TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Landrat Erich Pipa in anonymen Briefen bedroht

Landrat Erich Pipa in anonymen Briefen bedroht

„Kanaken-Landrat“ und „stinkende Ratte“: Landrat Erich Pipa wird in zwei in den vergangenen Wochen in der Kreisverwaltung eingegangen Briefen wegen der Aufnahme von Flüchtlingen im Main-Kinzig-Kreis und der Erweiterung der Erstaufnahmeeinrichtung „Hof Reith“ in Schlüchtern massiv beleidigt und bedroht. Ganz konkret wird in einem ihm am Donnerstag dieser Woche vorgelegten Schreiben angekündigt, dass ihn bei der Veranstaltung „M-net Kinzigtal Total“ am Sonntag jemand „aus dem Weg“ räumen könnte.

pipadrohungpipadrohung1pipadrohung2pipadrohung3pipadrohung4Pipa will trotz dieser Hass-Briefe, die von einer bislang nicht bekannten „Initiative Heimatschutz Kinzigtal“ unterzeichnet sind, wie geplant alle Termine am Radlersonntag wahrnehmen. Die Polizei kündigte an, für einen ausreichenden Schutz des Landrates zu sorgen.

Nicht einschüchtern lassen und weiter offensiv für die bereits praktizierte Aufnahme von Flüchtlingen eintreten, so lautete 24 Stunden nach Erhalt der konkreten Bedrohung die Reaktion von Pipa, kurz innehalten habe er aber dennoch müssen: „Nachdem mich meine Sekretärin am Donnerstag um kurz vor 12 Uhr über das zweite Schreiben informiert hat, habe ich eine halbe Stunde überlegt, aber dann war ich wieder der Alte“, sei dann der Entschluss gefallen, noch vor „Kinzigtal Total“ die anonymen Briefe öffentlich zu machen. Strafanzeige wurde inzwischen erstattet, Gespräche über mögliche Schutzmaßnahmen mit der Polizei haben stattgefunden. „Das ist alles auch neu für mich“, machte der Landrat allerdings in einer am Freitag anberaumten Pressekonferenz den Eindruck, als sei ihm das Engagement der Polizei, den Absender der Briefe zu ermitteln, noch nicht groß genug.

Was mit den Schreiben ausgedrückt werden soll, hält er unterdessen für eindeutig: „Wir können jederzeit Jemanden in der Besucherschar platzieren, der dich aus dem Weg räumt“, zitiert er die Passage, die er als Morddrohung auffasst. Und dennoch richtet er seine Worte ganz gezielt an den oder die Absender: „Ich möchte ihr Gesicht gesehen, ich möchte mit ihnen darüber reden. Im Main-Kinzig-Kreis werden Auseinandersetzungen nicht in dieser Form durchgeführt mit Drohungen und Ankündigungen, dass da irgendwas bei der Eröffnung am Sonntag passiert.“ Doch der 67-Jährige geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich möchte die Person provozieren, zu kommen. Vielleicht macht sie ja einen Fehler“, werden solche Aussagen bei der Polizei allerdings auf nicht besonders viel Verständnis stoßen.

Pressesprecher Christoph Bosecker vom Polizeipräsidium Südosthessen machte zum derzeitigen Ermittlungsstand erwartungsgemäß keine Angaben, bestätigte allerdings den Eingang der Strafanzeige und die Kontaktaufnahme mit dem Landrat. „Sollte es eine ernsthafte Bedrohung zum Nachteil des Landrates geben, wird die Polizei in der Lage sein, seinen Schutz zu gewährleisten“, lässt diese Aussage zumindest darauf schließen, dass erweiterte Schutzmaßnahmen für Pipa am Sonntag geplant sind. Die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und der Kreisbeigeordnete Matthias Zach, die demonstrativ bei der Pressekonferenz an der Seite von Pipa saßen, haben ihm geraten, Polizeischutz in Anspruch zu nehmen.

Der Landrat kündigte unterdessen an, sich am „Radlersonntag“ nicht einschränken zu wollen und bewusst den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen. „Ich werde die Veranstaltung auf jeden Fall eröffnen“, ist er fest davon überzeugt, dass die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger im Kreisgebiet nicht nur bei seiner Flüchtlingspolitik, sondern auch beim Kampf gegen derartige Attacken an seiner Seite steht. Pipa: „Ich wende mich an die 99,9 Prozent der anständigen Bürger im Main-Kinzig-Kreis, für anonyme Bedrohungen und Beschimpfungen darf es keinen Raum geben.“

Landrat Erich Pipa in anonymen Briefen bedroht
Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis