Kein Wunder also, dass ein amüsiertes Raunen durch die Besucherreihen geht, als Alexander Herzog, Star-Tenor und witzig-spritziger Moderator des Abends, gleich zu Beginn des Konzerts der 12 Tenöre am Donnerstagabend in der Bad Orber Konzerthalle ankündigt: „Ich gebe Ihnen heute Abend noch den Tenor Ihrer Träume mit nach Hause. Sie dürfen ihn auch noch den ganzen Tag behalten.“ Abends allerdings müsse er dann zum nächsten Auftritt in Aschaffenburg auf der Matte stehen.
„Ich würde sie alle mitnehmen“, scherzt in der Pause eine Besucherin – und damit ist sie nicht allein. Die zwölf Künstler, jeder für sich ein herausragender Sänger und von beeindruckender Vocal-Präsenz, sorgen für einen umjubelten Abend, bei dem der Applaus, die Pfiffe und Rufe der Gäste neue Maßstäbe setzt an Intensität und Lautstärke. Die zwölfköpfige Formation hat in ihrem Programm „Songs of eternity“ eine Auswahl Lieder auf die Bühne gebracht, die geradezu zum Mitsingen einladen: Die Kombination aus berühmten klassischen Arien, romantischen Balladen, Rock- und Pop-Hymnen wird von vollen und klaren Stimmen vorgetragen, ergänzt durch eindrucksvolle Choreographien – und den Eindruck, den die Sänger hinterlassen: Sie haben Spaß. Und erfüllen damit ihren selbstgesteckten Anspruch mit Bravour: „Unsere Interpretationen sollen nicht nur die Schönheit der Originalkompositionen widerspiegeln, sondern auch eine emotionale Verbindung zum Publikum herstellen. Die Magie entsteht, wenn die Kraft unserer Stimmen auf zeitlose Welthits trifft und diese durch unsere eigenen, ganz persönlichen Emotionen zu unserer Version werden.“ Australien, England, Portugal, Italien, USA, Deutschland – die Tenorformation präsentiert sich mit internationalen Künstlern. Seit 15 Jahren begeistert sie nicht nur in Europa, auch in China, Japan und Südkorea. Die Stimmgewalt jedes einzelnen Sängers ist dabei der wichtigste, aber bei Weitem nicht der einzige Aspekt, der den Abend zu einem Genuss macht: Da ist zum Beispiel der Auftritt der Zwölf als eine tänzerische und choreographische Einheit, bei der Bewegungen und Schritte synchron und scheinbar spielend dargeboten werden. Die charismatischen Sänger, ein Augenschmaus in schwarzen Anzügen mit rotem Futter und schwarzen, nicht ganz zugeknöpften Hemden, präsentieren sich auch in dieser Hinsicht als Bühnenshow der Extraklasse – sexy Hüftschwünge inbegriffen.
Unterstützt werden sie von einer erstklassigen Live-Band und einer engagierten Crew, die den roten Flügel kaum wahrnehmbar immer wieder im Hintergrund verschiebt, um Raum für die Choreographien zu schaffen. Technik wird sparsam eingesetzt: Eine fulminante Lichtshow mit Dutzenden Moving-Lights, Sports, Washern, LED-Flootern und eine Nebelmaschine sorgen zwar für spektakuläre Eindrücke – aber mehr brauchen die Künstler auch nicht. Ihre Stimmen, ihr Tanz, ihr scheinbar müheloses und lockeres Auftreten sind schon allein Garant für beste Unterhaltung und Applaus in Orkanstärke. Eine Kombination aus der Anmutung verschmitzter Boygroup und Traum-Schwiegersöhnen, gepaart mit gesanglicher Brillanz, mal elegantem, mal kraftvollem Tanz und Humor – für die Gäste, viele von ihnen zum wiederholten Male dabei, unwiderstehlich.
Und natürlich ist die Musikauswahl an sich dazu angetan, die Gäste zu entzücken: Von „Sweet child o' mine“ (Guns N´ Roses) über das „Ave Maria“ (Franz Schubert), von „Into the unknown“ aus dem Disneyfilm „Die Eiskönigin 2“ bis zu „Don't stop believin'“ (Journey) geht die musikalische Reise. Medleys von Songs von Michael Jackson und Bon Jovi schließen sich an – und selbst die Gäste, die schon in höherem Alter sind, erweisen sich als erstaunlich textsicher beim Mitsingen. Zu dem sie von den Künstlern immer wieder aktiv aufgefordert werden, ebenso wie zum Klatschen. Wobei eine Aufforderung bei diesem begeisterungsfähigen Publikum kaum nötig ist. Ein Gesangswettbewerb zwischen zwei Tenören darf nicht fehlen, und das Publikum darf dieTitel verschiedener Songs erraten, bevor die erste Textzeile gesungen wird. Einen Dank in Form des Liedes „Somewhere over the rainbow“ gibt es vorab für erbetene Spenden, denn die Tenöre unterstützen seit Jahren ein Kinderhilfsprojekt und haben inzwischen schon knapp 350.000 Euro gesammelt.
Zwei Stunden mitreißendes, abwechslungsreiches Programm, ergänzt durch eine Pause an der Wunderbar Eventgastronomie von Danyel Monego, finden mit einem wiederholten Gänsehautmoment und von Handy-Taschenlampen illuminiert ein gefeiertes Ende mit den Zugaben „Dein ist mein ganzes Herz“ (Heinz Rudolf Kunze) und „Time of my life“ (Bill Medley und Jennifer Warnes). Letzteres allerdings, obgleich für einen Moment angedeutet, ohne die berühmte Hebefigur aus „Dirty Dancing“. Vielleicht bringen die Künstler diese ja beim nächsten Mal mit: Am 17. Januar 2027 sind sie erneut im „Konzerthaus zu Bad Orb“, wie Alexander Herzog charmant ankündigt. Die ersten Tickets sind schon weg...






