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Keiler Bier

Mit voller Wucht

Mit voller Wucht

In den vergangenen Wochen wurde es deutlich: Die neuen Regelungen für die Grundsteuer treffen mit voller Wucht nicht nur Hausbesitzer, sondern auch deren Mieter. Die Behördenmühlen mahlen langsam – aber sicher. So könnte man das 2019 vom damaligen Finanzminister Olaf Scholz gestartete „Reformprojekt Grundsteuer“ charakterisieren.

Ein Jahr zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht in seiner unglaublichen Güte und Weisheit festgestellt, das über Jahrzehnte bewährte Verfahren die Grundsteuer auf der Basis von „Einheitswerten“ zu erheben, verstoße plötzlich gegen das Grundgesetz.

Mit einem Parforce-Ritt über den juristischen Paragraphen-Dschungel aber ohne wirklich praktische Erfahrung im Umgang mit der Grundsteuer erklärten die RichterInnen in ihrem purpurnen Ornat, dass jetzt alles gerechter zu werden habe. Als ob das Recht jemals einen echten Bezug zur Gerechtigkeit gehabt hätte. Schon damals gab es viele kritische Stimmen, wonach es vielmehr um eine klammheimliche Verbesserung der Staatsfinanzen gehen würde und die Änderung bei der Grundsteuer ein trefflicher Vorwand sei, den Bürgern wieder einmal tief in die Taschen zu greifen. Der Zusicherung des damaligen Finanzministers, wonach die Reform „aufkommensneutral“ sein würde, dem schenkten nur wirklich naive Gemüter glauben, denn die neue Bewertungsgrundlage ignoriert wesentliche Faktoren wie Hanglage, Lärmbelästigung oder den Ausblick, alles Kriterien, die entscheidend für den tatsächlichen Wert eines Grundstücks sein sollten. Eine einheitliche, transparente Grundlage war mithin nicht in Sicht.

Jetzt, nachdem die Hausbesitzer die geforderten Angaben dem Fiskus übermittelt haben und die ersten Bescheide ergangen sind, zeigt das Ergebnis teils groteske Unterschiede, selbst bei Grundstücken, die nur wenige Meter auseinanderliegen. Wie absurd dieses System ist, zeigt der Fall der Brüder Peter und Marco Spethmann. Zwei identische Grundstücke am Berliner Stadtrand, getrennt nur durch eine Hecke. Und doch klaffen die Steuerbescheide weit auseinander. Peter, der lediglich eine Gartenlaube besitzt, sieht sich plötzlich mit einer Steuerlast von 546 Euro konfrontiert. Vor der Reform waren es bescheidene 22 Euro. Sein Bruder Marco, der auf seinem Teil ein Einfamilienhaus errichtet hat, kommt vergleichsweise glimpflich davon: Seine Grundsteuer beträgt nun 348 Euro.

Auch eine Studie des Verbandes Haus & Grund präsentiert alarmierende Zahlen. Hohe Mehrbelastung für den Großteil der Bürger ergeben sich durch die Neubewertung der Grundstücke. Weil die Grundsteuer zudem in die Umlagen einfließt, müssen auch Mieter Mehrkosten tragen.

Diese sogenannte Reform ist ein weiterer Mosaikstein in dem Puzzle, das da lautet: Staat und Justiz sind nicht vertrauenswürdig. Das Vorgehen vom Fiskus und der Justiz wirkt auf viele Betroffene daher wie ein schlechter und besonders teurer Scherz.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (74) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere. Nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von mehreren Büchern ist der gelernte Redakteur bis heute als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt. Er lebt heute mit seiner Familie in Biebergemünd.

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Kommentare

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W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
1 jahr vor
Vermutlich sind Hier alles nur Fake-profile!
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9
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
1 jahr vor
Und da ist er wieder, die Arme Wurst ohne Leben, der keine eigene Identität hat.

Selbst wenn du meinen Namen Kopierst und damit Beiträge verfasst, weiß man ja zu Glück,
dass der Wichtigtuer diese geschrieben hat.
Denn ich würde nicht diesen Siffigen Linken mist schreiben, wie du es hier Veranstaltest.

Ich würde ja auf Markus Tippen!

Vielleicht kommt VO ja doch noch auf die Idee, eine Registrierungspflicht einzuführen.
Dann bleiben solche Zecken wie du wenigstens außen vor.
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2
Hätteesgernschönhier
1 jahr vor
Meine Lebenserfahrung sagt mir, bei jeder Änderung gibt es Mitnahmeeffekte. Eigentlich sollte es ja nur "gerechter" zugehen. Aber der Veränderungsprozeß war dynamisch und jetzt werden darüber die kommunalen Schwierigkeiten abgemildert. Wenn man schon am ändern ist, nutzt man die Gelegenheit. Ergo, Erhöhungen für alle.
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Sven
1 jahr vor
15 :grrr:

Danke, habe anscheinend ins Schwarze getroffen. :-)
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Proximo
1 jahr vor
Alle drei Beiträge haben aktuell die gleiche Anzahl der speziellen Emojis. Man muss kein Sherlock Holmes sein - lediglich eins und eins zusammen zählen - um zu dem Ergebnis zu kommen, dass hier eine Person mit einem gewaltigen Ideologieproblem und mit viel Zeit ihr Unwesen treibt.

PS: Ich könnte mir vorstellen, dass es demnächst einen zweiten "Proximo" geben wird. Wie tief kann man als Mensch eigentlich sinken?
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9
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
1 jahr vor
Vermutlich nicht.

Ein Selbsternannter Demokratie Wächter hier, hat es sich zur Aufgabe gemacht Sonnenbrand Emojis zu verteilen.
Vermutlich glaubt derjenige, er spricht für die Mehrheit, oder er kann die Meinung der Bürger mit seinem Getrolle umstimmen.
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Sven
1 jahr vor
Ich war einige Jahre im MKK Stadtverordneter einer FWG. Dreimal wurden Anträge eingebracht die Grundsteuer zu erhöhen, jedesmal von der SPD.
Bis auf einige wenige war aber den meisten Spezialdemokraten gar nicht klar, dass die Grundsteuer auf die Mieter umgelegt wird.

Ihr Feindbild "Besitzbürger" hatte ihnen den Blick für die Realität längst massiv getrübt.
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W̷͌́͆͂͒̄̿͋̑̓̕̕inston
1 jahr vor
Sind wir mal ehrlich.

Dem Bund reichen die Steuereinnahmen nicht, und die Kommunen bekommen nur ein Bruchteil der Kohle die sie benötigen.
Zusätzlich werden den Kommunen immer mehr Ausgaben aufs Auge gedrückt, die der Bund Initiiert hat.

Irgendwo muss die Kohle herkommen.
Der Leidtragende ist wieder der Steuerzahler.
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Proximo
1 jahr vor
Es gibt immer eine Einnahme- und eine Ausgabeseite. Das Problem ist, dass unsere Volksvertreter immer nur an einer Seite Veränderungen vornehmen. Das gilt für Kommunalpolitiker, als auch für unsere Politikelite in Berlin. Einschränkungen scheint dieser Personenkreis nicht zu kennen.
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