Gründe genug für die Schlüchterner Polizei immer mal wieder ein aufmerksames Auge auf die Entwicklung dort zu haben, besonders am Wochenende, wenn viele Biker „on tour“ sind. Polizeioberkommissar Björn Heinzinger organisierte jetzt mit insgesamt neun Kollegen einen speziellen Kontrolltag. Aus der gesamten Polizeidirektion Main-Kinzig waren dazu Einsatzkräfte zusammengezogen worden.
Mit Erfolg: Insgesamt wurden bei der gut fünfstündigen Kontrollaktion rund 200 zwei- und vierrädrige Fahrzeuge gemessen. 25 von ihnen waren dabei zu schnell unterwegs. Nach Abzug einer Messtoleranz wurden Geschwindigkeiten von 87 bis 112 Stundenkilometer festgestellt. Kurz vor Ende der Kontrollaktion gab es dann noch einen speziellen Ausreißer: Ein Biker düste mit 129 netto in die Kontrolle – also 49 Stundenkilometer mehr als erlaubt. Er muss demnächst einen Monat auf seinen Führerschein verzichten. Daneben wurden zwei Autofahrer mit nicht angelegtem Sicherheitsgurt erwischt. Bei einem Verkehrsteilnehmer bestand der Verdacht auf Drogen im Blut.
EN, HA, NOM, OL, RP, GER – die Kennzeichen der Motorräder zeigten überdeutlich: am Wochenende war halb Deutschland zu Gast in der Region. Aus allen Himmelsrichtungen steuerten sie Rhön und Spessart an, um nicht nur schöne Touren zu fahren, sondern auch gleich einige Tage in dieser herrlichen Landschaft zu verbringen. Und obwohl sie teilweise mehrere hundert Kilometer zurücklegten – bei Steinau-Marjoß kamen sie in die Polizeikontrolle. Und für manche wurde der Kurztrip ungeplant etwas teurer. Viele hielten sich natürlich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer.
Dennoch nahmen es fast alle Erwischten sportlich. Und brachten Verständnis für die Polizeibeamten auf. Die Beamten würden schließlich auch nur ihrer Arbeit nachgehen. „Das ist trotzdem ein schöner Tag heute“, ließ sich ein 63-Jähriger aus dem Westfälischen die Laune nicht verderben. „Wir müssen halt jetzt beim Weiterfahren ein bisschen mehr auf die Geschwindigkeit achten“, ergänzte sein Kumpel augenzwinkernd.
Erstaunlich war für die Beamten die Konstellation, dass bei mehrköpfigen Gruppen einzelne die Höchstgeschwindigkeit überschritten, andere nicht. Das betraf auch eine 58-Jährige aus der Südpfalz. Sie gab eine einleuchtende Erklärung: „Ich habe den Anschluss zu den anderen verloren gehabt und dann zwischendurch etwas beschleunigt.“
„Wir wollen den Bikern natürlich nicht den Spaß an ihrem tollen Hobby nehmen“, unterstreicht Björn Heinzinger. Aber wir müssen halt darauf achten, dass sich alle an die Verkehrsregeln halten, damit sie auch unbeschadet wieder nach Hause kommen. Dass dieser Spagat offenbar gelungen ist, bestätigten die vielen positiven Rückmeldungen. Heinzinger: „Wir haben viele gute Gespräche geführt und wurden positiv wahrgenommen.“
Dennoch hatte der Kontrolltag einen traurigen Schlusspunkt: Nur gut eine Stunde nach dem Ende der Aktion, passierte auf der Strecke erneut ein schwerer Kradunfall. Nach Angaben der Polizei wurde ein 68-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen aufgrund eines Fahrfehlers aus einer Kurve getragen und landete mit seinem Bike neben der Fahrbahn. Er wurde schwer verletzt mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. / hd
Viele Motorradfahrer aus den verschiedensten Ecken Deutschlands befuhren am Kontrolltag die Landesstraße zwischen Steinau und Marjoß. Fotos: Ulrich Schwind








