"Obwohl bereits seit Jahren Auslastungsprobleme bestanden, auf die der Betriebsrat immer wieder hingewiesen hatte, wurde das Instrument der Kurzarbeit, das gesetzlich mit einer Beschäftigungssicherung einhergeht, beispielsweise nur in geringem Umfang und widerwillig genutzt. Eine Insolvenzgefahr wurde Ende vergangenen Jahres noch bestritten, bis die Unternehmensleitung wiederum Ende November eine Insolvenz in Eigenverwaltung anmeldete. Vorgebliches Ziel sollte die Rettung des Standortes sein. Allerdings wurde im Verlauf des Prozesses öffentlich, dass der Mietvertrag für den Hanauer Standort ohne jede Kommunikation mit Betriebsrat und Belegschaft offenbar schon Monate zuvor gekündigt worden war. Auf einschlägigen Internetportalen firmiert bereits seitdem ein Logistikdienstleister als zukünftiger Mieter", heißt es in einer Pressemitteilung.
Dazu Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda: „Rückblickend besteht beim Betriebsrat und uns der Eindruck, dass man eine wirtschaftlich schwierige Situation genutzt hat, um das Unternehmen bewusst und planmäßig in die Insolvenz zu führen. So kann das Unternehmen Kündigungsschutz und Sozialplanpflicht, also die Zahlung von Abfindungen, so gut wie vermeiden. Das trifft viele ältere und oftmals sehr langjährige Beschäftigte. Mit Blick auf die vielbeschworene unternehmerische Verant-ortung ist das ein absoluter Skandal!“
Die Fertigungsanlagen sollen nach Erkenntnissen des Betriebsrates innerhalb weniger Wochen in das tunesische Weco-Montagewerk verlagert werden. Dazu Ebenau weiter: „Selbst für unsere Kollegen im Betriebsrat ist es erstaunlich, mit welcher vorbildlichen Arbeitseinstellung die Kolleginnen und Kollegen unter den gegeben Umständen, trotz der langen Zeit, in der sie offenbar nur angelogen und betrogen wurden, bis zum letzten Tag Produkte in höchster Qualität fertigen und ausliefern wollen. Leider wird es ihnen durch das Unternehmen augenscheinlich nicht gedankt werden.“


