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„Ich bin jetzt 100 Prozent für diese Aufgabe unterwegs“

„Ich bin jetzt 100 Prozent für diese Aufgabe unterwegs“

Zuhören, aufnehmen, verstehen – so will sich Srita Heide in den nächsten Monaten im Main-Kinzig-Kreis präsentieren und dann 2017 für die CDU neue Landrätin werden. Eine Woche, nachdem die Christdemokraten die Kandidatur der 48-Jährigen aus Hanau bekannt gegeben haben, stellte sie sich am Freitag in einem Pressegespräch persönlich vor. Wer allerdings eine Versammlung der kompletten CDU-Riege hinter ihr erwartet hatte, sah sich getäuscht: Der Kreisvorsitzende Johannes Heger stand ihr zur Seite, alle anderen hatten offenbar andere Termine.

Dass Heide auf dem Nominierungsparteitag am 30. September zur Landratskandidatin gewählt wird, dürfte dennoch außer Frage stehen. Denn einen Blick zurück auf Wochen der internen Querelen bei den heimischen Christdemokraten und gescheiterter Kandidaturen will Heger schon jetzt nicht mehr anstellen. „Das bringt ja nichts, wir müssen uns jetzt auf den Wahlkampf konzentrieren“, sagte er gleich mehrfach trotz hartnäckiger Nachfragen; Heide selbst geht davon aus, dass sie von der CDU-Spitze schon seit längerem beobachtet wurde, bevor sie für diese wichtige Kandidatur ausgewählt wurde.

Und genau dazu lädt sie auch nun auch die Journalisten ein: „Beobachten und begleiten sie mich“, soll sich dabei in den nächsten Wochen herauskristallisieren, wie sie zukünftig den Main-Kinzig-Kreis regieren und gestalten will. Ein politisches Programm liegt bislang allerdings nicht vor, vielmehr will die gebürtige Inderin, die seit 2002 die deutsche Staatsbürgerschaft hat, zunächst bei der Bevölkerung Stimmen und Reaktionen einsammeln und danach ihre Agenda ausrichten. Das hört sich nicht nur zeitintensiv an, sondern wird es auch sein, die CDU wird daher versuchen, den bereits von der SPD anvisierten Wahltermin Mitte Januar 2017 noch um ein paar Wochen nach hinten zu schieben, was allerdings angesichts der Interessenlagen im Kreistag schwierig werden dürfte. Erstmals angeboten wurde ihr die Kandidatur Anfang August, nachdem die Befragung der CDU-Ortsverbände laut Heger zwar einige Namen zum Vorschein gebracht hatte, sich daraus aber nichts realisierbares ableiten ließ.

Und so bleibt es zumindest bislang bei grundsätzlichen Aussagen von Heide: „Ich bin Sozialpolitikerin“ ist eine davon, zugleich präsentiert sie sich als emsige Geschäftsfrau, die 2009 ihr eigenes Unternehmen gründete und seit dem hauptsächlich bei Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Indien beratend tätig ist. Seit Anfang des Jahres ist allerdings ihr Ehemann in die Unternehmens- und Personalmanagementberatung eingestiegen und wird sich ab sofort komplett um das Unternehmen kümmern. Denn die 48-Jährige kündigt an: „Ich bin jetzt 100 Prozent für diese Aufgabe unterwegs“, habe sie bereits Kontakt zu allen CDU-Ortsverbänden aufgenommen und dabei überall Unterstützung für ihre Kandidatur erfahren.

Dass die in Kesselstadt wohnhafte designierte CDU-Landratskandidatin bislang keineswegs nur im Raum Hanau bekannt ist, lässt sie mit einem Verweis auf ihre „Schwiegerverwandtschaft“ in Mernes und weitere Angehörige in Jossgrund nicht gelten. Begonnen hatte sie das Pressegespräch mit einem Rückblick auf ihre Kindheit („Politik war immer Frühstücksgespräch“) und Gedanken an ihre Großmutter: „Sie hatte einen eigenen Radiosender und war Mitbegründerin der ersten Frauenzeitschrift in Kalkutta.“ Sie beschreibt sich selbst als bodenständig, „ich will mittendrin bleiben, das ist mir wichtig“, außerdem sei sie ein „nahbarer Mensch“, die direkte Kontaktaufnahme mit den Bürgerinnen und Bürger sei ihr wichtig. Und das könnte dann auch ihr wichtigstes Pfund im Wahlkampf werden.

Kommentar von Andreas Ziegert:

Kurzer Einblick in mein Gewissen: Als ich am Freitag zur Pressekonferenz der CDU Main-Kinzig mit der designierten Landratskandidatin Srita Heide gefahren bin, habe ich damit gerechnet, dass die gesamte Führungsspitze der Christdemokraten die Journalisten erwartet und somit die wiederhergestellte Einigkeit der Partei demonstriert. Zudem hätte mich nicht überrascht, wenn ein Programm mit den politischen Schwerpunkten präsentiert und damit das Signal für einen neuen Aufbruch gegeben worden wäre. Doch Pustekuchen, nein Butter-Streuselkuchen mit Apfelfüllung gab es auf der Pressekonferenz und dazu Srita Heide und den Kreisvorsitzenden Johannes Heger als Ansprechpartner für die Journalisten. Und die Kurzfassung des Gesprächs: Gemenschelt hat es viel, politische Inhalte gab es fast keine. Eigentlich eine Katastrophe für so ein wichtiges Amt, allerdings stellt sich auch die Frage, was die Wählerinnen und Wähler eigentlich wollen. Themen wie Kreisumlage, Haushaltspläne und Abwassersatzungen sind genauso wichtig wie schwer vermittelbar, bei Direktwahlen entscheidet dann vielleicht doch mehr die persönliche Note. Und da packt Srita Heide den Butter-Streuselkuchen aus – wie gesagt: sogar mit Apfelfüllung!

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