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Sieger ist ein „Guter Junge“: Zweiter Bücher-Clinch im Medientreff

Sieger ist ein „Guter Junge“: Zweiter Bücher-Clinch im Medientreff

Vier Streiter für gute Bücher hatten sich im Vorfeld durch viele Seiten gelesen, um über Literatur zu diskutieren und für ihren Favoriten in den Ring zu steigen.

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Max Höft beginnt mit Paul MacVeighs „Guter Junge“, einem Zehnjährigen, der in den 80er Jahren zu Zeiten des IRA-Terrorismus seine Kindheit erlebt. Der Coming-of-Age-Roman besticht durch eine spannende Handlung und einer großen Leichtigkeit, trotz des ernsten Themas. Für den jungen Mickey ist der Terror „normal“. Detlef Knoll stellt fest, dass das Kind die Ereignisse als gegeben hinnimmt und sie nicht dramatisiert. Auch Ulrike Köhler und Irene Weingärtner haben das Buch gerne gelesen. Man ist sich einig: ein „wunderbares Buch“, das durch Augenzwinkern und Witz den Leser die bitteren privaten Umstände leichter ertragen lässt. Das überraschende Ende gibt dem Roman eine unerwartete Wendung. Zweites Buch im Ring, vorgestellt von Irene Weingärtner: „Rebus“ von Ian Rankin.

Der durch seine Krimis bekannte schottische Autor veröffentlicht Kurzgeschichten um den griesgrämigen, gerechtigkeitsliebenden und leicht verbitterten Kommissar John Rebus. Er gibt Einblicke in die jungen Jahre des Kommissars bis zu seiner Pensionierung. Ulrike Köhler, die das Genre Krimi eigentlich nicht interessiert, ist von den Einblicken in die Stadt Edinburgh fasziniert, die man durch die Geschichten bekommt. Detlef Knoll empfiehlt die Romane des Autors, „Krimikurzgeschichten sind ein Anachronismus“. Irene Weingärtner hält dagegen: „Wenn Ihnen ein Roman zu lang ist – lesen Sie Kurzgeschichten“. Das dritte Buch des Abends wird von Detlef Knoll empfohlen. Es ist das Buch eines Autors, dessen Werk er eigentlich nicht mag: Christoph Ransmayr. Das neueste Buch „Cox“ sei aber hervorragend, unterhaltsam, informativ in einem „Wahnsinnsstil“ geschrieben. Es geht um die Zeit: Der chinesische Kaiser möchte die Zeit beherrschen und lässt den englischen Uhrmacher Alistair Cox in die verbotene Stadt reisen, um den ultimativen Zeitmesser zu bauen. Ulrike Köhler ist Ransmayr-Fan: das Buch sei ein Meisterwerk, die Atmosphäre in der verbotenen Stadt würde vermittelt, die Lösung am Ende sei phänomenal. Maximilian Höft, der jüngste in der Runde empfindet den Stil als antiquiert, trotzdem gehe die Handlung gut voran. Ulrike Köhler wirft ein, die Sprache sei der Zeit und dem Sujet angemessen, majestätisch und getragen. Irene Weingärtner: „Ein bisschen weniger wäre mehr gewesen.“ Das umstrittenste Buch des Abends wird von Ulrike Köhler vorgestellt, es handelt sich um Nathan Hill: „Geister“.

Das Achthundert-Seiten-Werk habe sie mit großem Interesse und Freude gelesen. Der Autor hat zehn Jahre an dem Buch geschrieben, es ist eine Mutter-Sohn-Geschichte, spielt zwischen 1968 und 2011 in den USA und verfügt über zahlreiche Nebenschauplätze. Unter anderem wird ein Präsidentschaftskandidat beschrieben, der aus dem Buch in die Realität entwichen zu sein scheint: „Man hat immer wieder den Eindruck, dass die Worte exakt in dem Moment seinen Mund verlassen, da sie ihm in den Sinn kommen. Er redet, ohne sich um Kontext oder Syntax zu scheren oder auch nur zu versuchen, seine Sätze inhaltlich mit dem in Verbindung zu bringen, was gerade Thema ist. Sein Redestil ist eine Art verbaler Impressionismus. Befreit von Zwängen überkommener Grammatik, arbeiten sich seine Sätze nicht unbedingt logisch voran, sondern bilden eine semantische Suppe, einen Brei frei assoziierter Punkte, der von hier nach da treibt und in gewisser Weise das sprachliche Äquivalent einer Überflutung darstellt, die mit sich reißt, was immer sie will.“ Die Mutter der Hauptfigur, ein Uniprofessor, gerät unter Terrorismusverdacht, was für den Sohn weitreichende Folgen haben wird. Max Höft benötigte einen „Anlauf“ von zweihundert Seiten, danach nehme die Story immer mehr Fahrt auf. Irene Höft hat das Buch nicht komplett gelesen, sie brauche für einen derartig umfangreichen Roman Urlaub und Muße zum Lesen. Detlef Knoll liebt zwar dicke Bücher, der Autor verliere sich hier aber in zu vielen Handlungssträngen. Max Höft fasst zusammen: ein guter Erstlingsroman, dem eine Kürzung gutgetan hätte. Nach der Pause erfolgt die Abstimmung der Zuschauer: mit einer überwältigenden Mehrheit von 80% der Stimmen geht „Guter Junge“ von Paul MacVeigh als Siegertitel hervor. Max Höft, der an diesem Abend für das Buch in den Ring gestiegen ist, überreicht den Roman der Gewinnerin der Verlosung, Christa Jacob aus Rodenbach. Sie wird noch an diesem Abend die Neugier auf den „guten Jungen“ stillen können.

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