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Müssen Banker alle nur noch verkaufen?

Müssen Banker alle nur noch verkaufen?

Auf dem Finanzmarkt haben sich die Uhren seit vielen Jahren in Sachen Ansehen gedreht. Wie ist das zu verstehen?

VR Bank Main-Kinzig-Büdingen eG

Vor noch 20 Jahren war ein Banker eine angesehene Person, die, im feinen Anzug designt, einen guten Ruf genossen hat. Mittlerweile gelten viele Angestellte in der Bankenwelt als trainierte Verkäufer oder gar als „kleine Schwerverbrecher“, die den Kunden über den Tisch ziehen.

Dazu kommt das niedrige Zinsniveau, das allen Menschen seit vielen Jahren einen Weg aufzeigt, der es auch für Banker schwierig macht, Geld zu verdienen. Während viele Anleger mit niedrigen Zinsen auf solide Produkte zufrieden sein müssen, sinken die Margen für die Banken rapide. Unterm Strich bleibt durch den Zinsunterschied von Einlagen- und Kreditzinsen für das Finanzinstitut fast nichts mehr übrig.

Keine Überraschung also, dass eine Filiale der Bank oder Sparkasse nach der anderen schließt und viele Banker nach der Ausbildung nicht mehr übernommen werden. Banken müssen Personalkosten sparen. Bei vielen Finanzinstituten herrscht Einstellungsstopp und die Bankenchefs sind froh über jede Kündigung. Was bleibt übrig? Viele frustrierte Banker die im Vertrieb arbeiten. Im Job zählt vor allem eines: Verkaufen, verkaufen, verkaufen...

Wie sieht der Alltag eines Beraters aus?

Es gibt durchaus Bankberater, die müssen sogar tägliche Ziele erfüllen, damit sie am Abend glücklich und zufrieden nach Hause gehen dürfen. Meist jedoch werden vom Chef des kleinen Beratungscenters oder der Filiale Wochenziele vereinbart. Diese Ziele unterteilen sich in verschiedene Anlagen wie Bausparverträge, Versicherungen, Kreditkarten, Depots oder spezielle Produkte, die gute Provisionen abwerfen. Spätestens jeden Freitag oder am Monatsende wird abgerechnet: Wie war die Bilanz aller Produkte, die an den Mann bzw. an die Frau gebracht wurden?

Ist das Ziel erfüllt, gibt’s ein paar Streicheleinheiten vom Chef. Wer mit seinen Zielen Probleme hat, muss sich dafür erklären und rechtfertigen. Fakt ist: Wenn man in der großen Welt der Finanzen im Verkauf arbeitet, bekommt man Druck. Ohne Zielvereinbarungen geht fast gar nichts mehr, selbst Teilzeitkräfte oder Azubis müssen lernen, dass bestimmte Sparverträge einfach verkauft werden müssen.

Sehr schnell ist zu erkennen: Ziele – das verhängnisvolle Schlüsselwort in der großen Welt der Finanzen.

Ist ein Banker nur noch ein Verkäufer?

Natürlich gibt es in jeder Bank oder Sparkasse nicht nur Menschen, die im Vertrieb arbeiten. Viele interne Jobs in Abteilungen wie Revision, Marketing, Wertpapierabteilung, Versicherung oder Rechtsabteilung sind durchaus immer mit qualifizierten Menschen zu besetzen.

Dennoch wird auch in internen Abteilungen Personal abgebaut. Viele Tätigkeiten wie Ordererfassung bei Wertpapieren, Vertragsabwicklung beim Bausparen o.ä. werden längst von der Technik übernommen. Outsourcing für Kostenersparnis für Bankenchefs ist natürlich auch in der Finanzbranche kein Fremdwort. Schließlich muss, gerade zu niedrigen Zinsphasen, die schon so lange Zeit anhalten, jeder mit dem spitzen Bleistift rechnen, der in der Bankenwelt Geld verdienen will.

Provision-Erträge – wichtiger denn je!

Wie bereits erwähnt, ist grundsätzlich die Zinsspanne (Unterschied von Anlagezins und Kreditzins) der Unterschiedsbetrag, bei dem Banken ihr Geld verdienen. Diese Spanne ist seit vielen Jahren mehr als dürftig. Es bleibt also kaum Ertrag, der für den Gewinn der Banken bleibt und der für gute Erträge der Finanzhäuser sorgt.

Was bleibt, sind die Provisionen, damit Banken weiterhin ihre Einnahmen generieren. Provisionen werden vor allem im Vertrieb erwirtschaftet. Gerade innovative Wertpapierprodukte werfen gutes Geld ab. Daneben gibt es Leasing- oder Bausparverträge, Versicherungen oder Spezialanlagen, die von anderen Emittenten über die Bank oder Sparkasse verkauft werden.

Natürlich verdient auch jedes Finanzinstitut an Depot- oder Kontoführungsgebühren. Schließlich sind Gebühren und Preise eine wichtige Einnahmequelle für jedes Unternehmen wie eine Bank.

An dieser Erklärung ist schnell zu erkennen: Die Banken profitieren vom Vertrieb. Bankberater agieren als Verkäufer und kaum noch in beratender Funktion. Die Branche ist knallhart: Wer im Vertrieb schlecht verkauft, wird ein paarmal ermahnt und vielleicht auf Verkaufsschulungen geschickt, damit er bessere Erträge für sein Unternehmen erwirtschaften kann. Funktioniert diese Vorgehensweise nicht, verliert der Angestellte nicht selten seinen Arbeitsplatz, wird gemobbt oder in eine andere Abteilung versetzt. Es zählt vor allem eines: Ertrag, Ertrag, Ertrag! Wer keine Erträge für die Bank im Verkauf erwirtschaftet und Ziele erfüllt, hat auf Dauer kein leichtes Leben als Banker.

Diverse Kredit- oder Leasingverträge bieten guten Ertrag für das Finanzinstitut. Wer sich näher zu diesem Thema informieren möchten, kann auf folgendem Portal gute Infos finden: Aktiendepotvergleich

Psychische Erkrankungen und der Verkaufsdruck

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Verkaufszahlen, die ein Banker abliefern muss und psychischen Belastungen, die dadurch entstehen? Ja – zweifelsohne steigen immer mehr Banker aus dem Job aus. Vielleicht könnten sie die Arbeit abliefern, die der Chef verlangt, doch nicht allen Bankern macht es Spaß, als „skrupellose Barbaren“ ein Wertpapierprodukt nach dem anderen zu verkaufen. Warum sollte der 60-jährige Herr Müller jetzt noch einen Fondssparplan benötigen? Wieso muss man fast jedem Kunden „ein Produkt aufschwatzen“ das er einfach nicht braucht?

Viele Banker fühlen sich in der Welt mit hohem Verkaufsdruck nicht mehr wohl. Schließlich sollte man seine tägliche Arbeit mit einem guten Gewissen verfolgen, oder? Viele Bankangestellte können sich, wenn sie erfolgreich verkaufen möchten, nicht immer am Abend mit gutem Gewissen in den Spielgel blicken. Diese innere Diskrepanz ist für viele Angestellte ein Verhängnis, der letztendlich zum Burnout oder zur totalen Lebenskrise führt.

Die Konkurrenz schläft nicht

Mittlerweile finden wir immer mehr Online-Banken, die ausschließlich im Internet ihre Dienste anbieten. Längst ist es keine Überraschung, dass die Gebühren- und Preise bei Direktbanken deutlich geringer ausfallen als bei jeder Filialbank. Die Konkurrenz im Bankensektor steigt – was für viele Banker einen zusätzlichen Druck bedeutet. Was ist in der heutigen Zeit noch ein entscheidender Mehrwert, eine Bankfiliale aufzusuchen?

Die junge Generation tätigt all ihre Bankgeschäfte über das Internet. Hierbei geht es nicht nur um Online-Banking sondern vielmehr darum, dass man am Wochenende gemütlich seinen Spar- oder Kreditvertrag selbst im Netz abschließen kann. Diese Art von Geschäft hat sich längst schon in der Breite der Kundenmassen durchgesetzt. Keine Überraschung also, dass der Banker vor Ort, der mit seinen Kunden spricht, sich zusätzlich einem immer größer werdenden Konkurrenzdruck stellen muss.

Der Preiskampf ist hart – der Druck nimmt zu. Ältere Kunden, die das Vermögen auf den Sparkonten liegen haben und die sich mit Internet und Onlinegeschäften der Finanzen nicht gut auskennen, sterben irgendwann aus. Es lebe die junge Generation, die Vermögen erbt und viele Geldanlagen selbst im Netz gebührenfrei tätigt. Wohin mag dieser Strudel und die neue Entwicklung im Finanzmarkt noch führen? Wird die „gute alte Sparkasse“ oder die „ländliche Raiffeisenbank“ früher oder später ganz aussterben?

Nicht alles schwarz oder weiß

Natürlich sind nicht alle Banker schlecht oder agieren als Verkäufer, die „Otto Normalverbraucher“ nur Verträge aufschwatzen möchten. Schließlich gibt es Beratungsprotokolle, in denen alles genau aufgezeichnet wird, was der Kunde wünscht. Die bedarfsgerechte Beratung wird groß geschrieben – hier sollen Kunden wirklich nur die Produkte erhalten, die sich auch wirklich brauchen und die vollumfänglich zu ihnen passen.

Es gibt Schutzmechanismen, die dem Wohle der Kunden dienen. Außerdem sind Banker auch Menschen – es gibt durchaus Berater, denen man in vollen Zügen sein Vertrauen schenken kann.

Letztendlich muss jeder Verbraucher selbst entscheiden, ob er sich bei seiner Filialbank rundum wohl fühlt. Dabei sollte man sich selbst folgende Fragen beantworten:

  • Muss ich sehr häufig einen Beraterwechsel hinnehmen?
  • Wie sind die Öffnungszeiten bei meiner Filialbank?
  • Erhalte ich schnell einen Termin zur Beratung?
  • Nimmt sich mein persönlicher Berater für meine Anliegen Zeit oder will er nur seine Produkte verkaufen?
  • Fühle ich mich nachhaltig wohl, wenn ich meinen Banker als Ansprechpartner besuche?
  • Wie sind die bisherigen Produkte gelaufen und nimmt sich der Banker auch für Depotgespräche Zeit?
  • Was ist, wenn Finanzanlagen nicht gut laufen?

An diesen Fragen und Antworten (als Beispiele) ist sehr schnell zu erkennen, ob man sich nachhaltig bei seiner Filialbank wohlfühlt. Für manche Kunden ist es wichtig, einen soliden Ansprechpartner vor Ort zu wissen. Außerdem sind Banker nicht alle schlechte Menschen. Viele Angestellte, gerade bei Sparkassen oder anderen, kleinen Filialbanken auf dem Lande, möchten den Kunden langfristig in die Augen blicken und nicht als harte Verkäufer agieren. Diesen Spagat von Erfolg und gutem Lebensgefühl kann auch ein guter, solider Bankangestellter durchaus meistern.

Was bringt die Zukunft?

Viele Aussteiger aus dem Bankensektor wählen ein ganz neues, berufliches Umfeld. Doch geht es in der freien Wirtschaft überhaupt noch ohne Druck? Stehen nicht stets Margen, Erträge und große Erfolge zu Gunsten der Konzerne im Vordergrund?

Ja – zweifelsohne ist die Welt in der Wirtschaft hart und rau geworden. Nicht jede zarte, menschliche Seele kann diesem Druck standhalten. Genau deshalb landet der ein oder andere Angestellte früher oder später in einer Depression oder im Burnout. Längst steht es im Zeichen der Zeit, dass ein Lehrer seinen Beruf nicht immer bis zum Rentenalter ausüben kann. Die Kinder werden frecher, die Schüler selbstbewusster und unverschämt. Wo bleibt die Durchsetzungskraft und Autorität der Lehrkraft?

Man sieht also: Nicht nur Banker müssen einen hohen Druck am Arbeitsplatz aushalten. Es liegt im Zeichen der Zeit, dass Angestellte immer mehr leisten müssen, um nachhaltig bestehen zu können. Der Druck nimmt zu – fast in jedem Berufsbild. Sind deshalb psychische Krankheiten die Folge für unsere Zukunft in einer hart gewordenen Arbeitswelt?

Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Jahre und Jahrzehnte bringen. Wichtig ist: Jeder Mensch sollte sich selbst achten, ehren und schützen. Egal, ob Banker oder nicht – Gesundheit und Spaß an der Arbeit ist das wichtigste Gut! Lernen wir es vollumfänglich zu schätzen!

Fazit

Jeder Kunde muss selbst entscheiden, ob er sich mit seinem Banker nachhaltig wohlfühlt. Was die Zukunft in Sachen Internet-Banking ganz ohne Beratung bringt, wird sich die nächsten Jahre zeigen. Blickt hier wirklich jeder Kunde durch, welche Verträge er abschließt? Eines ist klar: Es bleibt spannend rund um den Markt der Banker und Finanzen!

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