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Gelnhausen: Ex-Bürgermeister Glöckner plant Comeback

Gelnhausen: Ex-Bürgermeister Glöckner plant Comeback

Sechs Jahre lang war Daniel Glöckner Bürgermeister in Gelnhausen und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. Zuletzt war es still geworden um den 48-Jährigen, doch nun kehrt er auf die politische Bühne zurück. Bei der Kommunalwahl am 15. März kandidiert er wie seine FDP-Parteifreunde für die neue „Liberale Bürgerliste Gelnhausen“ (LBGN). Ist das der Start für eine zweite politische Karriere? Diese Antwort und mehr erläutert Daniel Glöckner in diesem Interview.

Herr Glöckner, Sie waren von 2017 bis 2023 Bürgermeister von Gelnhausen. Warum möchten Sie jetzt wieder in die Stadtpolitik zurückkehren?
Daniel Glöckner:
„Gelnhausen ist meine Heimatstadt – hier bin ich verwurzelt und hier habe ich viele Jahre Verantwortung getragen. In meiner Zeit als Bürgermeister haben wir wichtige Weichen gestellt, und ich bringe inzwischen mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik mit. Mir geht es nicht um ein Amt im Rathaus, sondern darum, meine Erfahrung weiterhin einzubringen und Projekte, die ich mit angestoßen habe, als Stadtverordneter konstruktiv zu begleiten. Gerade in einer Stadt wie Gelnhausen ist Kontinuität bei langfristigen Entwicklungen wichtig.“

Wenn Sie auf Ihre Zeit als Bürgermeister zurückblicken – worauf sind Sie besonders stolz?
Glöckner:
„Besonders wichtig war mir immer die langfristige Stadtentwicklung. Ein Beispiel ist die Neuordnung des Areals des ehemaligen Kaufhauses Joh und die Realisierung des neuen Stadtquartiers. Das war ein komplexer Prozess mit vielen Beteiligten, bei dem wir die Grundlagen für eine neue Nutzung mitten in der Stadt geschaffen haben. Ein weiteres Herzensprojekt ist für mich das Kinzigufer mit der Müllerwiese. Die Idee, diesen Bereich stärker als Aufenthaltsraum für die Menschen zu gestalten, begleitet mich schon seit vielen Wahlkämpfen. Es freut mich, dass hier konkrete Planungen entstanden sind.“

Viele dieser Projekte sind noch in der Umsetzung. Welche Rolle wollen Sie dabei künftig spielen?
Glöckner:
„Große Projekte dauern in der Kommunalpolitik oft viele Jahre. Mir ist wichtig, dass die ursprünglichen Ideen und Ziele nicht verloren gehen. Als Stadtverordneter kann ich meine Erfahrung aus der Planungsphase einbringen und darauf achten, dass die Projekte im Sinne der Bürgerinnen und Bürger umgesetzt werden.“

Sie treten für die Liberale Bürgerliste Gelnhausen an. Wofür steht diese Liste aus Ihrer Sicht?
Glöckner:
„Die Liberale Bürgerliste steht für eine sachorientierte Kommunalpolitik ohne starre Parteigrenzen. In der Stadtpolitik geht es weniger um Ideologie als um pragmatische Lösungen für konkrete Probleme – sei es bei Stadtentwicklung, Infrastruktur oder Finanzen. Genau dieser Ansatz hat mich überzeugt. Alle Personen auf unserer Liste stehen fest im Leben, bringen Ihre Lebenserfahrung mit und sind leidenschaftlich für Gelnhausen unterwegs. Und eine gute Politik für unsere Stadt zeichnet sich auch dadurch aus, das Menschen miteinander reden und dann gemeinsam handeln. Das hat früher gut funktioniert hat, wird auch wieder gut werden. Dafür treten wir alle auf unserer Liste an!“

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für Gelnhausen in den kommenden Jahren?
Glöckner:
„Die wichtigste Aufgabe wird sein, Wachstum und Lebensqualität miteinander zu verbinden. Gelnhausen ist eine attraktive Stadt, und das bringt auch Herausforderungen mit sich – etwa bei Wohnraum, Verkehr und der Nutzung unserer Innenstadt. Gleichzeitig müssen wir unsere historischen Stärken bewahren: unsere Altstadt, unsere Geschichte und die hohe Lebensqualität.“

Sie haben ein Buch über die Geschichte der Stadt herausgegeben. Wie beeinflusst dieses Interesse an der Vergangenheit Ihre politische Arbeit?
Glöckner:
Ich bin überzeugt: Wenn man weiß, woher man kommt, weiß man auch, wohin man gehen kann. Gelnhausen hat eine außergewöhnlich reiche Geschichte, und diese Identität ist ein wichtiger Kompass für zukünftige Entscheidungen. Stadtentwicklung sollte immer im Einklang mit der Geschichte und dem Charakter einer Stadt stehen.“

Nach Ihrer Zeit als Bürgermeister hätten Sie sich auch ganz aus der Politik zurückziehen können. Was treibt Sie weiterhin an?
Glöckner:
„Kommunalpolitik ist für mich immer mehr gewesen als ein Beruf – sie ist eine Form von Engagement für die eigene Heimat. Wenn man viele Jahre Verantwortung getragen hat und Entwicklungen angestoßen hat, dann lässt einen das auch nicht einfach los. Ich möchte weiterhin dazu beitragen, dass sich Gelnhausen positiv entwickelt.“

Was möchten Sie den Wählerinnen und Wählern kurz vor der Kommunalwahl mit auf den Weg geben?
Glöckner:
„Ich würde mich freuen, wenn die Menschen der Liberalen Bürgerliste und mir ihr Vertrauen schenken. Ich bringe Erfahrung, Leidenschaft für meine Heimatstadt und ein klares Verständnis für die langfristige Entwicklung Gelnhausens mit. Unser Ziel ist es, weiterhin konstruktiv für unsere Stadt zu arbeiten.“

Ein prägender Abschnitt Ihrer Amtszeit war die Corona-Pandemie. Wie blicken Sie heute auf diese Zeit zurück?
Glöckner:
„Die Corona-Pandemie war ohne Zweifel die größte Herausforderung meiner Amtszeit – wahrscheinlich sogar die tiefste Krise für unsere Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg - vielleicht sogar seit dem Dreißigjährigen Krieg. In dieser Situation ging es vor allem darum, handlungsfähig zu bleiben, Entscheidungen schnell zu treffen und gleichzeitig die Menschen mitzunehmen. Wir mussten innerhalb kürzester Zeit Strukturen schaffen, um Verwaltung, Kitas, Vereine und die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Besonders wichtig war mir dabei immer die enge Abstimmung mit unserer Belegschaft im Rathaus, den Hilfsorganisationen, dem Main-Kinzig-Kreis und unseren lokalen Einrichtungen. Rückblickend bin ich sehr dankbar für den Zusammenhalt in unserer Stadt. Verwaltung, Ehrenamtliche und viele Bürgerinnen und Bürger haben in dieser schwierigen Zeit gezeigt, wie stark unsere Gemeinschaft ist.“

Der Bahnhof in Gelnhausen befindet sich in einer großen Umbauphase. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für die Stadt?
Glöckner:
„Der Bahnhof ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte für die Zukunft unserer Stadt. Gelnhausen liegt an einer zentralen Verkehrsachse zwischen Rhein-Main und Osthessen, und ein moderner Bahnhof stärkt unsere Rolle als Mobilitätsknoten in der Region. Während meiner Amtszeit haben wir deshalb intensiv daran gearbeitet, die Grundlagen für den Umbau und die Weiterentwicklung des Bahnhofs zu schaffen. Dazu gehört auch die gemeinsame Machbarkeitsstudie mit der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig, die prüfen soll, ob künftig auch kürzere ICE-Züge in Gelnhausen halten können. Das wäre ein echter Gewinn für Pendler, Unternehmen und den gesamten Standort. Mir persönlich war dieses Thema immer sehr wichtig, weil ein leistungsfähiger Bahnhof ein entscheidender Standortfaktor für eine Stadt ist. Deshalb habe ich mich in den Gesprächen mit Bahn, Kreis und weiteren Partnern sehr intensiv eingebracht, um die Interessen unserer Stadt zu vertreten. Ein weiterer Schritt, den ich gerne anstoßen möchte, ist die zukünftige Bezeichnung als „Hauptbahnhof Gelnhausen“. Schließlich gibt es neben dem Bahnhof in der Kernstadt noch mehrere weitere Haltepunkte im Stadtgebiet. Der Name „Hauptbahnhof“ würde deshalb nicht nur die tatsächliche Bedeutung dieses Verkehrsknotens widerspiegeln, sondern auch den Stellenwert Gelnhausens als zentralen Standort in der Region unterstreichen.“

Ein weiteres großes Thema Ihrer Amtszeit war der Ausbau der Kinderbetreuung. Welche Bedeutung hat der Kita-Masterplan für die Zukunft Gelnhausens?
Glöckner:
„Der Kita-Masterplan war ein ganz zentraler Baustein unserer Stadtentwicklung. Wir haben früh erkannt, dass Gelnhausen wächst und dass damit auch der Bedarf an Betreuungsplätzen deutlich steigt. Deshalb haben wir eine langfristige Strategie entwickelt, um neue Plätze zu schaffen und bestehende Einrichtungen zu erweitern. Ein wichtiger Motor dabei war der damalige Vorsitzende des Sozialausschusses, Hendrik Silken und seine Stellvertreterin Birgit Jakob-Wegener, beide haben dieses Thema sehr engagiert begleitet. Es freut mich besonders, dass Herr Silken heute auch auf der Liste der Liberale Bürgerliste Gelnhausen kandidiert. Der Ausbau der Kinderbetreuung ist nicht nur Familienpolitik, sondern auch Standortpolitik. Gute Betreuungsangebote sind entscheidend dafür, dass junge Familien gerne in Gelnhausen leben und arbeiten.“

Vermutlich 2029 findet in Gelnhausen die nächste Bürgermeisterwahl statt. Planen Sie, erneut für das höchste politische Amt in ihrer Heimatstadt zu kandidieren?
Glöckner:
„Jetzt kandidiere ich erst einmal für die Stadtverordnetenversammlung. Bis 2029 sind noch einige Jahre - mal sehen wie sich die Welt und unser Gelnhausen bis dahin entwickelt hat."

Kommentare

1
Andre
2 monate vor
Daniel: schreib‘ Bücher, mach Führungen oder sei Laienschauspieler! Das ist genau Dein Ding!

Aber bleib‘ der Kommunalpolitik fern!


Und noch eins: der Stolz hat sich schon mit dem JOH-Projekt völlig übernommen (ich sag nur „Investor“ Leuze…). Du hast diesen toten Gaul übernommen und es sogar geschafft diesen zu Tode zu reiten!

Lass es einfach!
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1
Andre
2 monate vor
Comeback ohne Bilanz! Was ein Schwätzer!
Daniel Glöckner versucht im Interview, seine 6-jährige Amtszeit als Bürgermeister von Gelnhausen in ein nachträgliches Erfolgskapitel umzuschreiben. Was dabei auffällt: viel Selbstlob, wenig Substanz.
Immer wieder spricht Glöckner davon, er habe „wichtige Weichen gestellt“. Das ist eine klassische politische Nebelkerze. „Weichen stellen“ bedeutet in der Praxis nur: Diskussionen anstoßen, Studien beauftragen oder Prozesse beginnen. Das Projekte tatsächlich umgesetzt wurden, bleibt offen. Genau das wäre aber die entscheidende Frage nach 6 Jahren im Amt. Beim ehemaligen Kaufhaus Joh oder beim Kinzigufer werden komplexe und über viele Jahre entwickelte Projekte kurzerhand zu persönlichen Erfolgen erklärt. Tatsächlich sind solche Vorhaben immer Gemeinschaftsleistungen von Stadtverordnetenversammlung, Verwaltung, Investoren und Bürgern. Wer sie im Rückblick allein für sich reklamiert, betreibt Geschichtsklitterung.
Besonders irritierend ist Glöckners Rückblick auf die Corona-Zeit. Die Pandemie als „größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg – vielleicht sogar seit dem Dreißigjährigen Krieg“ zu bezeichnen, ist historisch absurd und vor allem eines: eine dramatische Selbstüberhöhung der eigenen Rolle. Die entscheidenden Maßnahmen kamen von Bund und Land – nicht aus dem Gelnhäuser Rathaus. Auch die Zukunftsvisionen bleiben dünn. Ein möglicher ICE-Halt basiert lediglich auf einer Machbarkeitsprüfung ohne jede Entscheidungskompetenz vor Ort. Die Idee, den Bahnhof in „Hauptbahnhof“ umzubenennen, ist reine Symbolpolitik. Ein neuer Name bringt weder mehr Züge noch bessere Verbindungen. Wer politisch zurückkehren will, sollte zuerst eine ehrliche Bilanz seiner Amtszeit vorlegen. Stattdessen präsentiert Glöckner eine Erzählung, in der fast alles gelungen ist und fast jedes Projekt auf ihn zurückgeht.
Die große Gelnhäuser Mehrheit war froh, als ein neuer Bürgermeister gewählt wurde und nicht der Möchtegern-Napoleon!
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1
Bürger
2 monate vor
Gelnhausen: Seit dem Dreißigjährigen Krieg nichts Neues?

Das aktuelle Interview mit Daniel Glöckner ist ein rhetorisches Kunstwerk des politischen „Interior Designs“: Er dekoriert die Erfolge seines Nachfolgers so geschickt mit den eigenen alten Tapetenresten, dass der Laie kaum noch erkennt, wer hier eigentlich den Hammer geschwungen hat. Glöckner spricht von „Weichenstellungen“ und „Kontinuität“, wo viele Bürger eher ein dauerhaftes Abstellgleis in Erinnerung haben.

Besonders beim Areal des ehemaligen Kaufhauses JOH reibt man sich verwundert die Augen. Dass er dort die „Grundlagen geschaffen“ habe, ist eine mutige Interpretation von sechs Jahren gepflegtem Stillstand. Wer einem offensichtlich untauglichen Projektentwickler per Fristverlängerung noch mehr Zeit zum Nichtstun schenkte, hat die Stadtentwicklung nicht vorangetrieben, er hat das Warten kuratiert. Ein „komplexer Prozess“? In der Tat – so komplex, dass am Ende außer Spesen und verpassten Chancen wenig hängen blieb.

Ein echtes Highlight ist jedoch der historische Kompass des Ex-Rathauschefs. Corona sei die größte Krise seit dem Dreißigjährigen Krieg gewesen. Man sieht förmlich vor sich, wie Glöckner anno 1634 den schwedischen Truppen mit einer Machbarkeitsstudie für das Kinzigufer und einer Maskenverordnung furchtlos entgegengetreten wäre. Wer die eigene Amtszeit so unerschrocken in eine Reihe mit der größten Katastrophe der Frühen Neuzeit stellt, hat zumindest eines nicht: ein Problem mit mangelndem Selbstbewusstsein.

Glöckner möchte nun als Stadtverordneter darauf achten, dass seine „ursprünglichen Ideen“ nicht verloren gehen. Das ist eine Drohung und ein Versprechen zugleich. Wer ihn wählt, bekommt genau das, was er sechs Jahre lang im Rathaus hatte: Viel Prosa, historische Vergleiche und das beruhigende Gefühl, dass sich die Welt zwar dreht, in Gelnhausen aber alles beim Alten – und beim Warten – bleibt.
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