Sie schlüpften in die Rolle von Delegierten, die ein Land in einem simulierten UN-Komitee vertraten. Die Schülerinnen und Schüler kamen aus allen Teilen Österreichs, außerdem aus Istanbul, der Deutschen Schule Moskau – und aus Hanau. Denn als eine von drei „ausländischen“ Schulen war die Hohe Landesschule Hanau (HOLA) mit Politik-Lehrer Stefan Prochnow dabei. Zehn Schülerinnen der Jahrgangsstufe 11 debattierten mit ihren Mitdelegierten beispielsweise über Sezessionsbewegungen und ihre internationale Anerkennung, in einem anderen Komitee über den Krisenzustand im Sudan und Wege zur Stabilisierung und zum Schutz der dortigen Zivilbevölkerung.
Leyla Gülbahce, Nejla Jukic und Tuana Özbilge debattierten im Komitee 9 über die Problematik der „Blutdiamanten“ – also dem Phänomen, dass in gescheiterten Staaten wie der Demokratischen Republik Kongo Diamanten zur Finanzierung von Warlords dienen. Offenbar sehr erfolgreich, denn ihr Resolutionsentwurf wurde am Ende von der „Generalversammlung“ mit großer Mehrheit angenommen. Außerdem wurde HOLA-Schülerin Leyla Gülbahce (19 Jahre) bei ihrer ersten Modell-UNO-Teilnahme schon als eine der besten Delegierten ihres Komitees ausgezeichnet.
HOLA-Schülerinnen Melissa Kocdemir (Ruanda), Leyla Kocyigit (Australien), Jana Juvanovic (EU) und Lucie Kaufmann (Island) brachten die Positionen „ihrer“ Staaten in einen Resolutionsentwurf zum Thema „Friedenssicherung in Zeiten der Wasserknappheit“ ein. Die Komitees tagten zwei Tage lang in Hörsälen der ehrwürdigen Universität Wien am berühmtem Wiener Prachtboulevard, dem „Ring“. Nicht weit davon entfernt fand am Abend des zweiten Konferenztages der Opernball statt.
Die abschließende Sitzung der Modell-UNO Wien im Vienna International Center, dem Sitz mehrerer UN-Organisationen, leitete der österreichische Bundesbildungsminister Christoph Wiederkehr ein. Er sieht die Modell-UNO als Demokratieförderung par excellence, da bei ihr die friedliche Konfliktregelung durch Kompromissfindung eingeübt werde – und damit ein Grundelement der Demokratie. Er sprach den Schülern Mut zu, sich auch auf weiteren Ebenen zu engagieren und sich nicht durch die gegenwärtige Krise des Multilateralismus beirren zu lassen.
Sonja Wintersberger, Officer in Charge beim UN Information Service in Wien, unterstrich Wiederkehrs Aufruf und berichtete, dass sie selbst als Studentin durch eine Modell-UNO auf die Idee gekommen sei, eine diplomatische Laufbahn zu erwägen. Zur großen Überraschung wandte sich schließlich sogar der amtierende UN-Generalsekretär Antonio Guterres per Video-Botschaft an die Delegierten. Er appellierte an die Jugendlichen, das Engagement und die Begeisterung für die UNO, die sie in den vorherigen zwei Konferenztagen gezeigt hatten, nicht zu verlieren, auch oder gerade weil es Multilateralismus, Frieden und Menschenrechte aktuell nicht leicht hätten.
Lorenz Unger, „Generalsekretär“ der Modell-UNO Wien und Sebastian Hietsch, Obmann des veranstaltenden „Vereins zur Simulation internationaler Politik“ zogen eine positive Bilanz der Modell-UNO Wien und luden alle Delegierten ein, auch im kommenden Jahr daran teilzunehmen.
Den Schülerinnen hat es durchweg gut gefallen. Tuana Özbilge sagte nach der Veranstaltung: „Ich bin durch die Konferenz viel offener geworden.“ Noura El Jazouli, die in einem Komitee Andorra vertreten hat, kann sich nun sogar vorstellen, später selbst Diplomatin zu werden. Lucie Kaufmann aus dem Leistungsvorkurs Wirtschaftswissenschaften resümierte: „Wir haben sehr viele neue Eindrücke gewonnen und mehr Mut gefasst, auch vor größerem Publikum zu sprechen.“ „Ich habe noch nie in meinem Leben so viel recherchieren müssen, wie für meine Redebeiträge bei der Modell-UNO Wien“, stellte Leyla Gülbahce fest.
Zehn Schülerinnen der Hohen Landesschule nahmen in diesem Jahr, begleitet von Powi-Lehrer Stefan Prochnow (nicht im Bild), an der Modell-UNO Wien teil.



