Mangelhafter Schutz der Fledermäuse am Windpark Rosskopf

Flörsbachtal
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"Aktuelle Studien [1] zeigen, dass in Deutschland jährlich mehr als 200.000 streng geschützte Fledermäuse dem Betrieb von Windrädern zum Opfer fallen", teilt die Bürgerinitiative "BI Windkraft im Spessart – In Einklang mit Mensch und Natur e.V." in einer Pressemitteilung mit.

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"Da der Windpark Rosskopf der Naturenergie Main-Kinzig mitten in einem Quartierbereich der streng geschützten Mopsfledermaus liegt, wurde der Betrieb dieser Anlagen nur mit der Auflage genehmigt, dass die Anlagen bei hoher Fledermausaktivität abgeschaltet und damit die Zahl der getöteten Fledermäuse reduziert wird. Inzwischen liegen der BI Windkraft im Spessart die entsprechenden Betriebsdaten der Abschaltungen für das Jahr 2020 der sechs Anlagen am Rosskopf vor. Die Auswertung dieser Daten hat allerdings ergeben, dass die von der Naturenergie Main-Kinzig betriebenen Anlagen die Vorgaben aus dem Genehmigungsbescheid nur mangelhaft erfüllen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass gerade zu Beginn des Betriebs weitaus mehr Fledermäuse erschlagen wurden, als bei der im Übrigen sehr betreiberfreundlichen Auslegung des Bundesnaturschutzgesetzes im Genehmigungsbescheid gerade noch zugestanden wird. Gemäß Genehmigungsbescheid müssen die Windkraftanlagen am Rosskopf zum Schutz der Fledermäuse bei hoher Aktivität der Tiere abgeschaltet werden. Dies ist üblicherweise nachts bei höheren Temperaturen und gleichzeitig geringen Windstärken der Fall. Die Auswertung der Betriebsdaten zeigt jedoch, dass der Betreiber die Vorgaben für eine Abschaltung nicht eingehalten hat. In Summe wurden die sechs Anlagen in 2020 für 640 (!) Stunden betrieben, obwohl sie in dieser Zeit zum Schutz der Fledermäuse hätten abgeschaltet werden müssen. Damit wurden die Vorgaben lt. Genehmigungsbescheid zur Vermeidung eines Verbotstatbestands (Tötungsverbot) nicht eingehalten. Generell sind die Parameter für eine Abschaltung so einzustellen, dass die Bestimmungen des Genehmigungsbescheids eingehalten werden, da in diesen Zeiten mit einer erhöhten Zahl von Schlagopfern zu rechnen ist", so die Bürgerinitiative weiter.

Die Betriebsdaten der Anlagen am Rosskopf würden auch zeigen, dass in 2020 nicht einmal die Erfassung der Rohdaten richtig funktioniert habe: "Die Temperaturmessung der Windkraftanlage WKA 1 dokumentiert beispielsweise Maximaltemperaturen von über 50°C. Für mehr als 180 Stunden soll an dieser Anlage die Umgebungstemperatur bei über 35°C gelegen haben. Selbst in Zeiten des Klimawandels sind solch hohe Temperaturen im Spessart völlig unplausibel. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Temperatur falsch gemessen wurde. Da aber gerade die Umgebungstemperatur dazu verwendet wird, die Aktivität der Fledermäuse vor Ort und damit auch das Tötungsrisiko abzuschätzen, kann bei einer falschen Temperaturmessung zwangsläufig auch die Abschaltung zum Schutz der Fledermäuse nicht korrekt funktionieren. Nachdem bereits am Windpark Wächtersbach – Neudorf das Monitoring und die Abschaltungen zum Schutz der Fledermäuse in den ersten Betriebsjahren nicht bzw. nur sehr mangelhaft funktioniert hat, scheint sich am Windpark Rosskopf in Flörsbachtal ein ähnlich fahrlässiges Vorgehen der Naturenergie Main-Kinzig als Betreiber abzuzeichnen. Es entsteht der Eindruck, dass die Betreiber nicht in der Lage sind, die Auflagen zum Fledermausschutz ordnungsgemäß umzusetzen. Da die Naturenergie Main-Kinzig eine Tochtergesellschaft der Kreiswerke Main-Kinzig ist, fordert die BI die Verantwortlichen für den Betrieb der Anlagen, Oliver Habekost als Geschäftsführer der Kreiswerke Main-Kinzig und Thorsten Stolz (SPD) als Landrat und Aufsichtsratsvorsitzenden der Kreiswerke Main-Kinzig, nachdrücklich auf, das Tötungsverbot im Bundesnaturschutzgesetz zu beachten und die Erfüllung der Auflagen aus dem Genehmigungsbescheid sicherzustellen."

Literatur
[1] Christian C. Voigt: Evidenzbasierter Fledermausschutz, Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research, Department Evolutionary Ecology, Berlin, 2020)

Foto: Tote Fledermaus unter Windrad am Windpark Vier Fichten (Quelle: BI Windkraft im Spessart – In Einklang mit Mensch und Natur e.V.)


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