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„Was wir brauchen, ist ein Plan für Deutschland“

„Was wir brauchen, ist ein Plan für Deutschland“

Eine verlässliche Route statt politischem Navigations-Wirrwarr – Mit eindringlichen Worten hat sich Natasha Rohde, Präsidentin der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, beim diesjährigen IHK-Jahresempfang an die politischen Entscheidungsträger gewandt.

CID

Im Congress Park Hanau zog sie vor rund 200 geladenen Gästen eine erste Bilanz ihrer Amtszeit als Stimme der regionalen Wirtschaft.

Wachsende Herausforderungen für Unternehmen, steigende Kosten, zunehmende Bürokratie und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen: Rohde fordert von der Politik klare und verlässliche Leitplanken sowie mehr unternehmerische Freiräume statt zusätzlicher Belastungen, denn: „Es mangelt in Deutschland weder an Ideen noch an engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern“, betonte die IHK-Präsidentin.

Um gerissene Ketten, zerbrochene Hüftgelenke und abgefallene Rotorblätter von Windrädern drehte sich der Vortrag von Gastredner Dr.-Ing. Andree Irretier vom Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien (IWT). Der Experte für Schadensanalysen zeigte anhand mehrerer Beispiele aus der Praxis, wie wichtig die regelmäßige Wartung von Materialien sein kann und wie sich Fehler vermeiden lassen. Passend zum Titel „Es geht auch um die Wurst“ präsentierte Dr.-Ing. Irretier den Schaden an einem Wurstkutter, der durch ermüdetes Material zerbrochen war.

Rohde, die sich im Vorjahr, wenige Wochen nach ihrer Wahl zur IHK-Präsidentin, als „Neue in der Klasse“ vorgestellt hatte, blickte am Abend auf zahlreiche gute Gespräche seit ihrem Amtsantritt zurück: „Ich durfte viele Unternehmerinnen und Unternehmer kennenlernen und mit Bürgermeistern, Landräten, Landtags- und Bundestagsabgeordneten sprechen.“ Trotz einiger Unterschiede zum Vorgehen in Wirtschaft und Politik stellte sie fest: „Am Ende wollen wir doch alle dasselbe: eine starke Region, gute Arbeitsplätze und erfolgreiche Unternehmen.“

Ihre Erfahrungen im vergangenen Jahr verglich die IHK-Präsidentin augenzwinkernd mit ihrer Autopanne auf dem Weg in den Familienurlaub, 250 Kilometer vor dem Ziel. „Genau in solchen Momenten merkt man, wie Unternehmer ticken. Wir haben nach einer Lösung gesucht, um spätabends doch noch anzukommen, und diese auch gefunden“, beschrieb sie und zog eine Parallele zur aktuellen Lage in Deutschland: „Früher war Unternehmertum manchmal wie Autofahren auf der Autobahn – mit der Politik als Leitplanke. Man wusste, wo man hinwill, kannte die Strecke und selbst wenn es Baustellen gab, hatte man meistens eine Vorstellung davon, wann man ankommt.“ Heutzutage wirke der Wirtschaftsstandort wie ein Navigationsgerät, dass ständig neue Anweisungen gibt: „Energiepreise, Fachkräftemangel, Bürokratie, Berichtspflichten, neue Diskussionen über die Erbschaftsteuer. Und jedes Mal wieder heißt es: ‚Die Route wird neu berechnet.‘“ Statt Schuldzuweisungen forderte sie Perspektiven: „Was wir brauchen, ist ein Plan für Deutschland.“

Bei auftretenden Herausforderungen suchen Unternehmerinnen und Unternehmer nach Lösungen, hob Rohde hervor: „Und wenn man ihnen die Freiheit lässt, ihren Weg selbst zu wählen, finden sie oft sogar die bessere und schnellere Route.“ Dafür brauche es Rückenwind, nicht mehr Bürokratie und regulatorische Anforderungen, führte sie weiter aus. Die aktuellen Warnungen aus der Industrie dürften nicht ignoriert werden: „Die Deindustrialisierung ist längst keine theoretische Debatte mehr – sie findet statt. Tag für Tag.“

Unternehmen wollen ihre Investitionen eher zurückfahren als ausbauen, weil sie durch hohe Kosten und unsichere Rahmenbedingungen ausgebremst werden, erläuterte die IHK-Präsidentin: „Besonders betroffen sind unsere Familienunternehmen, der Mittelstand, das Handwerk, die Industrie und unsere Hidden Champions – also genau die Unternehmen, die nicht in Quartalen denken, sondern in Generationen.“ Sie unterstrich, dass Deutschland weiterhin klare Standortvorteile vorweisen kann. Dazu zählen beispielsweise Personen, die mit Ideenreichtum, Verantwortungsbewusstsein und Tatkraft das Land voranbringen: „Was wir brauchen, sind bessere Rahmenbedingungen für die Menschen, die investieren, ausbilden, Arbeitsplätze schaffen und Verantwortung übernehmen.“ Zusammenfassend fügte sie an: „Dann wird aus dem ständigen ‚Die Route wird neu berechnet‘ irgendwann wieder ein klares: ‚Sie haben Ihr Ziel erreicht.‘“

Der IHK-Jahresempfang diente wie in den Vorjahren dazu, die Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammenzubringen, um sich auszutauschen und das eigene Netzwerk zu pflegen. Neben Gästen wie Heiko Kasseckert aus dem Hessischen Landtag, Landrat Thorsten Stolz sowie dem Ersten Kreisbeigeordneten Andreas Hofmann konnten Natasha Rohde und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde außerdem den künftigen Oberbürgermeister Hanaus, Dr. Maximilian Bieri, und die künftige Bürgermeisterin Isabelle Hemsley begrüßen.

Aus der IHK-Welt waren ebenfalls einige Gäste nach Hanau gekommen: Die Ehrenpräsidenten Dr. Norbert Reichhold, Ulrich Heep aus Limburg und Eberhard Flammer von der IHK Lahn-Dill, Hanaus ehemaliger IHK-Präsident Oliver Naumann, Offenbachs Vizepräsident Robert Glaab, Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner sowie Frank Aletter, Geschäftsführer der HIHK.

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Fotocredit: IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern

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