Doch Naeems Miene dürfte sich angesichts der tatsächlichen Besucherzahl dann doch schnell wieder aufgehellt haben: Respektable 831 Zuschauer haben den Weg zu den Hornets gefunden und damit für eine gut gefüllte Tribüne gesorgt, was selbst in höheren American Football-Ligen keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Dies hebt auch Ehrengast Maximilian Bieri (SPD), der Ende März mit deutlicher Mehrheit gewählte Oberbürgermeister der Stadt Hanau, gebührend hervor, um zu ergänzen, dass eine Stadt mit zwei American Football-Vereinen in Deutschland durchaus zu den Ausnahmen zählt und darauf sehr stolz sein kann – insbesondere, wenn diese beiden Vereine ein so sehenswertes Spiel auf den Rasen bringen wie an diesem Sonntag.
Die Ravens gewinnen den Coin Toss, überlassen jedoch den Hornets das erste Angriffsrecht. Und wieder – wie schon im Spiel gegen Universe – bedarf es eines unsanften Weckrufs, um die Hausherren in die Spur zu bringen: Im ersten Play pitcht QB Ferdinand Stark den Ball zu Nico Walch, der zu einem weiten Pass ansetzt. Dieser jedoch wird geblockt und landet in den Armen von Christian Winterstein. Bevor der Defensive End der Ravens zu viel Boden gutmachen kann, prellt Walch ihm das Ei wieder aus der Hand und begräbt es unter sich. Durchschnaufen: Die Hornets bleiben im Angriff.
Jetzt kommt die Hornissen-Offense ins Rollen. Im Wechselspiel zwischen Pass und Lauf geht es yard um yard nach vorn. Mal pflügen Nico Walch und Marvin Dell durch die gegnerischen Abwehrreihen, mal finden Starks Pässe in Tim Hochapfel einen dankbaren Abnehmer. Den Spielzug beendet Ian Gutermann mit einem kurzen Lauf zum Touchdown, Marc Spöckinger verwandelt den Point-after-Touchdown zum 7:0. Den Ravens ergeht es in ihrem ersten Drive weniger gut, ihr Quarterback Cedric Dorsey findet auf die bestens organisierte Hornets-Defense zunächst kaum Antworten. Rückkehrer André Jones bringt den Ravens einen empfindlichen Raumverlust bei, dann stoppt Melvin Hettrich kompromisslos den nächsten Lauf der Hanauer Raben. Steven Attipoe wehrt mit einem beherzten Sprung einen weiten Dorsey-Pass in die Endzone ab. Das Angriffsrecht wechselt.
Im nächsten Drive macht auch Nicola Cucuzzella entscheidend auf sich aufmerksam. Mit Läufen über zehn, dann acht yards verschiebt der wieselflinke Runningback das Spielgeschehen immer weiter in die gegnerische Spielhälfte, bevor Pässe auf Gutermann und Hochapfel die Hornets bis kurz vor die Endzone vorrücken lassen. Die letzten sechs yards überbrückt Cucuzzella pünktlich zu Beginn des zweiten Quarters. Der erfolgreiche PAT stellt den Spielstand auf 14:0. Auch der nächste Drive der Ravens findet ein jähes Ende. Zunächst drängt Robert Reinke den Angriff des Stadtrivalen mit einem entschlossenen Tackle zurück, dann wirft sich Atif Naeem in die Flugbahn eines weiten Dorsey-Passes und bringt mit dieser sehenswerten Interception die Hornets auf Höhe der Mittellinie in Ballbesitz.
Diesmal geht alles sehr schnell: Ein Lauf von Cucuzzella über das halbe Feld endet erst in der gegnerischen Red Zone, bevor ein gelungener Reverse-Spielzug von Cucuzzella auf Hochapfel diesem seinen ersten Touchdown des Tages beschert. Lukas Hertrampf verwandelt den PAT zum 21:0. Was sich auf dem Papier wie ein deutliches Übergewicht der Hausherren ausnimmt, stellt sich auf dem Platz allerdings etwas differenzierter dar: Die Ravens geben sich keineswegs kampflos geschlagen und initiieren immer wieder gefährliche Angriffszüge. Insbesondere Dorsey selbst macht mit seinen Läufen immer wieder entscheidend Boden gut. Dem Quarterback der Ravens bleibt es auch vorbehalten, den Spielstand auf 21:6 zu verkürzen, der PAT allerdings misslingt.
Noch vor dem Pausentee sorgen Aktionen beider Teams für staunende Gesichter: Zunächst durchmißt Cucuzzella einen Großteil des Spielfeld mit Läufen über 17, 15 und die verbleibenden 30 yards bis zur Endzone fast im Alleingang, dann zirkelt Dorsey auf Seite der Ravens einen Paß über mehr als vierzig yards zielgenau in die Arme von Sonny Herzing, der die restlichen dreißig yards unbedrängt zum 28:12 überbrückt. Der Versuch einer Two-Point-Conversion scheitert.
So viele Schauwerte die erste Halbzeit geboten hat, so ereignisarm dümpeln weite Strecken der zweiten dahin. Das dritte Quarter bringt keinem der Teams eine weitere Punkteausbeute. Anstelle der leicht angeschlagenen Walch und Cucuzzella darf sich nun Ian Gutermann als Runningback versuchen und macht dabei eine äußerst überzeugende Figur. Mit einem kurzen Pass findet Stark Hochapfel in der gegnerischen Endzone, Hertrampf lässt mit einem erfolgreichen PAT zum 35:12 keine Unklarheiten über den Ausgang des Spiels mehr aufkommen. Den Endpunkt eines unterhaltsamen Spiels, das die Hornets insbesondere mit ihrem Laufspiel und einer hellwachen Defense dominierten, in dem aber auch die Ravens mit gelungenen Spielzügen überzeugten, setzt Dorsey mit einem Pass in den äussersten Winkel der Endzone. Beim Stand von 35:18 knien die Hornets ab.
„In diesem Spiel hat vor allem Hanau als Standort des American Football gewonnen“, resümiert Hornets-Präsident Atif Naeem nach dem Schlußpfiff. „Hunderte von Zuschauern im Stadion und Tausende im Livestream konnten sich davon überzeugen, dass hier Football von hoher Qualität geboten wird. Und wir sind noch nicht am Ende“, ergänzt Naeem mit einem schelmischen Grinsen.
Sieger im „IcedUp“-Bowl: Die Hanau Hornets.
Runningback Nico Walch.
Wide Receiver Tim Hochapfel.
Hochapfel nach seinem zweiten Touchdown.
Auch RB Nicola Cucuzzella verbuchte zwei Touchdowns.
Fotos: BLURRED PICS








