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Sexualisierte Gewalt Bistum Fulda: Ein Jahr nach dem Aufarbeitungsbericht

Sexualisierte Gewalt Bistum Fulda: Ein Jahr nach dem Aufarbeitungsbericht
Foto: Bistum Fulda / Burkhard Beintken

Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Abschlussberichts der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt sind im Bistum Fulda laut einer Pressemitteilung zentrale Empfehlungen in konkrete Maßnahmen überführt worden.

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"Dazu gehören die Weiterführung von Präventionsschulungen, die Einrichtung einer Fachstelle für Prävention, Intervention und Aufarbeitung sowie erste Überlegungen für ein Erinnerungsprojekt am Fuldaer Dom. Gleichzeitig wird klar: Aufarbeitung bleibt eine Aufgabe für viele weitere Jahre. Vor einem Jahr, am 17. Juni 2025, hatte die Unabhängige Kommission unter dem Vorsitz des früheren Fuldaer Oberbürgermeisters Gerhard Möller nach knapp vierjähriger Arbeit ihren Abschlussbericht vorgelegt. Er beschreibt sexualisierte Gewalt im Bistum Fulda nicht allein als Folge individueller Taten, sondern auch als Ausdruck struktureller und institutioneller Versäumnisse. Benannt wurden unter anderem Defizite in der Führungskultur, Formen des Klerikalismus, mangelnde Transparenz sowie unzureichende Kontroll- und Verantwortungsstrukturen", heißt es aus dem Bistum.

Beginn einer Veränderung

„Der Bericht hat deutlich gemacht, dass sexualisierte Gewalt nicht nur individuelles Versagen ist, sondern auch mit Strukturen, Kultur und Verantwortlichkeiten in unserer Kirche zu tun hat“, betont Bischof Dr. Michael Gerber. „Ein Jahr später können wir erste Maßnahmen benennen, die sich unmittelbar auf Empfehlungen des Berichtes beziehen. Entscheidend wird aber sein, ob daraus dauerhaft Veränderungen entstehen. Daran, wie wir mit diesem Teil unserer Geschichte umgehen und was dies für Betroffene bedeutet, werden wir uns auch künftig messen lassen müssen“, so der Bischof.

Die bisher erreichten Schritte können das erlittene Leid der Betroffenen nicht ungeschehen machen, erklärt Gerber weiter: "Sie markieren vielmehr den Beginn eines nachhaltigen Veränderungsprozesses. Das Bistum Fulda sehe sich in der Verantwortung, Aufarbeitung konsequent fortzuführen, aus den Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen und Vertrauen durch nachvollziehbares Handeln zurückzugewinnen."

Präventionsarbeit erreicht mehr als 1.600 Menschen

Prävention gehöre inzwischen vielerorts selbstverständlich zum kirchlichen Alltag: "Im Jahr 2025 wurden im Bistum Fulda 96 Präventionsschulungen durchgeführt. Insgesamt nahmen 1.638 Personen daran teil, darunter 927 Ehrenamtliche. Die Schulungen vermitteln Sensibilität für Grenzverletzungen, Machtmissbrauch und institutionelle Verantwortung. Gleichzeitig stärken sie eine Kultur der Achtsamkeit in Gemeinden, Einrichtungen und Gruppen. Während entsprechende Angebote in den Anfangsjahren teilweise noch auf Vorbehalte stießen, werden sie heute vielfach als selbstverständlicher Bestandteil kirchlichen Engagements wahrgenommen."

Schutzkonzepte weiterentwickelt

"Auch die Institutionellen Schutzkonzepte (ISK) der Pfarreien werden kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt. Hierfür wurde der Workshop „Let's go“ entwickelt, der Gemeinden bei der Reflexion ihrer Schutzmaßnahmen und ihrer Teamkultur begleitet. Die angebotenen Workshops wurden inzwischen bereits in mehreren Pfarreien erprobt. Erstmals wurden in diesem Jahr die verabschiedeten Schutzkonzepte der Pfarreien zentral erfasst und gesichert. Mit einer neuen Präventionsordnung der Deutschen Bischofskonferenz, die Ende 2026 erwartet wird, sollen die Konzepte erneut überprüft und weiterentwickelt werden", heißt es weiter aus dem Bistum.

Fachstelle bündelt Verantwortung

Mit der Einrichtung der Fachstelle Prävention, Intervention und Aufarbeitung zum 01. Oktober 2025 seien bislang getrennte Aufgabenbereiche enger miteinander vernetzt worden: "Die Fachstelle begleitet die Umsetzung der Empfehlungen der Unabhängigen Kommission, unterstützt Betroffene und Verantwortliche in Aufarbeitungsprozessen, bearbeitet Anträgen zur Anerkennung des Leids und begleitet Betroffenen und Beschuldigte in diesem Prozess und berät Kirchengemeinden bei der Weiterentwicklung ihrer Präventionsmaßnahmen."

Erinnerungsprojekt gestartet

"Neben der konkreten Aufarbeitung vor Ort gewinnt auch die Entwicklung einer dauerhaften Erinnerungskultur in Fulda an Kontur. Eine interdisziplinär besetzte Arbeitsgruppe hat ihre Arbeit aufgenommen. Ihr gehören ein Vertreter der Betroffenen, ein Vertreter des Domkapitels und die Referentinnen für Aufarbeitung an. Darüber hinaus stehen Bischof und Fuldas Oberbürgermeister im Austausch dem Ziel, dass auch seitens der Stadt ein Mitglied für diese Arbeitsgruppe benannt wird. Die Gruppe entwickelt Vorschläge für einen würdigen Erinnerungsort und beschäftigt sich zugleich mit einer differenzierten Auseinandersetzung mit den Bischofsgräbern im Fuldaer Dom."

Langfristige Aufgabe

"Die seit dem Abschlussbericht angestoßenen Maßnahmen sind kein abgeschlossener Prozess. Zahlreiche Empfehlungen der Unabhängigen Kommission befinden sich weiterhin in der Umsetzung oder bedürfen einer langfristigen Weiterentwicklung", heißt es abschließend aus dem Bistum.

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