TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Mieter*innen und Die Linke organisieren Widerstand gegen chaotische Sanierungen

Mieter*innen und Die Linke organisieren Widerstand gegen chaotische Sanierungen
Oliver Körting.

Circa 70 Mietparteien der Nassauischen Heimstätte in Maintal haben sich am Wochenende zu einer ersten Versammlung getroffen, um über die aus ihrer Sicht zermürbende Sanierung zu sprechen.

Die Partei Die Linke hatte die Veranstaltung im Bürgerhaus Bischofsheim organisiert. Unterstützung erfahren die Mieter nun auch von den hessischen Bundestagsabgeordneten der Linken. "Seit Sommer 2025 werden die Gebäude der Nassauischen Heimstätte in der Gerhart-Hauptmann-Straße, Goethestraße und Schillerstraße in Maintal-Bischofsheim saniert. 216 Mietwohnungen sind betroffen. Allerdings laufen die Arbeiten sehr schleppend, unzuverlässig und zuweilen gar chaotisch. Wir haben in den vergangenen Wochen mit einigen Mieter*innen gesprochen, uns die Wohnungen zeigen lassen – und es ist wirklich kaum vorstellbar, was die Menschen hier aushalten müssen“, sagt Oliver Körting, Sprecher für die Linke in Maintal.

„Die Meisten haben seit Monaten offen liegendes Dämmmaterial und Putz an Fenstern und Türen. Dazu wurde an einigen Stellen tropfnasses Dämmmaterial verbaut, während die neuen Fenster bereits davor gesetzt waren. Die Luftqualität ist entsprechend schlecht. In mehreren Wohnungen schimmelt es jetzt“, sagt Körting. „Viele Bewohner lagern außerdem seit Monaten Privatsachen in ihren Räumen, die sonst auf dem Dachboden oder im Keller stehen. Balkone und Fenster sind kaum oder gar nicht mehr nutzbar. Menschen hätten so seit circa 9 Monaten weniger Platz und weniger Lebensqualität in ihrem Zuhause, erklärt der Linken-Sprecher. Einige Bewohner sagten bei der Versammlung, sie fühlten sich seit Beginn der Sanierung „wie im Knast“. Mietminderung? Bisher Fehlanzeige. Die Menschen fühlen sich allein gelassen. Gut wäre, wenn die Nassauische Heimstätte als mehrheitlich landesbetriebenes Unternehmen den Menschen mit einer Mietminderung entgegen kommt und die Sorgen ernst nimmt“, so Körting weiter. „Stattdessen ist eine Mieterhöhung von gut 20% bereits angekündigt.“

Die Menschen in der Siedlung hätten jetzt genug, so Körting. „Sie fühlen sich vom Unternehmen, aber auch von Stadt, Kreis und Regierungspräsidium in Stich gelassen. Niemand hat ihre Probleme bisher ernst genommen.“ Am vergangenen Samstag haben sich nun erstmals die Nachbarinnen und Nachbarn in großer Runde ausgetauscht. „Sich alleine zu wehren, ist schwierig, nervenaufreibend und seltener von Erfolg gekrönt. Viele verspüren da auch Angst“, erklärt Körting. „Wenn sich die Siedlung organisiert, schafft das eine ganz andere Dynamik. Das ist gelebte Solidarität.“

Bundestagsabgeordnete Desiree Becker vor Ort

Die Linke will die Menschen auf diesem Weg unterstützen. „Desiree Becker hat sich am Wochenende ebenfalls ein Bild gemacht. Sie sitzt für Die Linke im Bundestag. Und sie war schockiert, unter welchen Bedingungen Menschen hier wohnen müssen“, so Körting weiter. „Wir werden daher auf kommunaler Ebene und im Land auch politisch Druck aufbauen.“ Die Mieterinnen und Mieter haben sich für die nächsten Schritte bei der Veranstaltung weiter vernetzt. Denn die Sanierungsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen. „Viele Häuser haben das Meiste noch vor sich. Bei weniger als der Hälfte der Wohnungen sind die Arbeiten überhaupt begonnen.“ Dazu komme, so Körting, dass weitere Häuser in Maintal betroffen seien: „Neben diesen Häusern in Bischofsheim will die Nassauische auch in der Waldsiedlung in Dörnigheim Häuser mit 70 Mietparteien sanieren. Hier haben wir jetzt bereits Kontakt hergestellt. Die Menschen aus der Waldsiedlung und hier in Bischofsheim tauschen sich aus und gehen jetzt koordiniert vor.“ In Dörnigheim sei derweil die angekündigte Mieterhöhung zwischenzeitlich sogar um weitere 50% angehoben worden, erklärte ein Bewohner.

Die Linke plant weitere Veranstaltung

Oliver Körting zeigt sich beeindruckt von der Resonanz und der Nachbarschaft: „Ich habe gemerkt, dass viele Menschen sich hier bereits kennen und austauschen. Das ist nicht selbstverständlich. Einige sind hier selbst aufgewachsen oder wohnen seit gut 40 Jahren hier. Manche länger. Und sie unterstützen sich gegenseitig. Das ist eine gute Voraussetzung für die nächsten Schritte.“ Dass viele Menschen wegen der Sanierung und Mieterhöhung über einen Wegzug nachdenken, macht dem Maintaler Linken-Sprecher Sorgen. „Das ist eine Siedlung mit funktionierendem sozialen Netzwerk. Die Nassauische Heimstätte und die ausführende Firma Renowate gefährden das. Und das ist verantwortungslos.“ Der Linke-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl in Maintal kündigte am Samstag an, dran zu bleiben. „Das war der Auftakt. Wir werden nach der Wahl eine weitere Mieterinnenversammlung machen. Wohnen darf nicht arm machen. Wohnen darf nicht krank machen. Beides erleben die Menschen hier leider. Dagegen wehren wir uns jetzt gemeinsam.“

koertinglinkemain az

Oliver Körting.

Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis