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Hanauer Schüler debattieren Weltpolitik

Hanauer Schüler debattieren Weltpolitik
Schülerinnen und Schüler der HOLA im Kieler Landtag.

Auch in diesem Jahr war die UNO-AG der Hohen Landesschule Hanau (HOLA) vom 12. bis 16. März 2026 wieder bei Model United Nations Schleswig-Holstein (MUNSH) in Kiel zu Gast.

Insgesamt 18 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 nahmen als Delegierte, nichtstaatliche Akteure und Pressevertreter teil. Für die HOLA ist die Konferenz längst Tradition: Seit 2008 existiert die AG, und die Schule gehört inzwischen zu den größten und sichtbarsten Delegationen vor Ort. Viele der in diesem Jahr diskutierten Resolutionsentwürfe trugen deutlich die Handschrift der Hanauer Teilnehmer. Das Motto der Konferenz lautete „Verbrannte Erde – Klimaschutz im Schatten der Krisen“. Vor diesem Hintergrund verhandelten Jugendliche aus ganz Deutschland und einigen anderen Ländern vier Tage lang über Fragen der internationalen Politik – von Menschenrechten über Umwelt- und Wirtschaftspolitik bis hin zu Sicherheitsthemen.

Die HOLA-Delegierten waren in nahezu allen Gremien vertreten: in der Generalversammlung, im Sicherheitsrat, im Menschenrechtsrat, in der Umweltversammlung, im Wirtschafts- und Sozialrat, in der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, bei den NGOs sowie im Presseteam. Lediglich in der Fachkommission für Suchtstoffe stellte die Schule in diesem Jahr keine Delegation. Inhaltlich bot die Konferenz einen dichten Themenmix. Im Wirtschafts- und Sozialrat stockte zeitweise die Debatte zur Eindämmung zoonotischer Krankheiten durch regulierten Tierhandel, weil sich einige Staaten in Geschäftsordnungsfragen verloren; so sehr, dass Delegationen wie Kanada und Pakistan aus Protest den Saal verließen. Erst informelle Gespräche brachten die Diskussion wieder in Gang, bis schließlich konkrete operative Maßnahmen beraten werden konnten.

In der Umweltversammlung wurde unter anderem über Tiefseebergbau gestritten. Ein Resolutionsentwurf mit einem internationalen Fonds für mögliche ökologische Schäden sorgte für kontroverse Wortwechsel, etwa zwischen den Delegierten Russlands, Kanadas, der Ukraine, Nigerias und den USA. Am Ende gelang es dem Gremium dennoch, eine Resolution zu verabschieden, bevor zum Ausklang eine augenzwinkernde „Spaßdebatte“ über den Beitritt von Seegurken zu den Vereinten Nationen für Gelächter sorgte.

Besonders eindrücklich war die Arbeit im Menschenrechtsrat. Nach einer zunächst zurückhaltenden Diskussion über Folter als Interrogationsmethode rückten NGOs das Thema mit einer aufsehenerregenden Aktion ins Zentrum. Mit Schildern wie „Menschenrechte über Staatssouveränität“ und einer bewegenden Schilderung persönlicher Foltererfahrungen konfrontierten sie die Staaten mit der Perspektive der Opfer. Eine symbolische Szene, in der eine gefesselte Person in den Saal geführt wurde, machte die abstrakte Debatte greifbar. Gleichzeitig wurde deutlich, wie hartnäckig manche Staaten an der Betonung nationaler Souveränität festhalten.

Am dritten und letzten Sitzungstag stand der Feinschliff an: Änderungsanträge, letzte Redelisten und Abstimmungen bestimmten das Bild. Im Menschenrechtsrat ging es um die menschenrechtswidrige Verhaftung politischer Oppositioneller, in der Generalversammlung wurde weiter um Formulierungen zum Schutz von Whistleblower*innen gerungen, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation widmete sich der Genmanipulation in der Landwirtschaft, und die Fachkommission für Suchtstoffe stellte ihre Arbeit zu psychedelischen Substanzen vor. Überall waren Schüler der HOLA beteiligt, als Verfasser von Resolutionsentwürfen, als Redner am Pult oder als Journalistinnen im Presseteam. Im Rückblick beschreiben viele Teilnehmende die Tage in Kiel als „lehrreiche Zeit“ und „abwechslungsreich“ im Vergleich zum Schulalltag. Diese Konferenz sei eine Möglichkeit, dem stressigen Schulalltag zu entkommen und eine neue Perspektive auf Politik und Debatten zu erhalten.

Die Delegierten der Hohen Landesschule hielten eng zusammen, unterstützten sich gegenseitig bei Redevorbereitungen und Änderungsanträgen und knüpften gleichzeitig neue Kontakte. Freundschaften mit Jugendlichen aus ganz Deutschland, die oft über mehrere Konferenzen hinweg bestehen bleiben, gehören für viele längst zum festen Bestandteil von MUNSH. Immer wieder fällt die Beschreibung der anderen Teilnehmenden als „sehr offen“ und „politisch engagiert“ – ein Umfeld, in dem Diskussionen ernsthaft geführt werden, ohne dass der Spaß zu kurz kommt.

Für die Schüler der HOLA ist MUNSH damit weit mehr als ein Planspiel: Es ist eine intensive Form politischer Bildung, die Redekunst, Verhandlungsgeschick und kritisches Denken verlangt. Am Ende der Konferenz steht nicht nur eine Reihe verabschiedeter Resolutionen, sondern vor allem das Gefühl, Politik einmal selbst gestaltet zu haben, zumindest im Kleinen. Und während beim Abschlussball die Länderschilder gegen Tanzschuhe getauscht werden, ist für viele in der UNO-AG schon klar: Nach Kiel wollen sie im nächsten Jahr wieder zurückkehren.

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Schülerinnen und Schüler der HOLA im Kieler Landtag.

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