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Keiler Bier

Nicht zuschauen, anpacken ist angesagt

Nicht zuschauen, anpacken ist angesagt

Nicht geschimpft ist Lob genug! Über diesen Satz wird sich oft lustig gemacht, oder die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, weil Lob und Anerkennung doch essentiell seien und es für den Empfänger eine Bestätigung seines Tuns ist.

Harth & Schneider

Der Begriff Lob, im Duden als anerkennend geäußerte, positive Beurteilung, die jemand einem Anderen, seinem Tun, Verhalten oder Ähnlichem zuteilwerden lässt, wird meist als Gegenpol zum Tadel gesehen, der eine missbilligende Äußerung, die sich auf Jemandes Tun bzw. Unterlassen bezieht, ist.

Nach dem Satz ist also Schweigen angesagt. Wo bleibt dabei aber die Wertschätzung und der Respekt? Respekt und Wertschätzung sind in allen Lebenslagen wichtige zwischenmenschliche Faktoren, ohne die ein friedvolles Miteinander und Nebeneinander auf Dauer nicht funktionieren kann. Egal, ob in Familie, Beruf, Verein, Freundschaft oder sonst wo in unserer Gesellschaft. Ja, für sich selber wird beides gerne allzu schnell eingefordert. Anderen das Gleiche wiederum zu geben, fällt so manchem doch etwas schwer. Und das ist der Stoff, aus dem Konflikte entstehen.

Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Eine Kernaussage, die sich in all unsere Hirne einbrennen sollte. Manchem sollte man es auf die Stirn schreiben. Spott und Hohn, im übertriebenen Lobesgesang oder der überlaute Sarkasmus über einen Fehler eines anderen, werden viel zu oft in unserer Gesellschaft eingesetzt und toleriert. Ihr Ziel ist es, andere lächerlich zu machen und sie gesellschaftlich zu ächten. Nichts Gutes. Nur um einer anderen Person zu schaden. Dabei gleichzeitig Respekt und Wertschätzung für sich einfordern. Dass das nicht funktionieren kann, leuchtet eigentlich jedem ein, außer dem Betroffenen natürlich. Auf ihn und den Geschädigten kommt es aber an. Der eine muss sich für sein Handeln verantworten und entschuldigen und der andere muss verzeihen können. Beides leichter gesagt als getan.

In unserer Gesellschaft wird allzu leicht und viel zu schnell kritisiert. Da kann ein Mensch 9 Sachen hintereinander gut bewältigen und bei der 10. versagt er und macht einen Fehler. Anstatt ihn für neun gelungene Taten zu loben, wir er wegen einem Fehler getadelt und der Lächerlichkeit Preis gegeben. Im Kern geht es darum, dass wir uns nicht auf Kosten anderer profilieren sollen. Dass das nicht richtig ist, leuchtet einer großen Mehrheit ein. Sehr, sehr wenige stellen sich leider dagegen. Daran müssen wir arbeiten, dass sich das im Bewusstsein von uns allen ändert beziehungsweise verändert.

Die Kirche könnte so ein Ort sein, in dem solche Probleme aufgearbeitet werden könnten. Sie ist leider scheinbar mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit beschäftigt. Schaut lieber zu, wie ihr die Mitglieder abhandenkommen. Auch die Medien und wir selbst, unser Staat, bekleckern sich nicht mit Ruhm. Allesamt behaupten, sie hätten zurzeit besseres und wichtigeres zu tun. Die Nummer zieht immer. Multitaskingfähige Menschen bräuchten wir mehr an den Schalthebeln der Macht. Nicht zuschauen, anpacken ist angesagt, von allen! Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (70) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: helmut.mueller@vorsprung-online.de

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Kommentare

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Josef Mistetzky
3 jahre vor
Bravo, das Wesentlich klar erkannt und niedergeschrieben. "Im Kern geht es darum, dass wir uns nicht auf Kosten anderer profilieren sollen." Dem kann man doch nur zustimmen. Auch dass es nicht so leicht ist sachlich und lösungsorientiert zu bleiben, besonders wenn Profilneurotiker Fakten außer Acht lassen, sich am Gewohnten festklammern und mit allen Mitteln versuchen Ideen, Alternativen und Ergänzungen lächerlich zu machen um sich dann selbst als Besserwisser hervorzuheben. Wenn zigmal ein und die selbe Wiederholung längst widerlegter Sprüche kommt, dann ist selbst die ausgeglichenste Seele nahe dran, ungehalten zu werden. Klar kann man, wie wir hier in Niederdorfelden auf eigene Kosten 13 Meter Gehweg herstellen, wenn die Gemeinde dies in über 40 Jahren nicht schafft, aber dies als Dauerzustand ärgert. Ablaufbremsen im Feldbach habe ich angeboten zu finanzieren, um das Grundwasser am Sinken zu hindern, Ergebnis ein ablehndendes Lächeln und PV auf weiteren kommunalen Dächern, "nein"
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