Neben Polizei und Zoll hatten auch das Veterinäramt und das Regierungspräsidium Darmstadt Mitarbeiter entsandt, um bei der Überprüfung der Fahrzeuge gegebenenfalls eingreifen zu können. Und die Statistik gibt den Kontrolleuren recht: Die Beanstandungsquote liegt generell bei bis zu 61 Prozent, genaue Zahlen von der Kontrolle am Dienstag sollen noch in dieser Woche vorgelegt werden. Daten wird es genug geben, die Kontrolle startete bereits mittags um 13.30 Uhr und dauert bis 0.30 Uhr nach Mitternacht an. Jeweils vier Fahrzeuge von Polizei und Zoll fungierten als „Schlepper“ und lotsten die Fahrzeuge von der Autobahn auf den Rastplatz.
„Wir wollen auch einmal sehen, welche Fahrzeuge hier abends und nachts unterwegs sind“, erklärt Polizeihauptkommissar Thomas Maikranz von der Verkehrsinspektion des Polizeipräsidiums Südosthessen mit Sitz in Offenbach den langen Zeitrahmen. Die ersten Auffälligkeiten wurden allerdings bereits kurz nach Beginn festgestellt: Als erster musste der Fahrer einer deutschen Spedition mit allerdings rumänischen Kennzeichen seinen Lkw abstellen, ein Druckluftkessel an der Bremsanlage entfaltete nicht mehr die notwendige Wirkung, außerdem lag ein Verstoß gegen die Ladungssicherung vor.
Er fuhr zuvor wie alle großen Lkw über eine digitale Waage, auf der die Fahrzeuge anders als früher nicht mehr stehen bleiben müssen. Bei der Überfahrt wird jede Achse einzeln gemessen und dann von einer Spezialsoftware zum Gesamtgewicht addiert. Zu Ende geht auch die Zeit der Tachoscheiben aus Papier, seit 2006 müssen die großen Transporter mit Geräten für die elektronische Fahrerkarte ausgerüstet werden. Nur ältere Modelle dürfen noch auf die traditionelle Weise betrieben werden, vor allem die Manipulationsmöglichkeiten wurden durch die neue Technik erheblich erschwert.
Dann waren die Veterinäre am Zug: Erst kurz waren Vater und Tochter mit ihrem Pferdeanhänger unterwegs, 300 Kilometer bis zu einem Turnier liegen noch vor ihnen. Beim Öffnen der Heckklappe strahlen die Augen der Polizisten: den beiden Pferden geht es gut, Transport und Versorgung sind vorschriftsmäßig. „Für jede Tierart gibt es eigene Regeln“, erklärt einer der Spezialisten, Verstöße kommen immer wieder vor. Allerdings meist nicht bei privaten Tiertransporten, „für ihre eigenen Pferde sorgen die Halter meist besonders gut“, war der jetzt festgestellt positive Befund für Maikranz daher keine Überraschung. Beim Zoll läuft unterdessen alles ganz ruhig ab: Aufgenommen werden zunächst nur Personendaten, außerdem die Arbeitszeit abgefragt. Erst in den nächsten Tagen geht es dann in die Betriebe, dann werden die Daten abgeglichen und beispielsweise auch die Einhaltung des Mindestlohnes geprüft.
Der komplizierteste Fall in den ersten Stunden: Ein Klein-Lkw mit Anhänger transportierte gleich zwei Bagger, schon für den Laien erkennbar eine wackelige Geschichte. Dass er gleich zweimal über die Waage fahren musste, nahm der Fahrzeuglenker noch gelassen hin, telefonierte aber bereits hektisch mit seinem Chef. Das Gesamtgewicht war zu hoch, die Bagger nicht korrekt gesichert, eine Weiterfahrt so nicht möglich. Damit hatte sich der Fahrer des türkischen Lkw bereits abgefunden, allzu groß schien der Schock über das vorzeitige Fahrtende wegen der gebrochenen Bremsscheibe nicht zu sein. „Die Firmen sind in der Lage, solche Schäden meist schnell beheben zu lassen“, wunderte sich Maikranz nicht. Genug Nervennahrung war auch dabei: Der Lkw hatte Vitamin C geladen.


