Durch die Impulse von Dr. habil. Thorsten Gromes (PRIF) und Prof. Dr. Armina Omerika (Goethe Universität Frankfurt am Main) haben die teilnehmenden Polizistinnen und Polizisten historische und gegenwärtige Einblicke in die Entstehungsgründe sowie die bis heute wirkenden politischen Konsequenzen des Jugoslawienkriege erhalten. In dem von der Kommunikationswissenschaftlerin Merima Dzaferovic; moderierten abschließenden Podiumsgespräch, konnten die akademischen Impulse weiter vertieft werden. Gleichermaßen konnte durch die Ausführungen von Advija Ibrahimovic, einer Zeitzeugin und Überlebenden von Srbrenica, verdeutlicht werden, wie wichtig Erinnerungskultur für die kollektive und persönliche Aufarbeitung wichtig ist.
Marco Weller, Leiter der Abteilung Einsatz des Polizeipräsidiums Südosthessen, machte darauf aufmerksam, dass für die polizeiliche Arbeit zwei Wissensebenen relevant sind. Einerseits ist Wissen um die vergangenen Geschehnisse wichtig, um auch die polizeilichen Kontexte zu verstehen, sie einzuordnen und zielgerichtet handeln zu können. Andererseits sei es essentiell zu akzeptieren, dass Menschen sehr unterschiedliche Geschichten mit sich tragen, die auch ihre Entscheidungen beeinflussen. Die Veranstaltung setzte ein deutliches Zeichen für historische Sensibilisierung, demokratiefördernde Bildung und eine vertrauensstiftende Zusammenarbeit mit vielfältigen Communities im eigenen Dienstbezirk.
Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien bleibt eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte. Mehr als 8.000 muslimische Bosnier wurden im Juli 1995 in Srebrenica ermordet. Viele Menschen, die heute in Deutschland leben, tragen die Auswirkungen dieser Gewalt bis heute in sich. Sei es durch Fluchterfahrungen, familiäre Verluste, Traumatisierungen oder Identitätsfragen.
Auch im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen spielen diese Erfahrungen eine Rolle. Allein in Offenbach stammen viele Menschen aus Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. Konflikterfahrungen und psychische Belastungen sind im Alltag häufig unsichtbar - wirken jedoch in zwischenmenschlichen Begegnungen, Motivlagen und Konflikten fort. Die Polizei begegnet diesen Menschen täglich und setzt daher verstärkt auf historisches Wissen, Empathie und Sensibilität. Der Fachtag soll Polizistinnen und Polizisten dabei unterstützen, die Lebensrealitäten von Bürgerinnen und Bürgern mit Bezug zum ehemaligen Jugoslawien besser zu verstehen. Ein solches Verständnis ist essenziell für deeskalierendes, bürgernahes und kultursensibles polizeiliches Handeln. Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte Südosteuropas ein wichtiger Bestandteil einer modernen Erinnerungskultur und trägt zur politischen Bildung innerhalb der Polizei bei.
Die Jugoslawienkriege zeigen exemplarisch, wie gesellschaftliche Spannungen eskalieren können, wenn Zusammenhalt verloren geht. Vor dem Hintergrund aktueller europäischer Herausforderungen - etwa des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine - betont der Fachtag die Bedeutung demokratischer Werte, internationaler Kooperation und einer resilienten Sicherheitsarchitektur. Damit unterstützt die Veranstaltung zentrale Ziele der "Resilienten Polizei"-Strategie des Landes Hessen.
Die Referentinnen und Referenten im Austausch (von links): Marco Weller, Advija Ibrahimovic, Dr. habil.Thorsten Gromes, Prof. Dr. Armina Omerika u. Merima Dzaferovic.
Von links: Marco Weller (Leiter der Abteilung Einsatz), Dr. habil. Thorsten Gromes, Prof. Dr. Armina Omerika, Advija Ibrahimovic, Merima Dzaferovic u. Erdogan Karakaya.
Frau Rogalski (Leiterin des Abteilungsstabes) begrüßt die Gäste.
Marco Weller und Advija Ibrahimovic im Gespräch mit dem Publikum.
Von links: Erdogan Karakaya, Merima Dzaferovic, Dr. habil.Thorsten Gromes, Advija Ibrahimovic, Prof. Dr. Armina Omerika u. Claudia Rogalski.
Text: Regierungsrat Erdogan Karakaya / Fotos: Polizeihauptkommissar Jan Henninger (Polizeipräsidium Südosthessen)







