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Gespräch mit Zeitzeuginnen: „Man erlebt alles noch einmal“

Gespräch mit Zeitzeuginnen: „Man erlebt alles noch einmal“

Am 7. und 8. März besuchten vier Klassen der Jahrgangsstufe 8 der Henry-Benrath-Schule ein Gespräch der Holocaust-Überlebenden Lilo Günzler und Eva Szepesi.

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zeiteuglilo1Die Veranstaltungen fanden im Rahmen der RESPEKT-Reihe des Jugendbildungswerkes des Wetteraukreises in Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank statt. „Mit der Veranstaltungsreihe versuchen wir Schülerinnen und Schüler zu Offenheit, Neugier und konstruktivem Umgang mit Fremdheit sowie zu aktiver Gestaltung von Vielfalt zu motivieren“, so Sozialdezernent Helmut Betschel.

Die Zeitzeugin Lilo Günzler erzählte am vergangen Montag (7. März 2016) vor ungefähr 50 Schülerinnen und Schülern von ihrer Vergangenheit und den Erlebnissen während des Holocaust. Lilo Günzler wurde als Tochter einer jüdischen Mutter und eines arischen Vaters in Frankfurt am Main im Jahre 1933 geboren und hatte einen Bruder namens Herbert. Ihr Bruder hatte zwar die gleiche Mutter, jedoch war sein Vater auch Jude, daher erlitt der Bruder ein anderes Schicksal als Lilo. Schon während der Schulzeit musste er in eine jüdische Sonderklasse und 1941 wurde er in ein jüdisches Kinderheim geschickt. Als Lilo 1939 eingeschult wurde, sagte ihre Mutter zu ihr: „Wenn dich jemand fragt, was du bist, sag, du bist Geltungsjude oder Mischling ersten Grades“. Lilo konnte damals nicht viel mit den Begriffen anfangen, aber als bei der Reichskristallnacht jüdische Läden zerstört, die Synagoge angezündet und gerufen wurde: „Juden raus!“ verstand sie den Ernst der Lage. Lilo Günzler erlebte den Krieg hautnah mit und musste sich während Bombenangriffen mit unzähligen Menschen im Keller verstecken.

Im Februar 1945 wurden ihre Mutter und ihr Bruder nach Theresienstadt deportiert, sie überlebten beide und kamen nach Kriegsende wieder nach Hause. Nach dem Vortrag hatte die Klasse die Möglichkeit, Fragen zu stellen. So fragte Nikolas, 14 Jahre alt, ob kontrolliert wurde, dass die Juden alle ihren Judenstern trugen. Lilo Günzler berichtete, dass die Nachbarschaft schon sehr gut aufgepasst und direkt die SS informiert hätte, wenn sie eine jüdische Person ohne Judenstern erwischt hätte.

Am darauffolgenden Tag kam Eva Szepesi in Friedberger Kreishaus und las zwei Schulklassen aus ihrem Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht“ vor. Als Tochter jüdischer Eltern wurde sie 1932 in Budapest (Ungarn) geboren und hatte einen Bruder. Sie erzählte, dass sie bis zum 6. Lebensjahr eine glückliche Kindheit hatte. Danach fing die Diskriminierung und Ausgrenzung an. Ihre Mutter schickte sie mit ihrer Tante auf die Flucht und so reiste sie mit falschen Papieren in die Slowakei und kam bei anderen Familien illegal unter. 1944 kam Eva Szepesi nach Auschwitz, sie war damals 12 Jahre alt. Bei der Registrierung befahl ihr eine Wächterin zu sagen, dass Sie 16 Jahre alt. Der 13 jährige Schüler Sören, fragte anschließend, warum sie dies tun sollte und Eva Szepesi erzählte, dass alle unter 16- Jährigen direkt vergast und die über 16-Jährigen zur Arbeit eingeteilt wurden. Sie war ungefähr drei Monate in Auschwitz und wurde 1945 durch die Russen befreit.

Beide Gespräche kamen bei den Anwesenden sehr gut an, es wurden viele Fragen gestellt und alle hörten gespannt zu. Interessiert beschäftigten sich die Klassen auch mit der Frage, ob so etwas heutzutage noch einmal passieren könnte? Es herrschte Einigkeit, darüber dass der Nationalsozialismus ein einzigartiges Ereignis sei. Katharina (14 Jahre) stellte die Frage in den Raum: „Wenn die Gesellschaft gelernt hätte, warum grenzen wir dann Flüchtlinge aus und schließen zunehmend die Grenzen?“  

Beide Zeitzeuginnen können erst seit wenigen Jahren über ihre traumatischen Erlebnisse berichten, denn „man erlebt das nochmal“, so Eva Szepesi über das Erzählen der eigenen Geschichte. Lange Zeit wussten ihre Familien nicht, was sie während des Nationalsozialismus erduldet mussten.

Foto: Lilo Günzler (Mitte) berichtet über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg.

Foto: Eva Szepesi (Mitte) berichtet über ihre Erlebnisse in Ausschwitz.

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