Mit den sogenannten Schockanrufen haben die Täter einer 85-Jährigen aus Nidda vorgegaukelt, dass sich deren Tochter in einer Notlage befindet und dabei 16.000 Euro erbeutet.
Der erste Anruf ging am Samstagvormittag ein. Eine Frau gab sich als die Tochter der Niddaerin aus und teilte mit, dass sie einen Unfall mit einem Kind habe. Beide wären verletzt und befinden sich angeblich in einem Krankenhaus. Die Anruferin gab an, dass sie ins Gefängnis kommen würde, wenn sie nicht sofort 28.000 Euro zahlen würde. Kurz danach erfolgten weitere Anrufe eines Mannes, der sich als Rechtsanwalt ausgab. Dieser mutmaßliche Rechtsanwalt vereinbarte mit der Niddaerin einen Termin, um den Geldbetrag übergeben zu können. Noch am späten Samstagvormittag erschien eine unbekannte Frau und holte sich die 16.000 Euro ab. Dabei handelt es sich um einen ungewöhnlich hohen Geldbetrag, den die Frau bis dahin sogar zu Hause aufbewahrte.
Die unbekannte Abholerin soll etwa 160 cm groß und 25 bis 30 Jahre alt sein. Sie habe, so die Zeugin eine dunkle Hautfarbe und ein rundes Gesicht. Bekleidet sei sie mit einen grauen Jacke sowie einer grauen Strickmütze gewesen. Bei den Ermittlungen stellte es sich heraus, dass die Anrufer offensichtlich aus Litauen anriefen. Die Landesvorwahl für dieses Land lautet 0037. Später stellte sich dann heraus, dass sich die Tochter in keinem Krankenhaus, sondern an ihrer Arbeitsstelle in Ortenberg befand. Das Geld war inzwischen aber weg. Die Ermittler des entsprechenden Kommissariates sind sich sicher, dass es sich hier um eine organisierte und geplante Betrugsform handelt, die bereits seit über einem Jahr immer wieder vorkommt.
Dabei werden zumeist aus dem russischen Sprachraum stammende ältere Mitbürger Opfer von Straftaten durch die bereits genannten Schockanrufe. Oft trifft es Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, Ukraine, Kasachstan oder Lettland. Die Anrufer melden sich in russischer Sprache oder in deutscher Sprache mit russischem Dialekt. In diesem Telefonat werden ihnen Notsituationen geschildert.
Zumeist handelt es sich um einen Verkehrsunfall oder ein ähnliches Ereignis, in die ein Angehöriger verwickelt sei. Diese Notsituation nutzen die Betrüger dann auch skrupellos aus und fordern Bargeld zur Bezahlung für eine medizinische Behandlung oder der Vermeidung einer Haftstrafe. Innerhalb dieser "Schockphase" sind die Angerufenen ihren Verwandten gegenüber hilfsbereit und bezahlen den geforderten Betrag.
In einer Vielzahl von Fällen erfolgen die Anrufe aus Litauen mit der Vorwahl 0037. Die Polizei rät dringend: Wenn Sie einen solchen Anruf erhalten
- Gehen Sie nicht auf die Forderungen ein, prägen Sie sich jedoch Stimme und sprachliche Besonderheiten des Anrufers ein
- Notieren Sie die angezeigte Telefonnummer
- Wenn Sie zu einem Rückruf aufgefordert werden, rufen Sie nicht zurück, aber notieren Sie sich die Ihnen genannte Rufnummer, sie beginnt meistens mit der Vorwahl für Litauen 00370 -Wenden Sie sich unverzüglich an Ihre nächste Polizeidienststelle. Hinweise bitte an die Polizeistation in Friedberg, Tel.06031-6010.



