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Großer Polizeieinsatz wegen Neugründung der AfD-Jugendorganisation in Gießen

Großer Polizeieinsatz wegen Neugründung der AfD-Jugendorganisation in Gießen
Von links: Innenminister Roman Poseck, Polizeipräsident Torsten Krückemeier und Einsatzleiter Jürgen Fehler. ©HMdI

Am Novemberwochenende (29./30. November 2025) ist in den Gießener Hessenhallen die Neugründung einer Jugendorganisation der Partei AfD geplant. Daran anknüpfend wurden mehrere Gegenversammlungen im Stadtgebiet bei der Gießener Versammlungsbehörde angezeigt. Die zahlreichen Mobilisierungsaufrufe aus dem gesamten Bundesgebiet machen die Dimension des bevorstehenden Einsatzwochenendes deutlich. Es werden bei über 20 angezeigten Gegenversammlungen bis zu 50.000 Teilnehmer erwartet.

Innenminister Roman Poseck (CDU) erklärte: „Die Neugründung einer Jugendorganisation der AfD und die angekündigten Gegendemonstrationen sind insbesondere für die Polizei eine herausfordernde Großlage. Darüber hinaus findet der Wochenmarkt sowie der Gießener Weihnachtsmarkt in der Innenstadt an dem Wochenende statt. Die Polizei bereitet sich seit Monaten mit Hochdruck auf das bevorstehende Einsatzwochenende vor. An der Einsatzplanung waren neben den Polizeien der Länder und vom Bund auch das LKA und BKA sowie die Verfassungsschutzbehörden beteiligt. Allein am Samstag werden mehrere Tausend Polizisten aus Hessen, dem gesamten Bundesgebiet und seitens der Bundespolizei im Einsatz sein. Die Polizei wird mit einem breiten Einsatzangebot vor Ort sein, darunter Polizeihubschrauber, Drohnen, Sonderwagen und Unimogs. Neben der Polizei hat sich auch der Katastrophenschutz auf die Großlage vorbereitet und wird im Einsatz sein. Der Landkreis Gießen unterstützt und bei Bedarf helfen Einheiten aus benachbarten Kreisen. Die Stadt und der Landkreis Gießen stellen die Alarm- und Einsatzplanung unter anderem zur Gewährleistung des Brandschutzes und der Notfallversorgung sicher. Zudem ist gewährleistet, dass im Fall eines nicht mehr zu bewältigenden Notrufaufkommens in der Zentralen Leitstelle Gießen die Leitfunkstelle Fulda die Notrufannahme übernimmt. Auch das THW wird vor Ort logistisch unterstützen. Die Polizei wird alles dafür tun, dass die Versammlungen sicher und friedlich verlaufen und dass der Rechtsstaat an diesem Wochenende zur Geltung kommt. Dazu gehört auch der Schutz von Versammlungsrechten und der körperlichen Unversehrtheit von Beteiligten. Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes demokratisches Gut. Bei Gewaltanwendung ist aber immer eine Grenze überschritten. Deshalb blicke ich mit Sorge auf Mobilisierungen in der linken Szene; vereinzelt gibt es dort auch Aufrufe zur Gewaltanwendung. Es ist legitim, die AfD zu kritisieren. Aber die Ablehnung der AfD darf unter keinen Umständen mit gewalttätigen Mitteln ausgedrückt werden. Jeder Gewalttäter ist ein Feind unserer Demokratie, egal, ob er links oder rechts steht. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die extremen Ränder zunehmend gewaltbereit begegnen. Deshalb sollten alle Beteiligten ein großes Interesse daran haben, dass das Wochenende gewaltfrei verläuft. Es ist selbstverständlich zulässig, gegen die AfD und ihre Jugendorganisation mit friedlichen Mitteln zu demonstrieren. Der Schutzbereich der Versammlungsfreiheit endet aber dort, wo die Gegendemonstration nicht mehr auf Meinungskundgabe wie Sprechchöre, Transparente, politische Botschaften, sondern auf faktische Verhinderung der Ausgangsversammlung gerichtet ist. Eine Gegendemonstration darf die Ausgangsversammlung nicht in einem Maße stören, dass deren Durchführung grundlegend bedroht ist. Diese Grenzen hat auch das Bundesverfassungsgericht in einer Entscheidung vom 1. Oktober noch einmal klargestellt. Ich appelliere an alle Gegendemonstranten, diese verfassungsrechtlich gesetzten Grenzen zu achten und sich unmissverständlich von möglicherweise gewaltbereiten Kreisen der linken Szene zu distanzieren. Schon jetzt danke ich der Polizei, den Katastrophenschutzbehörden und der Stadt sowie allen Beteiligten für die akribischen Vorbereitungen und die Bereitschaft zu diesem auch persönlich herausfordernden Einsatz.“

Polizeipräsident Torsten Krückemeier machte deutlich: „Unser Anspruch ist es, ebenso wie an anderen Tagen, die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger in Gießen zu gewährleisten. Niemand soll Schaden nehmen. Hierzu sind wir allerdings auf die Mithilfe und den Zusammenhalt aller angewiesen. Unsere Demokratie lebt vom Miteinander, offener Debatte, gegenseitigem Respekt und Toleranz. Wir verfügen mit unserem Grundgesetz über einen starken Gesellschaftsvertrag, der eine friedliche Grundrechtsausübung vorsieht und das Gewaltmonopol dem Staat überträgt. Daher rufe ich sie alle dazu auf, dass sie unsere Maßnahmen wie beispielsweise Absperrungen zumindest dulden. Das Überrennen von Absperrungen kann nur gewaltsam erfolgen und ich verurteile Gewalt bei Versammlungen auf das Entschiedenste. Unfriedlicher Protest widerspricht unseren demokratischen Werten, gefährdet Menschenleben und schadet unserer Gesellschaft sowie der Demokratie. Wer zu Gewalt greift verlässt den Boden unserer gemeinsamen Wertebasis, missachtet das Grundgesetz und gefährdet somit uns alle. Bitte distanzieren Sie sich als friedliche Versammlungsteilnehmende von Straftäterinnen und Straftätern.“

Das Thema bewegt die Stadt Gießen, deren Anwohnerinnen und Anwohner, Handeltreibende oder um ein Beispiel hervorzuheben die ansässigen Pflegeeinrichtungen. Hier eingehende Anfragen, an uns herangetragene Sorgen und Ängste, nehmen wir sehr ernst. Um den hohen Informationsbedarfen gerecht zu werden ist die mittelhessische Polizei proaktiv auf Gewerbetreibende der Stadt Gießen zugegangen. Fachberater der hiesigen Präventionsabteilung informierten transparent und umfassend über die Einsatzlage und die erwartbaren Beeinträchtigungen. Ferner wurden zahlreiche Informationsgespräche geführt, beispielsweise mit Seniorenzentren und Krankenhäusern.

„Die gelungene Zusammenarbeit mit der Stadt Gießen zeigt sich auch in der gemeinsamen Bearbeitung von Bürgeranfragen. Das Bürgertelefon der Stadt Gießen wird durch mittelhessische Polizeikräfte unterstützt, um ebenfalls Fragen zu polizeispezifischen Themen beantworten zu können. Wir agieren gemeinsam, um einen größtmöglichen Service anbieten zu können und die Informationsbedarfe zu bedienen“, so Polizeipräsident Krückemeier. Gegenüber den rund 90.000 Einwohnerinnen und Einwohnern von Gießen stehen wir gemeinsam mit den weiteren Sicherheitsbehörden insbesondere vor logistischen Herausforderungen. Das Freihalten von Not- und Rettungswegen hat hierbei für die Polizei eine hohe Priorität. Für Krankenhaus- und Pflegepersonal sowie Rettungskräfte muss sichergestellt sein, dass diese möglichst uneingeschränkt zu ihrer Arbeitsstätte gelangen, um die Versorgung von vulnerablen Gruppen und Menschen in Notsituationen gewährleisten zu können.

Die Polizei Hessen steht vor einem herausfordernden Wochenende und bereitet sich bereits seit Wochen auf den Einsatz vor. Dafür wurde im Polizeipräsidium Mittelhessen extra ein Vorbereitungsstab eingerichtet, um gebündelt die Planung der bevorstehende Einsatzlage zu übernehmen. Dort werden fortlaufend eingehende Erkenntnisse zentral erfasst, bewertet und gesteuert. Darunter auch die wahrnehmbaren Mobilisierungsaufrufe mit dem Ziel, die Neugründung der Jugendorganisation zu verhindern. Neben Einsatzkräften aus Mittelhessen wird das Präsidium am kommenden Wochenende durch andere hessische Polizeipräsidien und Behörden aus gesamt Hessen, anderen Ländern und dem Bund, unterstützt. Es wird eine mittlere vierstellige Zahl an Einsatzkräften aus Land und Bund in Gießen eingesetzt sein. Darüber hinaus werden über das gesamte Wochenende Einsatzkräfte des Brand- und Katastrophenschutzes, der Rettungsdienste sowie des THW beteiligt sein.

„Wir sind gut vorbereitet und haben uns im Vorfeld intensiv unter Beachtung verschiedenster Szenarien und im Austausch mit anderen Behörden für das kommende Einsatzwochenende aufgestellt. Neben der bereits erwähnten hohen Anzahl von polizeilichen Einsatzkräften werden wir zudem Dienstpferde sowie Diensthunde, Boote der Wasserschutzpolizei, Hubschrauber der Landes- und Bundespolizei sowie Drohnen einsetzen. Dazu kommen besondere Einheiten wie Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, technische Einheiten sowie Wasserwerfer und Unimogs“, führte Einsatzleiter Jürgen Fehler aus.

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Von links: Innenminister Roman Poseck, Polizeipräsident Torsten Krückemeier und Einsatzleiter Jürgen Fehler. ©HMdI

Kommentare

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5 monate vor
Puh, da freue ich mich doch jetzt schon auf einen Haufen richtig schlecht gelaunte Polizisten beim Heimspiel am Sonntag... :cry:
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Uk
5 monate vor
Die Grünen und Linken haben Demokratie einfach nicht verstanden. Mit diesen Gegendemos wird die AFD immer stärker und wenn sie bei Wahlen ignoriert wird und stattdessen so ne Patchwork Regierung wie SPDCDULINKE rauskommt,kann man sicher sein, das bei der nächsten Wahl die AFD alleine regieren wird.....Und viele dieser
"Gegendemonstranten" werden über eine NGO von unser allen Steuergeldern für ihren Marsch bezahlt. Anstatt das die CDU endlich mal macht, was sie versprochen hat VOR der Wahl! Wenn das so weitergeht, wird die AFD noch stärker, mit Hilfe von linken und grünen Steigbügelhaltern.
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Ruffty
5 monate vor
Das ist übrigens ein Phänomen was schon am Ende der Weimarer Republik zu beobachten war und durch den Historiker Golo Mann in seiner "deutschen Geschichte" bestätigt wurde: Durch ihr Agitieren in der Öffentlichkeit und ihr aggressives Auftreten hatte die politische Linke -und hier namentlich die KPD- zahlreiche Stimmen der NSDAP zukommen lassen. Aus Furcht vor Zuständen wie in Sowjetrussland haben viele bis dahin Unschlüssige ihre Stimme den späteren braunen Machthabern gegeben und nicht, weil sie die so toll fanden. Das hat Linksgrün bis heute einfach nicht begriffen. Die sind gerade dabei,durch ihre Aggression und ihre Polemik die Fehler von damals zu wiederholen.
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Hätteesgernschönhier
5 monate vor
Ja, die haben nichts verstanden.
Ich bewerte das als Treffen von Leuten, die sich kloppen wollen. Wie kann ich der Gründung einer Organisation, also einem rechtsstaatlichen Akt, auf diese Weise begegnen? Wenn jemand zur Gründung kommt, meint er das ernst und lässt sich sicherlich nicht durch Gegendemonstranten abbringen. Statt in den Parlamenten zu diskutieren und mit guter Politik gegenzusteuern, kloppen wir uns uff de Gass? Nee. Aber wer keine gute Politik kann, muss wohl zu so primitiven Mitteln greifen.
P.S. Ich lehne die AFD ab, aber von politischem Agieren verstehen hier viele nix
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Hätteesgernschönhier
5 monate vor
Stelle mir einen Weihnachtsmarktbesuch an diesem Wochenende sehr romantisch und entspannt vor. Wenigstens schützen die Poller jetzt auch vor einheimischen Verrückten.
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Anti Grün
5 monate vor
Einheimische Verrückte besaufen sich und zetteln im schlimmsten Fall eine Klopperei an.
Die fahren nicht mit einem Laster andere Einheimische zu Brei und behaupten nachher noch, sie hätten es für Gott getan.
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Markus
5 monate vor
"Wehret den blaunen Anfängen!" (frei nach Ovid)
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Proximo
5 monate vor
Zitat:
"Wehret den blaunen Anfängen!"
Markus, die Warnung kommt ein Jahrzehnt zu spät, 2015 wäre ein passender Zeitpunkt gewesen. Inzwischen haben die etablierten Parteien alles dafür getan, dass die "Blauen" prächtig wachsen und gedeihen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
Zeit für Sie mal wieder hilflos in die Tischkante zu beißen.
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11
Anti Grün
5 monate vor
Wohl eher frei nach Onan.
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8
W̷i̸n̵s̷t̵o̴n̸
5 monate vor
Die selbsternannten Superdemokraten werden natürlich wieder alles daransetzen, der AfD und jeder möglichen Nachwuchsorganisation Steine in den Weg zu legen.
Und falls die politischen Mittel nicht reichen, findet sich bestimmt noch eine demokratische Schlägertruppe der Antifa, die ganz im Namen der Demokratie lautstark – oder auch mit dem Hammer – klarstellt, was gesagt werden darf und was besser nicht.
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GERTRUD
5 monate vor
Autobahnblockade und Aufrufe, Giessen brennen zu lassen sind ganz gewiss keine friedlichen und erlaubten Demonstrationsformen. Gewaltausübung mit Ansage, Bedrohung von zivilen Mitarbeitern von Hotels und Messebetreibern, das ist kriminell, anarchistisch, Landfriedensbruch und anderes. Wenn es ernsthaft Verletzte oder Schlimmeres gibt, haben antifaunterstützende Politiker durch Ermutigung und Distanzierungsunterlassung ihren Beitrag geleistet. Ich hoffe, Einsatzkräfte und Justiz werden Konsequenz walten lassen gegen jedwede Gewalttätigkeit und Anarchie und unversehrt zurück nach Hause kommen.
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Lena-Sophie K.
5 monate vor
Die Grüne Jugend wird alles daran setzen das sich 1933 nicht wiederholt.
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Anti Grün
5 monate vor
Wenn die Grüne Jugend nicht genau wie ihr Bundesvorstand aus lauter Luftpumpen bestehen würde, müsste man das mit Hinblick auf das obgenannte Ereignis direkt als versteckte Drohung auffassen. Ein Versuch der Diffamierung ist es auf jeden Fall und zugleich eine geschmacklose Verharmlosung der hier völlig zusammenhanglosen historischen Vorgänge.
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Proximo
5 monate vor
Zitat:
Neben der bereits erwähnten hohen Anzahl von polizeilichen Einsatzkräften werden wir zudem Dienstpferde sowie Diensthunde, Boote der Wasserschutzpolizei, Hubschrauber der Landes- und Bundespolizei sowie Drohnen einsetzen. Dazu kommen besondere Einheiten wie Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, technische Einheiten sowie Wasserwerfer und Unimogs“, führte Einsatzleiter Jürgen Fehler aus.
Und dieser enorme Aufwand wegen der Neugründung einer Jugendorganisation einer zugelassenen Partei?
Da scheint es unter den selbsterklärten Toleranten doch unheimlich viele Untolerante zu geben.
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Ruffty
5 monate vor
Nicht sehr geschickt in einer linksgrünen Hochburg. Zeigt aber wiedermal deutlich, auf welcher Seite die wahren Feinde der echten Demokratie zu finden sind.
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