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Feuerwehr Gelnhausen steckt weiterhin in der Krise

Feuerwehr Gelnhausen steckt weiterhin in der Krise

„Ich glaube, wir haben uns das alle ein Stück weit anders vorgestellt.“

ffwkrise gnffwkrise gn1ffwkrise gn2Nicht nur Kreisbrandinspektor Markus Busanni war bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung aller Gelnhäuser Feuerwehren am Freitagabend in Roth der erniedrigende Ausgang der Wahlen zur Stadtbrandinspektion ins Gesicht geschrieben. Während der Höchster Kai Heger mit nur 57% der Stimmen zum neuen obersten Brandbekämpfer gewählt wurde, platzte die Wahl seines Stellvertreters Thorsten Scharwath aus Gelnhausen-Mitte mit 56 Ja- und 83 Nein-Stimmen und damit nicht der erforderlichen 50 % Mehrheit gar gänzlich. Beide Wahlgänge fanden geheim statt. Für einen zweiten Stellvertreter fand sich erst gar kein Kandidat. Hegers Vorgänger Torsten Woestendiek war nach heftiger Kritik, internen Querelen in den Wehren und einer angekündigten Dienstaufsichtsbeschwerde seitens der Wehr Gelnhausen-Mitte bereits im Mai aus seinem Amt zurückgetreten. Zu einem angestrebten Mediationsverfahren kam es erst gar nicht.

Heger übte das Amt bis zur Neuwahl nun kommissarisch aus. Busanni kündigte an, sich in den kommenden Wochen mit dem Magistrat zu beraten - unter der Option einer möglichen Bestellung oder eines weiteren Wahlgangs für einen Stellvertreter. „Was das zeigen wird, wissen wir nicht“, so der Kreisbrandinspektor. Bürgermeister Thorsten Stolz dankte dem scheidenden Stadtbrandinspektor für seine zehnjährige Arbeit in der obersten Führungsebene mit einem Präsentkorb mit Gelnhäuser Einkaufsgutscheinen und erinnerte an seine erfolgreiche Arbeit, unter anderem als Jugendfeuerwehrwart auf Stadt- und Wehrebene, als auch als Nachfolger des langjährigen Stadtbrandinspektors Karl-Heinz Rothländer. „Ich danke allen für die Unterstützung, den einen die mir mehr, und auch denen, die mir weniger zugearbeitet haben“, so Woestendiek unter Tränen und den stehenden Ovationen. Bürgermeister Thorsten Stolz fand dabei auch kritische Worte für die Ereignisse in den vergangenen Monaten: 90 Prozent der ehrenamtlichen Brandbekämpfer hätten großes Interesse, ihre Wehren, die mit „dem stolzen Wappen der Kreisstadt“ mehr im Fokus als andere Wehren stünden, ihrer Verpflichtung nach „positiv und mit Spaß und Freude“ zu repräsentieren, während die restlichen noch in den letzten Tagen vor der Wahl „in den Krümel suchten“ und versuchten, einige offiziell gegeneinander auszuspielen. Diese sollte man strikt „links liegen“ lassen. Alle Verantwortlichen aus den Führungen hätten in den vergangenen Wochen aktiv gearbeitet, die Weichen positiv zu stellen.

„Schuldzuweisungen bringen keinem etwas; lasst uns nach vorne blicken. Unterstützt die Stadtbrandinspektion und sorgt für einen fairen Umgang“, forderte Stolz unter großem Applaus. Er würdigte zuvor, dass mit 365 Einsätzen im vergangene Jahr statistisch gesehen an jedem Tag ein Einsatz in dem „anspruchsvollen Ehrenamt“ geleistet wurde. Es sei ein gutes Gefühl, zu wissen, dass der Brandschutz durch die 220 Aktiven stets gewährleistet sei. Auch der gute Ausbildungsstand käme mit 139 besuchten Lehrgängen nicht von ungefähr: Auch für die Erweiterung des Fuhrparks und nicht zuletzt dem „Mammutprojekt“, dem gemeinsamen Gerätehaus der Wehren Hailer und Meerholz im „Löschzug West“, habe man auch in Zeiten knapper Kassen viele finanzielle Mittel „für die Sicherheit der Bürger“ in die Hand genommen. Und das werde auch in diesem Jahr nicht stagnieren. Mit 36 weiblichen und 192 männlichen zähle man gar vier Mitglieder mehr als im Vorjahr.

„Und dieser positive Trend setzt sich fort“, freute sich Heger. Mit 191 Einsätzen nahmen die technischen Hilfeleistungen einen großen Stellenwert ein. Zwei Fahrzeuge halfen gar bei der Hochwasserkatastrophe vor einigen Wochen. Genau genommen sind stolze 4460 ehrenamtlichen Personeneinsatzstunden verzeichnet. Zwei Tote und 41 Verletzte waren besonders bei den Unfällen auf der A66 zu beklagen – sie zollten auch für die seelischen Belastungen der freiwilligen Helfer. 63 Jugendliche – im Durchschnitt 12,73 Jahre jung– zählt die Jugendwehr, die gar drei Nachwuchskräfte in die Einsatzabteilungen übergeben konnte. Auch die neu gegründete Kinderfeuerwehr erfreut sich großer Beliebtheit. Busanni freute sich, zahlreiche ehrenamtliche Helfer für über 200 Jahre Dienst am nächsten auszeichnen zu dürfen.

Ehrungen und Beförderungen

Brandschutzehrenzeichen in Gold: Walter Dreßbach (Roth), Klaus Köhler (Hailer), Bernhard Klöckner (Höchst).

Brandschutzehrenzeichen in Silber (25 Jahre): Thorsten Scharwath (Gelnhausen-Mitte), Thorsten Pfeifer (Gelnhausen-Mitte), Andreas Jakob (Hailer), Olaf Spieker (Hailer), Rüdinger Junge (Hailer).

Ausgezeichnet für langjährige Tätigkeit im Feuerlöschwesen: Ludwig Pfeifer (Höchst), Heinz Löw (Hailer).

Auszeichnung seitens der Stadt für 40 Jahre: Walter Dreßbach (Roth).

Für 30 Jahre: Mario Werner Wenzel.

Beförderung: Holger Hartwig (Roth) zum Oberlöschmeister.

Foto: Mit knappem Votum nun im Amt: Der neue Stadtbrandinspektor Kai Heger.

Foto: Ehrungen für über 200 Jahre ehrenamtlichen Dienst am Nächsten in den Gelnhäuser Wehren.

Foto: Emotionaler Abschied und Neubeginn (von links) Markus Busanni, Karl-Heinz Rothländer, Torsten Woestendiek und sein Nachfolger Kai Heger sowie Bürgermeister Thorsten Stolz.

Text und Fotos: Dominik Bortz

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