Landrat Joachim Arnold und der Vorsitzende des Personalrats in der Friedberger Kreisverwaltung, Erwin Jahn, haben den beliebten Kollegen jetzt verabschiedet. Wer in der Leitstelle des Wetteraukreises arbeitet hat meistens nicht nur einen Job, sondern gleich mehrere. Fast alle Kollegen sind “nebenbei” auch aktive Feuerwehrkameraden und Rettungsassistenten. Das erleichtert die tägliche Arbeit im siebten Obergeschoss des Kreishauses am Friedberger Europaplatz. So lange wie Carl Cellarius ist aber niemand dabei. Der großgewachsene Mann trägt seinen lateinischen Namen nicht zu Unrecht. Der Cellarius oder Kellerer hatte früher die Aufsicht über den Weinberg und den Weinkeller. Tatsächlich betrieb Familie Cellarius bis in die 70er Jahre hinein eine Weinkellerei in Schotten. „Schon als Bub habe ich da mitgearbeitet“, sagt Carl Cellarius.
Wer Carl Cellarius meint, ruft aber meistens „Flatter“, so sein Spitzname. Und der hat weniger mit seinem Lebenswandel als mit seiner Leibspeise zu tun, nämlich dem Brathähnchen, dem Flattermann. Den bekam er auch oft bei seiner Paradesportart dem Skilanglauf als Siegestrophäe überreicht bekam. Dass Flatter mal eine Berufskarriere im Rettungsdienst machen würde, hätte man dem 15-jährigen Schottener Bub wohl nicht vorausgesagt, der absolvierte nämlich zunächst eine Lehre als Schlosser. „Das hat mich aber nicht wirklich befriedigt“, erzählt er weiter. Und so drückte er wieder die Schulbank, holte die Realschul- und Fachhochschulreife nach und begann 1972 seinen Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz.
Dort blieb Carl Cellarius zunächst als Transportsanitäter und hat sich dann durch Lehrgänge und Fortbildungen zum Rettungsassistenten weitergebildet. Parallel zu seiner Arbeit als Rettungsassistent und Fahrer von Rettungswagen war er beim DRK auch in der Leitstelle eingesetzt. Als die dann 1992 kommunalisiert wurde, trat Carl Cellarius in die Dienste des Wetteraukreises als hauptamtlicher Mitarbeiter der Leitstelle. Parallel dazu arbeitete er noch bis 2007 als nebenamtlicher Rettungsassistent. Auch war Carl Cellarius fast 25 Jahre bei seiner Feuerwehr Friedberg als Gruppenführer tätig und bei mehreren tausend Einsätzen dabei. Acht Bandscheibenvorfälle und vier Operationen haben dieser Karriere allerdings ein Ende bereitet.
„Menschen zu helfen, hat mir viel Freude bereitet und ist ungeheuer befriedigend, vor allem, weil ich mein Wissen so sinnvoll und nutzbringend anbringen konnte. Ich habe mein Hobby als Beruf ausüben können. Dafür bin ich dankbar“, berichtet er stolz. 450.000 Menschen hat Carl Cellarius gerettet oder Hilfe zukommen lassen, wie es seine 43-jährige Berufskarriere statistisch erfasst. „Die Arbeit in der Leitstelle ist sehr verantwortungsvoll, weil wir entscheiden müssen, welche Rettungsmittel notwendig sind. Wenn jemand auf der Straße stürzt und sich eine blutende Kopfwunde zuzieht, benötigt er keinen Notarzt. Wer aber über Brustschmerzen klagt, mit Ausstrahlung in den Arm, der zeigt Symptome eines Herzinfarktes. Da heißt es schnell handeln“, schildert Carl Cellarius.
Besonders schwierig ist es in solchen Situationen, die Anrufer zu beruhigen, um die genauen Symptome zu erkennen. Da ist der 1,90 Meter große Mann aber genau richtig, seine ruhige Art überträgt sich schnell auf die Gesprächspartner. Das dramatischste Erlebnis in seinem Berufsleben war sicher der Großbrand in Bad Nauheim, bei dem 14 Menschen zu Tode kamen. „Als Fahrer eines Rettungstransportwagens (RTW) habe ich einen Schwerverletzten von der Unfallstelle in das Hochwaldkrankenhaus gefahren.“
Traurig ist auch die Erinnerung an das Jahrhunderthochwasser 1981 in Bruchenbrücken, wo er leider ohne Erfolg einen Feuerwehrkollegen reanimierte. Zu den schönen Erlebnissen von Carl Cellarius gehört sicherlich, dass er 17 Kindern im RTW den Weg in unsere Welt gebahnt hat. Carl Cellarius blickt auf eine lange Berufskarriere zurück. „Vor allem die technische Ausrüstung der Leitstellen hat sich fundamental verändert. Wir haben hier in der Wetterau eine der modernsten Leitstellentechniken in Hessen“, sagt er stolz und fügt hinzu: „dass man eine hervorragende Zusammenarbeit mit den Nachbarleitstellen pflege.
Carl Cellarius ist ein beliebter Kollege, der viel für das gute Betriebsklima in der Leitstelle getan hat. „Mit Carl Cellarius verlässt eine Institution die Leitstelle und den Wetteraukreis“, sagte denn auch Landrat Joachim Arnold. Der Personalratsvorsitzende des Wetteraukreises, Erwin Jahn, kennt und schätzt Carl Cellarius, schon seit Mitte der 80er Jahre. „Er ist das „Urgestein“ der Leitstelle. Seine umgängliche Art, sein stets soziales Engagement wird dem Wetteraukreis fehlen. Im Namen des Personalrates wünsche ich ihm weiterhin viel Gesundheit für seinen neuen Lebensabschnitt und don’t forget to rock!“ Sein Ruhestand wird sicherlich nicht langweilig: Sowohl in der Feuerwehr als auch in der Politik erwarten Carl Cellarius noch anspruchsvolle Ehrenämter.
Foto: Carl Cellarius mit Landrat Joachim Arnold und dem Vorsitzenden des Personalrates der Kreisverwaltung, Erwin Jahn.



