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Bistum Fulda: Mindestens 120 Opfer von sexueller Gewalt

Bistum Fulda: Mindestens 120 Opfer von sexueller Gewalt
Der Sprecher des Vorstands der Unabhängigen Kommission, Gerhard Möller, überreichte Bischof Dr. Michael Gerber den Abschlussbericht zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda. Die Übergabe fand am 17. Juni 2025 im Rahmen einer Pressekonferenz in Fulda statt. Foto: Bistum Fulda / Burkhard Beintken

Mit eindringlichen Worten hat Bischof Dr. Michael Gerber auf die Vorstellung des Abschlussberichts der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda reagiert. In einem ersten Statement bat er Betroffene um Entschuldigung, bekannte institutionelles Versagen und kündigte weitere Schritte an. Die Veröffentlichung sei ein Meilenstein – nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Abschnitts im Aufarbeitungsprozess.

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Aus dem Abschlussbericht geht hervor, dass seit dem Zweiten Weltkrieg mindestens 120 Missbrauchsopfer im Bistum Fulda gab. Begangen wurden die Taten demnach von 37 männlichen Tätern, fast alles Priester. Die Namen dieser Männer sind in dem Bericht geschwärzt. Insgesamt sollen über 230 Missbrauchsfälle begangen worden sein. Allerdings wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.

„Der heutige Tag ist ein schwerer Tag – vor allem für diejenigen, die sexualisierte Gewalt durch kirchliche Verantwortungsträger erfahren haben“, sagte Bischof Dr. Michael Gerber am Dienstag (17.06.2025) nach der Vorstellung des Abschlussberichtes der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda. Der Bericht dokumentiere „schwarz auf weiß das Leid von Betroffenen – und wie Vertreter der Kirche in vielen Fällen unangemessen damit umgegangen sind“.

Gerber erinnerte daran, dass viele Menschen Kirche nicht als schützenden, sondern als verletzenden Ort erlebt hätten. „Wir haben als Bistum Schuld auf uns geladen. Wir haben nicht zugehört. Kirchliche Strukturen haben versagt.“ Als Bischof von Fulda bat er daher um Entschuldigung – „vor allem bei den Betroffenen, aber auch bei allen, die ihr Vertrauen in das Bistum verloren haben“, so Gerber. „Ich verstehe und akzeptiere auch, dass eine Bitte um Entschuldigung allein nicht genügt. Ich als Bischof und wir als Bistum werden auch weiterhin hart daran arbeiten, dass dieses Vertrauen wieder wachsen kann.“

Respekt vor den Betroffenen

In den vergangenen Jahren hatte Bischof Gerber persönliche und intensive Gespräche mit Betroffenen geführt, wie er in seinem Statement betonte. Diese Begegnungen hätten ihn sehr bewegt und seine Haltung zur Aufarbeitung entscheidend mitgeprägt.

Gerber betonte, dass die Aufarbeitung nicht aus institutionellem Interesse, sondern aus Respekt vor den Betroffenen geschehe. „Nur wer sich seiner Vergangenheit stellt, kann verantwortet in die Zukunft gehen.“ Es sei entscheidend, wie das Bistum nun mit dem Bericht umgehe, denn das habe Auswirkungen darauf, ob Betroffene erleben, dass ihr Leid gesehen, anerkannt und ernst genommen werde, betonte Gerber.

Der Bischof kündigte an, dass die Bistumsleitung den Bericht nun intensiv lesen und auswerten werde. Erste Einordnungen und Perspektiven sollen am 26. Juni 2025 (Donnerstag) bei einem Medientermin des Bistums Fulda vorgestellt werden. Zudem werde es noch vor der Sommerpause ein Gespräch mit der Kommission über deren Erkenntnisse und Empfehlungen geben.

Dank an Kommission und Betroffene

Bischof Gerber dankte der Unabhängigen Kommission unter Vorsitz von Gerhard Möller für ihre jahrelange, intensive Arbeit. Sein Dank galt dabei auch den ehemaligen Kriminalkommissaren für ihre akribische Arbeit sowie Simone Müller von der Geschäftsstelle, die die Kommission über Jahre hinweg organisatorisch unterstützt hat. Besonders würdigte Gerber aber die Offenheit der Betroffenen, die sich eingebracht haben – sei es durch Mitarbeit in Gremien oder durch persönliche Gespräche. „Ihre Offenheit war und ist von unschätzbarem Wert.“

Sein Dank galt auch allen, die sich im Bistum Fulda, vor allem im Bereich Prävention und Intervention, engagieren. „Gemeinsam arbeiten wir daran, dass das Bistum Fulda ein sicherer Ort ist – ein Ort, an dem wir alles dafür tun, Missbrauch zu verhindern, Betroffenen zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen.“

Die Arbeit der Kommission

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda wurde im September 2021 gegründet. Sie arbeitet vollständig unabhängig von der Diözesanleitung und orientiert sich an bundesweiten Standards. Diese verbindlichen Kriterien wurden 2020 gemeinsam von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung entwickelt und garantieren eine systematische, transparente und unabhängige Aufarbeitung.

Die Kommission ist multiprofessionell besetzt mit Fachleuten aus Justiz, Sozialarbeit, Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung sowie Betroffenenvertretern. Vorsitzender ist der Jurist und frühere Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller.

Zwei Schwerpunkte

Zwei Arbeitskreise bildeten das Rückgrat der Aufarbeitung: „Betroffene hören“ und „Akteneinsicht“. In vertraulichen Gesprächen außerhalb kirchlicher Räume konnten Betroffene ihre Erfahrungen schildern. Parallel wurden systematisch Personalakten seit 1945 ausgewertet – unterstützt von pensionierten Kriminalbeamten. Die Aktenarbeit dieser ehemaligen Kommissare war eine Besonderheit der Fuldaer Kommissionsarbeit: Mit ihrer kriminalistischen Erfahrung konnten sie große Aktenmengen effizient analysieren und auffällige Vorgänge gezielt identifizieren.

Die Kommission informierte regelmäßig über ihre Arbeit, etwa durch Zwischenberichte, Pressegespräche, Flyeraktionen und eine eigene Website. Aufgrund der Komplexität der Aufgabe wurde die Berufungszeit bis September 2025 verlängert. Die Arbeit der Kommission wurde kritisch begleitet vom gemeinsamen Betroffenenbeirat der Bistümer Fulda und Limburg.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Aufarbeitung im Bistum Fulda finden Sie im Internet unter: www.bistum-fulda.de

Den Abschlussbericht und weitere Infos der Unabhängigen Kommission finden Sie im Internet unter: www.nurmitmut.de

Aufarbeitung, Intervention und Prävention im Bistum Fulda

Rund um die Veröffentlichung des Abschlussberichts hat das Bistum Fulda eine Hotline eingerichtet. Sie ist vom Dienstag, 17. Juni bis einschließlich Mittwoch, 2. Juli 2025 montags bis donnerstags von 8:00 bis 16:00 Uhr sowie freitags von 8:00 bis 12:00 Uhr erreichbar. An Wochenenden und Feiertagen ist die Hotline nicht besetzt. Die Nummer lautet: 0661 / 87-888.

Darüber hinaus stehen weitere Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung:

Im Bistum Fulda gibt es eine unabhängige Ansprechperson, die in keinem Dienstverhältnis zur Diözese steht. Zudem ist eine Interventionsbeauftragte benannt, die Hinweise entgegennimmt und Verfahren koordiniert. Präventionsbeauftragte entwickeln Schutzkonzepte und führen Schulungen durch.

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Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt unter Vorsitz von Gerhard Möller (Mitte) stellte nun ihren Abschlussbericht vor. Das Gremium arbeitete seit 2021 unabhängig und multiprofessionell an der Untersuchung der Fälle im Bistum Fulda. Foto: Bistum Fulda / Burkhard Beintken

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Mit klaren Worten stellte Gerhard Möller, Sprecher des Vorstands der Unabhängigen Kommission, den Abschlussbericht vor. Vier Jahre nach ihrer Gründung legte die unabhängige Kommission ihre Ergebnisse vor – orientiert an bundesweit einheitlichen Standards und unabhängig von der Bistumsleitung. Foto: Bistum Fulda / Burkhard Beintken

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Der Sprecher des Vorstands der Unabhängigen Kommission, Gerhard Möller, überreichte Bischof Dr. Michael Gerber den Abschlussbericht zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda. Die Übergabe fand am 17. Juni 2025 im Rahmen einer Pressekonferenz in Fulda statt. Foto: Bistum Fulda / Burkhard Beintken 

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Kommentare

1
Wotan
11 monate vor
"Begangen wurden die Taten demnach von 37 männlichen Tätern, fast alles Priester." Sowas nenne ich kriminelle Vereinigung, jahrzehntelanges Wegsehen, Vertuschen und die traumatisierten Opfer nicht ernst nehmen.
Mal schauen ob es jetzt wirklich besser wird?
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1
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
11 monate vor
Solange die Kirche ihre eigene Suppe kocht, vom Staat Finanziert wird, NGOs fördert braucht sie niemand.
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Hans
11 monate vor
Kirche hat eine Botschaft. darauf kommt es an. Folgenreiche fehler der vergangenheit ändern nichts daran. Sie müssen ehrlich bearbeitet werden. dann kommen wir weiter. Die Gesellschaft braucht die Werte, die die Kirche verkörpern kann und soll, dringender denn je. Nichts würde besser, wenn die Kirchen abgeschafft würden.
Wer sei ablehnt darf gerne eine seriöse und erfolgversprechende Alternative anbieten.
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Freigeist
11 monate vor
Die Kirche gehört abgeschafft. Dort wurde sowieso die ganze Geschichte umgeschrieben und nicht Gott und Jesus angebetet. Sieht man an Weihnachten, dort wurde der Sonnengott Sol Invictus geboren und nicht Jesus.
Auf deren Lügen und Fehlleitung kann man verzichten.
Man sieht was unter dem Deckmantel passiert.

Die Offenbarung wird wahr. Darüber berichtet die Kirche auch nicht. Apokalyptische Zeichen längst erkennbar. Dann geht die Welt wie wir sie kennen mit all ihren Lügen unter.

Halleluja
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Freigeist
11 monate vor
Ich bete, dass es schneller geht. Als Wissender ist es nicht einfach all das Leid und all die Lügen mit ansehen zu müssen.
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