


Der Tod seiner Mutter, die Parteispendenaffäre des Vaters und dann auch noch das Ende seiner ersten Ehe – alles zu viel für den Sohn des Alt-Bundeskanzlers. „Die größte Herausforderung in dieser Zeit war, eine Zukunft zu bauen“, verriet er den 200 Besuchern beim Neujahrsempfang des Lions Club Main-Kinzig Interkontinental im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen.
Als „Sohn vom Kohl“ ist er aufgewachsen und er leugnet auch heute seine Herkunft nicht, auch wenn der Kontakt zum Vater längst abgebrochen ist. Die siebziger Jahre im vergangenen Jahrhundert haben ihn geprägt, „ich bin in einem Hochsicherheitstrakt mit Schulanschluss aufgewachsen“. Das Studium in den USA verschaffte ihm Freiheit, mit der es nach der Rückkehr nach Deutschland aber von heute auf morgen wieder vorbei war. „Warum ich?“, diese Frage stellte er sich immer wieder und fand erst nach 2003 daraus einen Ausweg. Inzwischen hat er ein „Zentrum für eigene Lebensgestaltung“ gegründet, zwei Bücher veröffentlicht und ist ein gefragter Gast in Talk-Shows.
Den engen Bezug zur Mutter konnte und wollte er sicherlich auch gestern Abend nicht leugnen, führt die Überwindung ihres Todes auch immer wieder als Beispiel für den Weg zu seinem inneren Frieden an. Aus dem schweren Wackerstein in seinem biographischen Rucksack habe er einen Brocken Humus gemacht. „Mir haben sieben Menschen geschrieben, die ich nicht kenne, dass sie dank meines Buches vom Selbstmord Abstand genommen haben“, strebt er nicht wie sein Vater auf die große politische Bühne, den Umgang mit der Öffentlichkeit hat aber auch er gelernt.
Sein Rezept: Die Vergangenheit nicht aussitzen und einen Sinn und Ziele für die Zukunft finden – das gebe Kraft, Freude und Entschiedenheit in der Gegenwart. Nach dem er jahrelang wie in einem Kreisel seine Runde gedreht habe und die Ausfahrten nach Flucht und Kampf nicht mehr funktionierten, sei es schließlich die Abbiegung zur Versöhnung und zum inneren Frieden gewesen, die seinem Leben eine Wende gegeben habe. „Ich war eine Funktionsmaschine“, gibt er ehrlich zu, heute empfiehlt er allen, der Seele einen Platz im Alltag zu geben.
Und er will Gutes tun: Anstatt seinen Kunden Weihnachtsgeschenke zu machen, unterstützt der Unternehmer ein Waisenhaus in Indien. Und da halfen auch die Lions-Mitglieder gestern Abend mit. Präsident Gerhard Heim forderte alle auf, nicht zu zögerlich bei den Spenden zu sein. Ganz zum Schluss wurde Walter Kohl dann aber doch wieder zum Sohn des Alt-Bundeskanzlers. Er las seinen Friedensvertrag mit Helmut Kohl aus seinem Buch vor. „Heute gestalte ich mein Leben als Walter Kohl, obwohl ich natürlich immer der Sohn von Helmut Kohl bleiben werde“, will er jetzt auch anderen Menschen den Weg zu mehr Lebensfreude aufzeigen.


