Dominik Brasch ist stellvertretender Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung des Main-Kinzig-Kreises, Christian Litzinger gehört seit kurzem ebenfalls dem Vorstand an. Nachfolgend die persönliche Erklärung von Brasch im Wortlaut, die er laut eigenen Angaben auch auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlicht hat:
"Ich schreibe diese Zeilen nicht leichtfertig. Ich schreibe sie als Bürgermeister, als Familienvater und als jemand, der Christian Litzinger persönlich kennt. Ich weiß, dass er ein engagierter Kollege ist, der sein Amt mit Ernsthaftigkeit und Verantwortung ausübt. Und gerade deshalb lasse ich es nicht unwidersprochen stehen, was ihm in den vergangenen Tagen widerfährt. Was derzeit mit Christian geschieht, ist eine öffentliche Hinrichtung mit den Mitteln des digitalen Mobs. Eine Enthemmung, eine Verrohung, ein Abgrund. Ausgangspunkt war ein Interview – ein Gespräch, in dem Christian Litzinger auf eine Frage geantwortet hat, die im späteren Video gar nicht mehr zu hören war. Übrig blieb ein isolierter Satz. Herausgerissen aus dem Zusammenhang. Verkürzt. Fehlinterpretiert. Und anschließend tausendfach geteilt, kommentiert und mit mehr als nur Empörung aufgeladen.
Zur Einordnung: Die Frage, auf die er geantwortet hat, bezog sich auf frühere Vorfälle im Freibad – etwa Beleidigungen gegen eingesetztes Personal oder Schlägereien. Sie bezog sich ausdrücklich nicht auf die furchtbaren sexuellen Übergriffe, die nun im Raum stehen. Warum ich das weiß? Weil ich gefragt habe, bevor ich urteile. Warum ich das glaube? Weil ich Christian Litzinger kenne – als integren, sachlichen, seinem Bürgermeisteramt würdigen Menschen. Wer ihn kennt, weiß: Er würde niemals einen sexuellen Übergriff verharmlosen. Und wer ihn nicht kennt, aber urteilen möchte, sollte sich zumindest die Mühe machen, sich sauber zu informieren. Wer sich die Mühe macht, den vollständigen Kontext zu betrachten, erkennt, dass Christian nicht relativieren wollte – sondern einordnen, beruhigen, Verantwortung zeigen. Es war kein Fehler, es war eine Antwort. Eine, die bewusst falsch verstanden wurde – von Teilen der Berichterstattung und von denen, die sich nun moralisch überlegen auf ihn stürzen.
Und dieses Stürzen hat nichts mehr mit sachlicher Auseinandersetzung zu tun. Christian wird behandelt, als wäre er selbst der Täter. Menschen, die ihn nie getroffen haben, überschütten ihn mit Hass. Es werden schwerste Beleidigungen ausgesprochen. Es wird ihm der Rücktritt nahegelegt – nicht aus dem politischen Raum, sondern von Menschen, die auf einer Welle der Empörung surfen, die längst nichts mehr mit der Sache zu tun hat. Noch schlimmer: Seine Familie wird mit hineingezogen. Es werden Drohungen ausgesprochen, die sich gegen seine Frau und seine Kinder richten. Diesen werden schlimmste Dinge gewünscht.
Ich frage euch: Was ist das für eine Gesellschaft, in der wir Menschen öffentlich so zerreißen – wegen eines Satzes, den die meisten nicht einmal vollständig gehört oder verstanden haben? Seit wann rechtfertigt ein absichtlich aus dem Zusammenhang gerissener O-Ton Morddrohungen? Seit wann ist es hinnehmbar, dass Menschen für eine verkürzte Darstellung so entmenschlicht werden, dass es offenbar salonfähig geworden ist, ihnen Schlimmstes zu wünschen? Ich verachte die Männer, die diesen Mädchen im Freibad so etwas angetan haben. Sie sollen die volle Härte unseres Rechtsstaats zu spüren bekommen. Als Vater wünschte ich mir in meiner Wut, dass solchen Tätern die Hände abfallen. Aber ich weiß auch, dass genau diese Reaktion – so menschlich sie ist – nicht zum Ziel führt. Und genauso falsch ist es, Christian Litzinger für die Tat anderer verantwortlich zu machen oder ihn zu dämonisieren, nur weil er in einem Interview schlecht dargestellt wurde und geantwortet hat – auf eine andere Frage, wie dargestellt! Wir müssen dringend aufpassen, wie wir miteinander umgehen. Es ist völlig in Ordnung, etwas nicht gut zu finden, dagegen zu protestieren, auch laut. Aber es ist nicht in Ordnung, Menschen zu entmenschlichen, sie zum Abschuss freizugeben und ihnen alles abzusprechen, was sie als Person ausmacht. Wenn wir so miteinander umgehen, dann wird bald niemand mehr bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Dann werden wir nur noch die Lautesten hören – und nicht mehr die Vernünftigsten.
Ich fordere alle, die das hier lesen, dazu auf: Lasst uns innehalten. Lasst uns unterscheiden lernen zwischen der Skandalisierung durch Medien und dem tatsächlichen Geschehen. Lasst uns die Täter verurteilen, nicht diejenigen, die unter schwierigsten Bedingungen Verantwortung tragen. Und lasst uns solidarisch sein mit denen, die in solchen Momenten alleine gelassen werden. Ich stehe zu Christian Litzinger. Ich stehe zu seiner Familie. Ich habe Respekt vor seinem Mut, sich nicht zu verstecken, sondern sich zu erklären. Und ich weiß, dass ich mit diesem Statement auch selbst zur Zielscheibe werde. Aber Schweigen ist in solchen Momenten keine Option. Genau das ist es doch, was uns kaputtmacht: Dass wir uns spalten lassen, dass wir nicht mehr MIT ANSTAND streiten, sondern uns gegenseitig zerfetzen. Ich wünsche den betroffenen Mädchen alles erdenklich Gute, schnelle Hilfe, Heilung und Menschen, die ihnen beistehen. Und ich wünsche Christian und seiner Familie Kraft – und Mitmenschen, die Haltung zeigen. In der ehrlichen Hoffnung hiermit nicht allein zu sein!
Ergänzender Kommentar: Was mich in dieser Situation zusätzlich bestürzt, ist das Verhalten mancher politischer Akteure vor Ort. Dass einzelne Parteien und Vertreter in Gelnhausen diese Welle der Empörung nun auch noch für parteipolitische Zwecke nutzen und sich in einer solch aufgeheizten Lage auf den Bürgermeister stürzen, empfinde ich als beschämend. Ich bin ehrlich froh, dass ich weiß: In Bad Soden-Salmünster würde mir so etwas nicht passieren. Weil wir – bei aller inhaltlichen Auseinandersetzung – respektvoll, menschlich und mit Anstand miteinander umgehen. Weil wir wissen, dass es Grenzen gibt, die man nicht überschreitet. Und weil wir verstehen, dass ein politischer Mitbewerber nicht automatisch ein Feind ist. Gerade in solchen Momenten zeigt sich der Charakter einer politischen Kultur – und auch die innere Haltung zur Demokratie. Wer jetzt meint, sich auf dem Rücken eines einzelnen Menschen und seiner Familie profilieren zu müssen, der sollte sich fragen, ob das noch der Anspruch der demokratischen Mitte ist. Ich hätte mir Solidarität erwartet. Ein gemeinsames Einstehen dafür, dass sachliche Kritik erlaubt ist, aber Hetze, Drohungen und mediale Hinrichtungen niemals akzeptabel sind – auch nicht, wenn man politisch unterschiedlicher Meinung ist. Diese Solidarität vermisse ich. Aber deshalb stehe ich jetzt selbst dafür auf. Und ich hoffe, dass andere das auch noch tun."



Kommentare
Schweizer Gemeinde sperrt nach Übergriffen Freibad für Ausländer
Pragmatisch praktisch gut!
Und 28 Millionen Franken Überschuß in einer Gemeinde von 6500 Einwohnern gibt's da auch.
Da werden Grenzen gesetzt und bei Bedarf gehandelt!!!
Wenn das stimmen sollte das der Fernsehsender einen Zusammenschnitt so veröffentlicht hat, verstehe ich nicht das der OB von GN nicht sofort auf die Barrikaden ging und eine Richtigstellung verlangte.
Das wäre am einfachsten gewesen und hätte einmal wieder einen Beweis erbracht für die "Lügenpresse"
Falls aber alles so wie es ist, richtig ist,
nehmen sie gleich ihren Hut mit und Räumen sie alle Ihrer Posten!
Herr Litzinger wurde im Vorfeld Politisch aufgefordert sich mit den etwaigen Umständen im Freibad zu beschäftigen! Tat er nicht!! Noch unverständlicher wenn er nun häufig betont er sei auch ein ein Vater von ich glaube 2 Töchtern. Da hat er versagt und nichts anderes!! Sich ohne vorher mit einem Medienberater besprochen zu haben ( gerade bei einem so einem schwerwiegenden Ereignis) vor eine Kamera zu stellen ist gelinde gesagt unglücklich ! ich möchte das Wort dumm nicht gebrauchen.Alles in allem hat er die Verantwortung über das Bad und den Geschehnissen die sich darin abspielen PUNKT AUS BASTA. Nicht zu letzt dafür wird er Monatlich mit ca 9000 Brutto ( B3 ) entlohnt. Wenn ich Vater einer der Begrabschten Tochter wäre würde ich ganz anders schreiben! das hätte dann einen Scheißdreck mit Hetze zu tun. Vielleicht sind die Schuhe für Herrn Litzinger ein paar Nummern zu groß um die Herausforderung der heutigen Zeit zu Meistern wenngleich auch das Peronal versagt hat! Zu guter letzt sollte sich Herr Barsch einfach raushalten Genosse hin oder her.
Ihre Fleissarbeit in allen Ehren, doch was da wie eine Standpauke in Richtung Bürger klingt, die sich nach Art. 5GG äussern, könnte auch für Sie ein Rohrkrepierer werden!
Sie schreiben: "Zur Einordnung: Die Frage, auf die er geantwortet hat, bezog sich auf frühere Vorfälle im Freibad – etwa Beleidigungen gegen eingesetztes Personal oder Schlägereien. Sie bezog sich ausdrücklich nicht auf die furchtbaren sexuellen Übergriffe, die nun im Raum stehen."
Das soll man glauben, denn nähere Ausführungen machen Sie nicht.
Glauben will man Ihnen aber nicht. Muss man ja auch eigentlich nicht, denn sowohl Sie als auch Herr Litzinger könnten ja sehr leicht alle erbosten Mitbürger doch auf sehr einfache und wirkungsvolle Weise zum Schweigen bringen:
Veröffentlichen Sie doch einfach die ganze Passage des Interviews, in der dieser skandalöse (aber vielleicht ja wirklich nur arglistig skandalisierte) Satz mit den hitzebedingten Gemütsaufwallungen vorkommt. Wenn Sie in Ihrer öffentlichen Erklärung - die auch noch einige andere sehr diskussionswürdige Punkte enthält - die Wahrheit gesagt haben, müsste dann ja sofort Ruhe sein.
Seltsam, dass Herr Litzinger diesen naheliegenden Schritt nicht selbst schon längst getan hat.
Das Licht der Wahrheit vertreibt bekanntlich alle Dämonen.
Danke - exakt das habe ich auch gedacht!
Dabei hatte Herr Litzinger noch nicht einmal selbst auf die vermeintlich stattgefundenen "frühere Vorfälle" (mithin den Kontext) hingewiesen - im Gegensatz zu Amtskollege Brasch. Insofern wäre dieser Vorwurf an Hr. Litzinger ganz schnell aus der Welt, wenn das entsprechende Interview, bzw. dieser Teil, veröffentlicht würde.
Der ist gut!
Politikversagen.net lesen!
Täglich 800 bis 1000 Straftaten und Übergriffe der übelsten Art zusätzlich, die auf die Menschen zugenommen sind.
Demnach halten Sie alle Sachverhaltsdarstellungen in der öffentlichen Erklärung des Herrn Brasch über eine verfälschte Wiedergabe des Zitates des Herrn Litzinger für wahr? Und das auch noch ausdrücklich ohne weitere Tatsachenprüfung?
Unter diesen Umständen hätte ich da ein wirklich sensationelles Gebrauchtwagenangebot für Sie.