Mit einem Gottesdienst in der Brunnenkirche Hofgeismar ist sie am heutigen Montag, 27. November, eröffnet worden. Bis einschließlich Mittwoch, 29. November, werden die Synodalen tagen. Die Herbsttagung kann im Internet unter www.ekkw.de live mitverfolgt werden.
Prälat ging im Eröffnungsgottesdienst auf brüchige Strukturen ein
„Welchem Drehbuch folgen wir als Kirche – jetzt, wo Strukturen brüchiger werden?“, fragte Prälat Burkhard zur Nieden in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst. Krisen jagten wie bei Petrus beschriebene „apokalyptische Reiter“ durch unsere Welt, auch im Bereich der Kirche. Sie weckten Angst und Furcht, sollten aber vielmehr ermutigen in einer Zeit der Überforderung. Das Bild von der Kernschmelze, das manche mit Blick auf die Entwicklung der Kirche bemühten, sei falsch, betonte der Prälat. Noch sei etwas Zeit. Sie gelte es zu nutzen, empfahl Prälat zur Nieden den Synodalen und ermunterte: „Lasst uns gemeinsam ein neues Drehbuch für unsere Kirche schreiben.“
Präses: „Diese Kirche gibt sich Strukturen für die Zukunft“
Auch Präses Dr. Michael Schneider ging in seiner Eröffnungsansprache auf die Krisen außerhalb und innerhalb der Kirche ein. „Vieles ist nicht gut – im großen Getöse der Welt und auch nicht in unserer Kirche“, stellte Schneider fest. Er verwies auf den Terror in Nahost, auf das Erstarken der Rechten und des Antisemitismus sowie auf Fälle sexualisierter Gewalt, die Kirche „in ihren Reihen nicht verhindert hat“. Auch auf das die Synodaltagung bestimmende Thema der Haushaltskonsolidierung schwor der Präses ein: „Nach Jahrzehnten des Mehr bei Finanzen und Mitgliedern sind wir mittendrin im Weniger. Und wenn wir nicht spätestens jetzt anfangen, wirklich gegenzusteuern, haben wir schon bald keine Handlungsfähigkeit, geschweige denn Gestaltungsfähigkeit mehr.“
Dennoch ließe sich auch optimistisch nach vorne blicken: Tauffeste, neue Gottesdienstformate, eine wieder erstarkte Gedächtniskultur, klare Signale zur Aufarbeitung seien dafür Beispiele. „Es wird anders, aber es wird gut – sowieso“, für diese Botschaft warb der Präses, auch wenn mit dem Transformationsprozess „schwierige Entscheidungen, Herausforderungen, Belastungen, Verletzungen und Zumutungen“ verbunden seien. Doch habe die Landeskirche einen nachhaltigen Haushalt, der nicht auf Kosten der nächsten Generation aufgestellt worden sei. „Dieser Kirche ist es wichtig, auch im eigenen Handeln einen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten, und diese Kirche gibt sich Strukturen für die Zukunft und möchte dabei lebendig, kräftig und vielfältiger werden.“
Hintergrundinformationen
Der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gehören annähernd 730.000 Menschen (Stand Dezember 2022) in rund 690 Gemeinden an. Das Gebiet der Landeskirche erstreckt sich von Bad Karlshafen im Norden bis zum Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim im Süden, vom Waldecker Upland im Westen bis zum im Freistaat Thüringen gelegenen Kirchenkreis Schmalkalden.
Landessynode: Das sind ihre Aufgaben und Kompetenzen
Die Landessynode besitzt herausragende Kompetenzen: Sie hat in allen kirchlichen Fragen die letzte Entscheidung. Die geistliche und rechtliche Leitung der Landeskirche teilt sie mit dem Bischof / der Bischöfin, den Pröpstinnen und Pröpsten, dem Rat der Landeskirche und dem Landeskirchenamt. Alle anderen Leitungsorgane sind der Landessynode verantwortlich. Die Synode wählt den Bischof / die Bischöfin und entsendet aus ihrer Mitte den Rat der Landeskirche. Sie erlässt Gesetze, verabschiedet den Haushalt und schafft so die Grundlagen für das rechtliche Leben der Landeskirche.
So setzt sie sich zusammen
Der aktuellen, 14. Landessynode gehören 78 Mitglieder an; dabei sind die Nicht-Theologen in der Mehrheit. Das Gros der Mitglieder wird direkt von den Synoden der Kirchenkreise für sechs Jahre gewählt. Hinzu kommen von Amts wegen die Bischöfin sowie ihre Stellvertreterin bzw. ihr Stellvertreter, die Vizepräsidentin (juristische Stellvertreterin) und der Prälat (theologischer Stellvertreter), die Pröpstinnen bzw. der Propst der drei Sprengel sowie die Direktoren des Evangelischen Studienseminars und der Evangelischen Akademie. Der Rat der Landeskirche beruft zwölf weitere Mitglieder der Landessynode, von denen mindestens acht Laien sein müssen. Bei deren Berufung sollen laut Grundordnung „die für den Dienst der Kirche in der Welt wichtigen Kräfte“ vertreten sein.
So oft tagen die Synodalen
Die Landessynode tagt in der Regel zweimal im Jahr: im Frühjahr und in der Woche vor dem 1. Advent. Die Amtszeit der 14. Landessynode hat am 5. Mai 2022 begonnen; sie endet im Frühjahr 2028. Präses (Vorsitzender) ist Dr. Michael Schneider aus Schlüchtern. Erste Beisitzerin ist Dr. Isabel Schneider-Wölfinger aus Espenau (Vertretung Beate Rilke), zweiter Beisitzer ist Pfarrer Jan-Friedrich Eisenberg aus Vöhl.



