Über 40 Jahre sei das Bad ohne größere Instandhaltungsarbeiten betrieben worden, viele Mängel im Laufe der Zeit aufgelaufen, die zuletzt ein gewaltiges Ausmaß angenommen hätten. Das Resultat sei, dass die jetzt notwendigen Renovierungsarbeiten fast einem Neubau gleichkommen. Sie hätten aber nichts mit einem „Prestigeobjekt“ zu tun, sondern seien einfach notwendig. Das Stadtparlament habe sich glücklicherweise einstimmig für ein modernes Familien- und Sportbad ausgesprochen, freut sich Möller.
"Die aktuellen Kosten für die einzelnen Teilbereiche wurden in den vergangenen Monaten sorgfältig ermittelt und belaufen sich demnach regulär auf rund 20 Millionen Euro – eine enorme Summe, die aber nicht in Stein gemeißelt sein dürfe. Der erste Schritt zur Planung einer modernen Badewassertechnik sei bereits erfolgreich von der Stuttgarter Fachfirma IWTI vorgenommen worden. Das Unternehmen wird nun auch den Bau der verschiedenen Becken und vom Keller des Technikgebäudes organisieren. Dieser Schritt ist die Basis für das gesamte Bauvorhaben", betont Möller. Für alles, was dann folge, sei noch einmal deutlich der Rotstift angesetzt worden.
Damit komme die neu gegründete Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) ins Spiel – und somit enorme Kosteneinsparungen. Möllers Meinung nach sei es gut, dass die Stadt aus den Fehlern vor Beginn seiner Amtsgeschäfte beispielsweise bei der umfassenden Renovierung des Dorfgemeinschaftshauses Hutten oder der Konzeption des Hallenbades eine wichtige Lektion gelernt hätten. Bei diesen zwei genannten von einigen Beispielen habe eine signifikante, professionelle Projektleitung gefehlt. Die bittere Erkenntnis: "Was gebaut wurde, sei extrem mangelhaft über die Bühne gegangen, funktioniere nicht oder sei ineffizient. Ich bin dankbar, dass die Stadtverordneten meine Idee unterstützt haben, eine eigene Stadtentwicklungsgesellschaft für Sonderaufgaben zu gründen.“ Die SEG werde ab 1. August komplett das Projekt Sanierung/Neubau Freibad übernehmen. Das bedeute, dass der Bau und der anschließende Betrieb außerhalb der Verwaltung organisiert wird.
Die Stadt veranschlage im ersten Schritt Baukosten von bis zu 9,5 Millionen Euro. Durch die Abwicklung über die SEG spare die Kommune die Mehrwertsteuer in Höhe von gut 1,5 Millionen Euro. Als Zuschuss gebe es außerdem über das SWIM-Programm des Landes eine Million Euro. In Summe ergebe das für den Hauptabschnitt einen Investitionsbedarf von rund 6,9 Millionen Euro netto. Dies stelle eine enorme Reduzierung der Baukosten dar.
Unter der Regie der SEG und ohne weitere Inanspruchnahme eines externen Planungsbüros werde der gesamte weitere Ausbau des Bades erfolgen, so beispielsweise der Aufbau des Technikgebäudes, der Sanitäranlagen und der Mietkabinen in zeitgemäßer Holzleichtbauweise. "Mit dieser Eigenleistung der SEG und der damit verbundenen Ersparnis der Mehrwertsteuer werden enorme Einsparungen im siebenstelligen Bereich erzielt", ist Möller sicher. Gerade im Bereich der Planungskosten gebe es eine Verbilligung um rund zwei Millionen Euro. „Wir werden nicht mehr alles nur Planern, Architekten und Ingenieuren überlassen, die horrende Summen für ihre Arbeiten verlangen.“
Nach derzeitiger Planung werden die Schwimmbecken bis Sommer 2025 fertiggestellt sein, so dass sie im Herbst erstmals gefüllt werden können. Im Frühjahr 2026 startet ein notwendiger Probebetrieb, der im Sommer des Jahres dann abgeschlossen sein soll. „Stand jetzt gehe ich immer noch davon aus, dass wir unser Schlüchterner Freibad für rund 15 Millionen Euro komplett erneuern“, gibt sich der Bürgermeister optimistisch. Es werde ein hartes Stück Arbeit, aber er vertraue auf das Wissen der Partner und seines Teams. Das Ziel sei und bleibe es, das neue Freibad Schlüchtern zu einem besonderen Ort der Erholung und Aktivität für Familien, Kinder und Sportbegeisterte zu machen.
So soll sich das Schlüchterner Freibad ab dem Jahr 2026 seinen Gästen präsentieren, im Vordergrund die bunten Mietkabinen. Visualisierung: Studio Revoluzzer
Der Eingangsbereich der Einrichtung wird künftig komplett barrierefrei. Visualisierung: Studio Revoluzzer





Kommentare
Erst mit dem Abreißen beginnen und dann sich zu wundern dass es so teuer wird spricht Bände.
Das reißt auch die SEG nicht mehr heraus. Auch dort müssen die Mitarbeiter bezahlt werden und das Material bekommt man nicht geschenkt.
Ein Jonglieren mit Geldern, wie in verschieden Medienberichten zu lesen, ist absolut unseriös und wirkt damit unglaubwürdig.
Diese Projekt reiht sich in die Vorgängerprojekte ein, die zuerst mit einer Sanierung dann aber doch durch einen zwangsweisen Neubau herauskristallisiert.
Da wäre das Gemeinschaftshaus in Elm, der Stadtplatz vor dem Rathaus und nun das Freibad in Schlüchtern. Das riecht schwer nach Denkmalsetzerei.
Unverständlich auch die Stadtverordneten, dort scheint man keine eigene Meinung mehr zu haben. Es wird zu allem Ja und Amen genickt.
Bleibt nur zu hoffen, dass diese, zum Teil absolut unnötigen Ausgaben letztendlich nicht am Bürger hängen bleiben und der die Zeche für diese Akrobatik zahlen muß. Was vermutlich aber nicht der Fall sein wird.
Welch eine Stümperei.
2026 wird kaum ein Schwimmbad ohne auskommen.