81.373.893 Menschen leben in Deutschland und alle jubeln der „Mannschaft“ zu. Alle? - Nein, sicher nicht! Nicht nur die Fußballmuffel suchen krampfhaft nach einem Alternativprogramm, auch viele Menschen aus anderen Nationen drücken eher dem Team ihres Heimatlandes die Daumen.
Wenn es nach der Unterstützung aus der Wetterau ginge, dürfte beim Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien die Sache ziemlich klar sein. 728 Menschen russischer Nationalität leben in der Wetterau, aus Saudi-Arabien stammen 13.
In der Gruppe A spielt dann am Folgetag Ägypten gegen Uruguay. 43 Ägypter drücken die Daumen, während fünf Menschen aus Uruguay die weißblaue Fahne mit der Sonne schwenken.
Die Zahl der Unterstützer der Mannschaften in Gruppe B ist relativ gleich mit Ausnahme des absoluten Favoriten. 334 Marokkaner, 393 Iraner, 343 Portugiesen, aber 798 Spanier halten die Daumen für ihr Team. Wenn allerdings die Hymne erklingt, können die Spanier bestenfalls mitsummen. Einen Text hat die Hymne nicht.
In Gruppe C gibt es hinsichtlich der Unterstützer einen deutlichen Vorsprung. Den dürfte WM-Favorit Frankreich mit 370 Unterstützern in der Wetterau aber wohl kaum gegen Australien 44, Peru 29 und Dänemark 47 brauchen. Bei den Iranern muss man sich freilich Sorgen machen, ob sie nicht schon von vornherein gehandicapt sind. Werden sie möglicherweise barfuß antreten? Die Iran-Sanktionen von Präsident Trump verbieten zumindest die Ausstattung mit Schuhen des amerikanischen Herstellers Nike, ob Adidas oder Puma Sanktionsbrecher werden? Am Freitag, dem 15. Juni 2018, werden wir mehr wissen.
In Gruppe D wird es spannend, Argentinien hat mit Lionel Messi einen der besten Fußballer der Welt in seinem Team. Ihm werden vermutlich mehr als die nur 22 Argentinier zujubeln. Drei Isländer leben in der Wetterau. Der Jubel, den Spieler und Fans bei der Europameisterschaft 2016 entfacht haben, hat aber viele andere angesteckt. Mal sehen, ob das diesmal wieder so wird.
Kroatien wird von 1.407 Landsleuten unterstützt, Nigeria von 45. Rein optisch könnte das allerdings anders aussehen. Wie unlängst in einer Frankfurter Zeitung zu lesen stand, wurde das nigerianische Trikot in Grün, Weiß und Schwarz zum Verkaufsschlager. Drei Millionen Bestellungen gab es dafür schon vor der WM, genauso viel wie für das deutsche Trikot – nachdem die Mannschaft den WM-Titel geholt hatte.
In der Gruppe E spielt ein absolutes Schwergewicht und Rekordweltmeister. Brasilien will den sechsten WM-Titel und wird dabei von 125 Brasilianern mit oder ohne Samba unterstützt. Etwas mehr, aber dafür bestimmt distinguierter werden die 168 Schweizer in der Wetterau ihr Eidgenossen-Team unterstützen. Mit Serbien, 274 Unterstützer, kommt das zweite Team nach Kroatien vom Balkan. Vierte Mannschaft in der Gruppe E ist Costa Rica mit drei Landsleuten in der Wetterau.
Gruppe F dürfte vermutlich den größten Fanblock stellen. Denn hier spielt der amtierende Weltmeister Deutschland und 300.000 Menschen in der Wetterau (minus 39.000 ohne deutschen Pass) drücken Jogi Löw und seinen Mannen die Daumen. Am kommenden Sonntag müssen die Deutschen zum ersten Mal gegen Mexiko ran, das sich in der Wetterau auf 35 begeisterte Fans stützen kann. Schweden 83 und Südkorea 131 Landsleute in der Wetterau gehören noch zur Gruppe F
In der Gruppe G spielen zwei weitere Mitfavoriten. England ist das Land, wo vielleicht nicht Milch und Honig, wohl aber mächtig viel (Fußball-) Geld fließt. Zumindest in keiner anderen Liga wird so viel umgesetzt wie in der Premier League. Keiner der englischen Nationalspieler spielt im Ausland. 430 Briten werden die englische Nationalmannschaft unterstützen. Das Ausländerzentralregister unterscheidet bei den Briten allerdings nicht zwischen Engländern, Walisern, Schotten und Nordiren, deren Teams sich nicht qualifiziert haben.
Viel vorgenommen haben sich auch die Belgier, die von 71 Landsleuten aus der Wetterau unterstützt werden. Nicht viel geringer dürfte die Unterstützung für Tunesien sein, 69 Landsleute warten mit ihrem Team auf den ersten Sieg in einem WM-Turnier seit 40 Jahren.
Die geringste Unterstützung aus der Wetterau dürfte das Team aus Panama bekommen, nur ein Landsmann lebt in der Wetterau. Dafür dürfte die Unterstützung im Heimatland umso größer sein. Der Jubel über die erstmalige WM-Qualifikation nach einem Sieg gegen Costa Rica ging sogar so weit, dass der Staatspräsident den Tag zum Nationalfeiertag erklärte.
In Gruppe H schließlich spielt die Mannschaft, die aus der Wetterau die stärkste Unterstützung nach Deutschland bekommen dürfte, nämlich Polen mit 3.625 Landsleuten, gefolgt von 117 Japanern, 71 Kolumbianern und sechs Menschen aus dem Senegal.
Mit etwas Missmut dürften andere große Landsmannschaften den Blick in Richtung Osten werfen. Die Türkei mit 6.288 Landsleuten, die größte Gruppe Nichtdeutscher in der Wetterau, spielt ebenso wenig mit wie die Azzurri, die blauen Trikotträger aus Italien, und unser beliebtester Nachbar im Westen, die Niederlande, sind diesmal leider auch nicht dabei.
Landrat Jan Weckler jedenfalls wünscht sich für die kommenden vier Wochen tolle und friedliche Spiele, bei denen stets der Beste gewinnen möge.
Zur Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft präsentiert Weckler im Foyer des Kreishauses am Friedberger Europaplatz ein raumgreifendes Bild des Friedberger Künstlers Raphael Rack, Siegesfeier Brandneburger Tor 2014, das Spaß machen soll und Lust auf gemeinsames Schauen von tollen Spielen.
Foto: Landrat Jan Weckler zusammen mit dem Künstler vor dessen Bild im Friedberger Kreishaus. Der renommierte Künstler freut sich, dass das Werk in den nächsten Wochen das Foyer des Friedberger Kreishauses schmücken wird. Danach soll es zum Deutschen Fußball Bund gehen, entweder in dessen neue Zentrale oder ins Fußballmuseum nach Dortmund.



