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Mit Grimm im Ring: Märchenalarm im JUZ K-Town

Mit Grimm im Ring: Märchenalarm im JUZ K-Town

Inspiriert von der energiegeladenen Stimmung der Boxgala zum 20-jährigen Jubiläum des Box Gyms im Evangelischen Jugendzentrum K-Town entstand eine ungewöhnliche Idee: Theaterpädagogin und Autorin Marianne Zückler aus Berlin wollte mit jungen Boxerinnen und Boxern theaterpädagogisch arbeiten.

In den Herbstferien wurde diese Idee nun Realität.

Rund 130 Kinder und Jugendliche trainieren regelmäßig im Box Gym des JUZ K-Town, das mehrfach für seine beispielhafte Jugendarbeit ausgezeichnet wurde. Trainer Davut Demir und das Team waren sofort offen für das Experiment, Theater und Boxen zu verbinden. In den Herbstferien nahmen sieben Mädchen und drei Jungen im Alter zwischen 10 und 13 Jahren an einem zweitägigen Workshop teil. Gemeinsam interpretierten sie das Grimm’sche Märchen „Das tapfere Schneiderlein“ neu – mit viel Energie, Kreativität und Humor.

Aus dem Schneiderlein wurde eine Schneiderin, die Riesen, die Prinzessin und der König verwandelten sich in Figuren aus dem Alltag der Kinder – in Geschwister, Eltern und andere Autoritätspersonen. „Die Kinder konnten ihrer Kreativität freien Raum lassen und der Geschichte ihren ganz persönlichen Stil verleihen“, berichtet Sozialarbeiterin Antje Heigl vom JUZ-Team. So floss auch ganz ohne Kampf das ein oder andere Element aus der Boxwelt in die Szenen ein. Für die jungen Darsteller und Darstellerinnen ging es aber nicht nur ums Schauspielen: „Die Kinder diskutierten lebhaft über Selbstbewusstsein, Mut und Selbstbestimmung“, verrät Heigl. Auch schwierige Themen wie Zwangsheirat oder Gleichberechtigung fanden Platz im Spiel. So entschieden die Kinder etwa gemeinsam, dass die Hochzeit zwischen Schneiderlein und Prinzessin stattfinden sollte – schließlich habe der König sein Versprechen zu halten. Doch beim Traualtar kam die große Überraschung: Die Prinzessin, gespielt von einem Mädchen aus Afghanistan, erklärte plötzlich, sie wolle nicht heiraten, sondern Freundschaft anbieten. „Nach einem Moment der Stille folgte begeisterter Applaus“, fasst die Sozialarbeiterin zusammen. Und der elfjährige Standesbeamte habe trocken kommentiert: „Er kriegt zwar nicht die Prinzessin, dafür das halbe Königreich.“

Mit jeder Menge Spaß und vielen neuen Erfahrungen ging der Workshop zu Ende. Heigl nutzt die Gelegenheit, sich herzlich bei der Firma Steding aus Hanau und der Bürgerstiftung Hanau Stadt und Land zu bedanken, die das JUZ K-Town mit jährlichen Spenden unterstützen. „Dank dieser Unterstützung konnten wir den Kindern diese besondere Erfahrung ermöglichen“, betont sie. Und nicht nur die Teilnehmenden waren von der theaterpädagogischen Arbeit fasziniert – auch das JUZ-Team zeigte sich beeindruckt von der Kreativität, Offenheit und dem Mut der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler. Schon jetzt gibt es Überlegungen, ähnliche Projekte auch in künftigen Ferienprogrammen anzubieten. „Das Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, wie zeitlos die Themen der Grimm’schen Märchen sind – vorausgesetzt, Kinder dürfen sie in einem sicheren, freien Raum neu deuten“, fasst Heigl zusammen.

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