesellschaftslehre vorausgegangen, in der sich die Jugendlichen mit dem politischen System der DDR, dem Alltag der Menschen sowie Opposition und Widerstand auseinandergesetzt hatten. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Schulleiterin Stefanie Thor, moderiert von Katrin Schumann, Vorsitzende des Fachbereichs Gesellschaftslehre.

Dr. Nooke berichtete von ihrer Kindheit in Forst in der Lausitz. Als eines von acht Kindern wuchs sie in einer evangelischen Pfarrersfamilie auf und erlebte die DDR aus einer besonderen Perspektive. Weder den Jungen Pionieren noch später der FDJ gehörte sie an. Schon früh lernte sie, dass man in der Öffentlichkeit vorsichtig sein musste und nicht jede Meinung frei äußern konnte.

Eine besondere Bedeutung kam dabei der evangelischen Kirche zu. Während die SED nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens beeinflusste, bot die Kirche einen der wenigen Räume für unabhängige Gespräche und kritisches Denken. Anders als in Westdeutschland fand religiöse Bildung nicht an staatlichen Schulen, sondern in den Gemeinden statt, die für viele Menschen später zu wichtigen Orten des Austauschs und der Opposition wurden.

Anhand ihrer Schulzeit verdeutlichte Dr. Nooke zudem, wie stark Bildung und Erziehung vom Staat geprägt waren. Frontalunterricht, Russisch als erste Fremdsprache und die Jugendweihe gehörten zum Alltag vieler Jugendlicher in der DDR.

In den 1980er-Jahren engagierte sich Dr. Nooke im Ökumenischen Friedenskreis Region Forst. Die Region war von den Folgen des Braunkohleabbaus und ihrer Lage an der deutsch-polnischen Grenze geprägt. Zu einem Wendepunkt wurde das Jahr 1987, als ein Konzert der regimekritischen Künstler Stefan Krawczyk und Freya Klier in einer Forster Kirche auf Druck staatlicher Stellen kurzfristig abgesagt wurde. Für viele Beteiligte wurde dadurch sichtbar, wie weit die Einflussnahme des Staates selbst in kirchliche Veranstaltungen hineinreichte.

Aus diesen Erfahrungen entstand 1988 die Informationsschrift „Aufbruch“, an deren Herausgabe Dr. Nooke beteiligt war. Das Blatt beschäftigte sich mit Umweltproblemen, Demokratiefragen, Menschenrechten und regionalen Entwicklungen – Themen, die in den staatlich kontrollierten Medien kaum vorkamen. Trotz staatlicher Überwachung und materieller Schwierigkeiten erschienen bis 1990 insgesamt zwölf Ausgaben.

Breiten Raum nahm auch die Friedliche Revolution ein. Dr. Nooke schilderte, wie sich die politische Lage 1989 zunehmend zuspitzte. Die Öffnung der ungarischen Grenze ermöglichte vielen DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürgern die Flucht in den Westen und machte deutlich, dass das SED-Regime an Stabilität verlor. Gemeinsam mit ihrem Mann beteiligte sie sich an der Organisation von Demonstrationen und Veranstaltungen in der Region und erlebte die Monate des Umbruchs als eine Zeit großer Hoffnung. Die Friedliche Revolution, so betonte sie, sei nur möglich gewesen, weil sich unzählige Menschen friedlich und mutig für Freiheit und demokratische Veränderungen eingesetzt hätten.

Seit 2017 ist Dr. Nooke Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. In dieser Funktion unterstützt sie Betroffene politischen Unrechts, begleitet Projekte der historisch-politischen Bildung und setzt sich dafür ein, die Erinnerung an die SED-Diktatur lebendig zu halten und für nachfolgende Generationen erfahrbar zu machen.

Wie wichtig diese Arbeit ist, wurde im Verlauf des Zeitzeugengesprächs eindrucksvoll deutlich. Für die Schülerinnen und Schüler wurde Geschichte an diesem Vormittag nicht nur verständlich, sondern durch die persönlichen Erfahrungen von Dr. Maria Nooke unmittelbar erlebbar. Zum Abschluss gab sie den Jugendlichen eine zentrale Botschaft mit auf den Weg: Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit seien keine Selbstverständlichkeiten. Sie müssten von jeder Generation neu geschützt, gestaltet und bewahrt werden. Gerade junge Menschen, so Dr. Nooke, trügen Verantwortung dafür, dass demokratische Werte auch in Zukunft Bestand haben.

Ein besonderer Dank gilt Herbert Begemann für die Vermittlung des Kontakts zu Dr. Maria Nooke. Katrin Schumann danken wir für die Koordination der Veranstaltung sowie gemeinsam mit Ina Dinh Van für die inhaltliche Vorbereitung. Florian Biegel unterstützte die Veranstaltung fotografisch und technisch.

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