TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Main-Kinzig-Kreis bereitet sich auf Abschied von Hanau vor

Main-Kinzig-Kreis bereitet sich auf Abschied von Hanau vor
Zum 1. Januar werden die Karten in der Region neu gemischt: Hanau verlässt offiziell den Main-Kinzig-Kreis.

Zum 1. Januar 2026 wird vollzogen, was die Stadt Hanau schon lange anstrebte und im August 2018 offiziell auf den Weg gebracht hat: Die Brüder-Grimm-Stadt wird nicht mehr Teil des Main-Kinzig-Kreises sein. "Was politisch und verwaltungsrechtlich ein besonderer und in dieser Form einzigartiger Vorgang ist, bedeutet für die Bürgerinnen und Bürger des Main-Kinzig-Kreises unter dem Strich kaum spürbare Veränderungen", heißt es aus der Kreisverwaltung.

„Wir bleiben auch künftig zwei starke Partner für die Region, die eng und vertrauensvoll für die hier lebenden Menschen zusammenwirken“, blicken Landrat Thorsten Stolz (SPD), Erster Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann (SPD) und Kreisbeigeordneter Jannik Marquart (CDU) voraus. Der Main-Kinzig-Kreis habe den Prozess zum „Grenzänderungsvertrag“ in den vergangenen Jahren konstruktiv und engagiert unterstützt und damit seine Zusage in vollem Umfang eingehalten.

Wie Thorsten Stolz, Andreas Hofmann und Jannik Marquart betonen, gab es für diesen Vorgang der Ausgliederung keine Vorlage oder Orientierung. „Alle Beteiligten mussten kreativ, sorgfältig und mit großer Ausdauer am Ball bleiben, um ein tragfähiges und rechtssicheres Regelwerk aufzustellen“, dankt die Kreisspitze den Mitwirkenden der gemeinsamen Arbeitsgruppe. Während „des Prozesses der umfassenden Neuordnung“ habe es immer wieder Abstimmungen mit den Hessischen Ministerien des Inneren sowie für Finanzen und mit dem Regierungspräsidium Darmstadt gegeben. Zudem hätten auf beiden Seiten fachkundige Juristen die Gestaltung des Vertrages begleitet. Am Ende sei es gelungen, auf den circa 120 Seiten inklusive aller Anlagen alle wesentlichen Aspekte der Auskreisung einvernehmlich zu regeln.

„Mit unserem Beitrag haben wir diesen historischen Schritt nicht nur begleitet, sondern auch entscheidend zum Gelingen beigetragen“, macht Landrat Thorsten Stolz deutlich. Es sei dabei gelungen, einen ausgewogenen Interessensausgleich zu finden - insbesondere im Sinne der weiteren 28 Städte und Gemeinden. Zudem hätten sich der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau auf „eine sinnvolle Fortsetzung der inhaltlichen Zusammenarbeit“ verständigt.

So werde der Aufgabenbereich „Gesundheit und Gefahrenabwehr“ in der Stadt Hanau auch in den kommenden zehn Jahren über den Main-Kinzig-Kreis sichergestellt, wie der Landrat und Gesundheitsdezernent Thorsten Stolz erklärt. Umgesetzt werde das neue Konzept bereits seit rund einem Jahr im „Haus der Gesundheit“ an der Willy-Brandt-Straße. Diese Kooperation sei ein sichtbarer Beweis, dass beide Partner auch nach 2026 im Sinne der Bürgerinnen und Bürger verantwortungsvoll und auf Augenhöhe zusammenwirken. Auch in den Bereichen Katastrophenschutz und Rettungsdienst werde der Main-Kinzig-Kreis federführend in der Verantwortung bleiben.

Große Mengen an Daten und Akten übergeben

"Eine besondere Herausforderung war die Übertragung der Aufgaben in den Bereichen Sozialleistungen und Führerscheinwesen. Hier mussten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im laufenden Betrieb große Mengen an Daten und Akten übergeben sowie die Verlagerung der Aufgaben nach Hanau operativ unterstützen“, erläutert Erster Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann als zuständiger Dezernent. Zudem werden demnach circa 50 Mitarbeitende der Kreisverwaltung in diesen Aufgabengebieten künftig für die Stadt Hanau tätig sein. Darüber hinaus habe der Main-Kinzig-Kreis in den vergangenen Monaten weitere Beschäftigte der Stadtverwaltung eingearbeitet.

"Im Bereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz wird zunächst einmal die Kreisverwaltung noch für mindestens zwei Jahre im Bereich der Stadt Hanau verantwortlich sein. Der Fachkräftemangel in diesem Aufgabengebiet macht es der Stadt Hanau nicht leicht, in kurzer Zeit eine funktionsfähige Abteilung aufzubauen“, erläutert Kreisbeigeordneter Jannik Marquart. Daher sei es eine pragmatische Lösung, diesen Schritt erst einmal zu verschieben.

Völlig unkompliziert gestaltet sich die weitere Zusammenarbeit im Bereich der Schulen, wie Marquart betont. „Hier verändern sich die Zuständigkeiten der beiden Schulträger nicht, so dass die Kooperation bei den weiterführenden Schulen und in der beruflichen Bildung in der bewährten Weise nahtlos fortgesetzt wird“, so der Schuldezernent des Main-Kinzig-Kreises. Auch die Entwicklungsplanung für die kommenden Jahre werde in enger Abstimmung erfolgen.

Wie Landrat Thorsten Stolz, Erster Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann und Kreisbeigeordneter Jannik Marquart hervorheben, ist das Ergebnis der „zum Teil herausfordernden Gespräche“ der belastbare Beweis, dass bei Partner auch künftig gemeinsam für die Region eintreten. "Zudem wurde sichergestellt, dass für die weiteren Städte und Gemeinden keine Belastungen entstehen. Die getroffenen Regelungen machen deutlich, dass sich die Anstrengungen der vergangenen Monate gelohnt haben“, so das gemeinsame Fazit.

Auch wenn der Main-Kinzig-Kreis durch diesen Schritt auf dem Papier kleiner werde, so sei das lediglich ein statistischer Wert. Für die Wirtschaftskraft, das Leistungsvermögen und die Attraktivität der Region sieht der Landrat eine ganz andere Tendenz: „Wir gehen ab dem Jahr 2026 auf zwei Wegen in die gleiche Richtung. Hanau übernimmt für sich und seine Bürgerinnen und Bürger mehr Verantwortung und das wird der Stadt gut gelingen. Der Main-Kinzig-Kreis bleibt weiterhin der starke und verlässliche Partner der circa 320.000 Menschen in den 28 Städten und Gemeinden, der er seit mehr als 50 Jahren ist.“

Main-Kinzig-Kreis fällt auf Platz 2 der Bevölkerungsstatistik in Hessen

In der landesweiten Statistik wird der Main-Kinzig-Kreis zudem seinen Spitzenplatz in der Einwohnerstatistik verlieren und hinter dem Landkreis Offenbach (358.000) und vor dem Wetteraukreis (311.000) auf Platz zwei in Hessen liegen. Politische Konsequenzen wird es bereits zum 1. Januar 2026 geben: Auf Basis der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) wird dann keine Person aus Hanau mehr Mitglied im Kreistag und im Kreisausschuss sein können. In der Folge betrifft das auch die Gremien der kreiseigenen Betriebe und Gesellschaften.

Ein weiteres Ergebnis der neuen Partnerschaft ist ein gemeinsamer Zukunftsfonds, der in den kommenden Jahren wegweisende Projekte fördern und finanzieren soll. Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau stellen dafür mittelfristig mehrere Millionen Euro zur Verfügung. "Im Vordergrund stehen dabei die Förderung der Transformation der Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie Investitionen in erneuerbare Energien sowie weitere Maßnahmen im Sinne des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit. Das werden die Schwerpunkte sein, durch die wir gemeinsam zusätzliche Impulse in der Region setzen“, kündigen Landrat Thorsten Stolz, Erster Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann und Kreisbeigeordneter Jannik Marquart an.

kartenspielmkk az

Zum 1. Januar werden die Karten in der Region neu gemischt: Hanau verlässt offiziell den Main-Kinzig-Kreis.

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de

Kommentare

0
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
6 monate vor
Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Kreis MKK jemand über den Verlust trauern wird.
Gefällt mir 6 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
1
Prof. ad. Wilfried W
6 monate vor
Am 2. 12. 25 werden seitens der Statistischen Ämter die neuen
integrierten Schuldenstände der Gemeinden und Gemeindeverbände veröffentlicht.

Per 31. 12. 23 ist die Stadt Hanau mit rund 800 Millionen € gelistet.

Das bedeutet für jeden Einwohner/in 8.000 € Schulden, die die Stadt Hanau erwirtschaftet hat.

Das sind dann geschätzte 25 Mio. allein an Zinsen - jedes Jahr:
Was man damit so alles sinnvolles hätte machen können!?

Von einer Tilgung der Schulden hat man bei dieser Größenordnung
sicherlich Abstand genommen - oder plant man da eine vielleicht
eine Umlage unter den Bürgern?

Ich nehme an, die würden dann ganz schnell Hanau verlassen ...
Gefällt mir 4 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
0
GERTRUD
6 monate vor
Bei den unvorstellbaren Verschuldungsorgien und Haushaltstricks dieser Tage, wo Schulden als "Sondervermögen" deklariert werden, weil es doch gleich viel schöner klingt, da wird wohl das Wort Tilgung alsbald aus dem Wortschatz gestrichen werden. Statt gewinnorientierende Investitionen zu tätigen werden Löcher durch Schulden gestopft, umgeschichtet und umverteilt. Statt freier Marktwirtschaft und innovationssteigerndem Wettbewerb wird ideologisch gesteuert und wettbewerbsverzerrend subventioniert. Die Luft für Gestaltungsfreiheit wird immer dünner. Ich wünsche der Stadt Hanau viel Glück.
Gefällt mir 2 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis