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Gezielte Angriffe auf medizinische Infrastruktur in Ukraine: „Jetzt erst recht“

Gezielte Angriffe auf medizinische Infrastruktur in Ukraine: „Jetzt erst recht“
Hochmotiviert: Mitglieder der Medizinhilfe beim Abholen und Verpacken von Hilfsgütern für die Ukraine.

Die Nachrichten aus der Ukraine sind erschütternd: Russische Raketen haben Ende November zentrale Verteilzentren für Krankenhausmaterial zerstört.

Ein massiver Angriff auf ein Depot in Lwiw legte die Versorgung von rund 600 Kliniken lahm. Nur wenige Tage später wurde ein weiteres medizinisches Lager in Dnipro gezielt angegriffen. Dr. Martina Scheufler, Leiterin der Medizinhilfe aus Hanau, warnt: „Die medizinische Versorgung im Land steht unter massivsten Belastungen, aber die Menschen müssen versorgt werden. Unsere Hilfe wird dringender denn je gebraucht.“

In einem Jahr, das von Krieg, Erschöpfung und politischer Unsicherheit geprägt war, hat die Medizinhilfe aus Hanau ihre Arbeit unbeirrt fortgesetzt. Über 55 Tonnen medizinischer Hilfsgüter wurden 2025 von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gesammelt, sortiert und in ukrainische Städte wie Charkiw, Myrhorod und Odessa gebracht – teilweise sogar bis an die Front. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 wurden so nun schon 40 Sattelschlepper mit rund 400 Tonnen Ladung auf die Reise geschickt. In Zusammenarbeit mit der Spedition Hellmann East-Europe im Hanauer Hafen und lokalen NGOs wie der „Kharkiv Volunteer Union“ und „Wheels“ in Myrhorod erfolgt die Verteilung lückenlos dokumentiert und bedarfsgerecht.  

Trotz Krieg, Inflation und Erschöpfung der Bevölkerung vor Ort blieb das kleine Hanauer Team mit 20 Aktiven das ganze Jahr über im Einsatz. Mehrfach wurden komplette Arzt- und Zahnarztpraxen abgebaut – von Bremen bis in die Eifel – und deren Inventar in Kliniken vor Ort eingesetzt: Betten, OP-Tische, Ultraschallgeräte, Möbel, Diagnosetechnik, Rollstühle und Reha-Equipment. Auch Büromöbel, IT-Technik und Alltagsbedarf wie Hygieneartikel oder Winterbettwäsche wurden gezielt beschafft und versendet.

Ein Schwerpunkt der Arbeit lag 2025 erneut auf der Millionenstadt Charkiw, die unter ständigem Beschuss steht. „Über die Zusammenarbeit mit der NGO gelangen Spenden dort an 27 Kliniken und Ambulanzen“, sagt Scheufler. Im Sommer blickte die Initiative auf ihre langjährige Geschichte zurück. 30 Jahre Medizinhilfe und 25 Jahre Partnerschaft mit dem Christian Medical Center Mukachevo (West-Ukraine) wurden im August mit einer Dankesfeier in der Neuen Johanniskirche Hanau gewürdigt – ganz ohne Spendenmittel, aber mit großem Engagement von Unterstützern, der Kirchengemeinde und Service-Clubs. Ein symbolischer Moment der Ermutigung.

Für 2026 sind bereits neue Transporte geplant. In Frankfurt wartet hochwertige Medizintechnik auf ihren Abtransport, eine große chirurgisch-orthopädische Praxis in Kulmbach soll übernommen werden. „Die Arbeit wird weitergehen. Jetzt erst recht – nicht trotz, sondern wegen der Angriffe, die gezielt die Gesundheitsversorgung der Zivilbevölkerung treffen“, sagt Scheufler. „Wir werden weiter tun, was wir können – auch wenn wir am Limit arbeiten. Was uns trägt, ist die Dankbarkeit vor Ort und das Vertrauen unserer Unterstützer.“ Die Medizinhilfe bittet deshalb auch im neuen Jahr um aktive Hilfe, Sachspenden und finanzielle Unterstützung.

Die Medizinhilfe ist eine humanitäre Initiative aus dem Rhein-Main-Gebiet. Seit 1996 engagiert sie sich in der Ukraine, insbesondere zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im Großraum Mukachevo (West-Ukraine). Seit Februar 2022 wurde die Hilfe auf die gesamte Ukraine ausgeweitet.

www.medizinhilfe.com

Spendenkonto: 

Ev. Stadtkirchengemeinde Hanau
IBAN: DE62 5065 0023 0000 0503 51
BIC: HELA DE F1 HAN
Sparkasse Hanau
Kennwort: Medizinhilfe

medizinhilfejetzterstre az

Hochmotiviert: Mitglieder der Medizinhilfe beim Abholen und Verpacken von Hilfsgütern für die Ukraine.

Kommentare

1
felix
5 monate vor
„Jetzt erst recht“
Hat das den richtigen (christlichen) Zungenschlag?
Würde man den Opfern der Barbarei in der Ukraine nicht viel mehr helfen, wenn man alles daran setzen würde, diesen Krieg endlich zu beenden?
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0
Holger Kliem
5 monate vor
Da haben sie recht. Das liegt aber nicht in der Macht der Medizinhilfe. Daher bleibt es unsere Aufgabe, denen zu helfen, die bedürftig sind - mehr denn je. Hoffen und beten wir für ein Einsehen und Frieden.
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