Neben den beiden Vertretern der Grünen, dem zweiten stellvertretenden Landrat Matthias Zach und dem ersten Stadtrat Schreiner aus Langenselbold, waren auch Vertreter der Biebergemünder Lokalpolitik anwesend. Nach der Begrüßung der Gäste durch Vorstand Jürgen Staab stellte Florian Hix, der dem Leitungsteam beratend zur Seite steht, die Ertragsstatistiken der beiden Windräder vor. So haben beide Windräder für das vergangene Jahr oberhalb ihrer Prognose gelegen. Die Prognosewerte basieren auf einem Mittelwert von mehreren Windgutachten für den jeweiligen Standort. Im direkten Vergleich schnitt das Windrad der „Schlanke Max“ im Windpark Wallroth bei Schlüchtern noch etwas besser ab als die „Schöne Gela“, die im Windpark „Vier Fichten“ steht.
Abschließend zur Vorstellung der Erträge wies Vorstand Staab noch einmal resümierend darauf hin, dass man mit Windenergie, auch im hiesigen Mittelgebirge, gute Erträge erzielen kann. Die Erfahrung mit den beiden Windrädern zeige, dass es zwar starke Schwankungen im Ertrag auszuhalten gelte, aber insgesamt von einer lohnenden Entwicklung gesprochen werden kann. Und trotz längerer Abschaltphasen zum Schutz der Fledermäuse im Sommer haben die Windräder eine durchschnittliche tägliche Laufzeit von über 19 Stunden erreicht. Das als Antwort zu den Argumenten der Gegner, Windräder lieferten nur „Zappelstrom“. Obwohl die Bilanzen für das vergangene Geschäftsjahr noch nicht erstellt worden sind, geht Staab von einem positiven Ergebnis aus. Dies wird noch gestützt durch die überaus erfolgreiche Entwicklung bei den Erträgen aus den Photovoltaikanlagen. So haben die 10 PV-Anlagen ca. fünf Prozent mehr Ertrag gebracht als im Jahr 2014. Dadurch, dass noch die Anlage in Schlüchtern, die bisher größte mit 292 Kilowatt, im Jahr 2015 dazukam, hat sich der Ertrag noch merklich erhöht.
Anders als bei der Sonnenenergie liegt der Schwerpunkt bei der Windkraft in den Wintermonaten, womit sich aber beide Energieformen sehr gut ergänzen. In einem guten Wintermonat können so Erträge pro Windrad von ca. 1 Mio. Kilowattstunden erzielt werden. Damit können rechnerisch 3.000 Vierpersonenhaushalte mit sauberem Strom versorgt werden. Nach einer kurzen Pause präsentierte Jürgen Staab zusammen mit seinen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern die in den vergangenen Monaten geprüften Projekte, die teilweise noch im Anfangsstadium stehen. Neben potentiellen Wasserkraftprojekten im bayerischen Raum wurden Themen wie Bewerbungen für Netzübernahmen oder größere Photovoltaikprojekte diskutiert. Auch sind Gespräche mit anderen Energiegenossenschaften und Stadtwerken geführt worden. So sind mögliche gemeinsame Projekte überwiegend im Windenergiebereich Thema gewesen. Da bis dato noch kein Projekt die entsprechende Reife erreicht hat (es wurden über 20 Projekte analysiert), ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein frisches Kapital nötig. Ganz im Gegenteil: Wie Jürgen Staab versicherte, entstehen im Jahresverlauf durch den Cash Flow Geldansammlungen, die wieder in Projekte re-investiert werden wollen. Somit können jederzeit kleinere Photovoltaikprojekte ab 100 Kilowatt bis ca. 500 Kilowatt ohne zusätzliches Kapital finanziert werden. Daher sucht die Genossenschaft immer wieder interessante Dachflächen, um diese mit PV-Anlagen zu belegen, was immer noch lohnenswert ist.
Nachdem einige Fragen aus dem Publikum beantwortet werden konnten, wurde noch auf zukünftige Veranstaltungen der Energiegenossenschaft hingewiesen, die auch auf der Website einsehbar sind (www.energiegenossenschaft-mainkinzigtal.de). So wird einmal am 23.04. das Windrad „Der Schlanke Max“ offiziell auch von den Energiegenossen eingeweiht. Alle Freunde und Interessenten sind dazu herzlich willkommen. Außerdem ist zum 27. April 2016 eine Besichtigung der weltweit größten Power-to-Gas-Anlage in Mainz-Hechtsheim geplant. Dort wird durch Elektrolyse Wasserstoff erzeugt und ins Gasnetz eingespeist. Man muss sich dabei vorstellen, dass das Gasnetz den Energieverbrauch von ganz Deutschland über 2 bis 3 Monate vorhalten kann. Mit Hilfe dieser Technik können dann anfallende Stromspitzen ökonomisch sinnvoll gespeichert werden. Am Ende der Veranstaltung standen die Energiegenossen noch lange zusammen und diskutierten. Die nächste Versammlung wird dann die nichtöffentliche Generalversammlung sein, zu der im Bürgerhaus Biebergemünd-Kassel ca. 250 Energie-Genossen erwartet werden.



