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Fernwärme-Fiasko in Großkrotzenburg: Ein Wegducken hilft nicht mehr

Fernwärme-Fiasko  in Großkrotzenburg: Ein Wegducken hilft nicht mehr

Zur Fernwärme-Debatte in Großkrotzenburg meldet sich erneut der ehemalige Bürgermeister Klaus Reuter zu Wort.

"Das Fernwärmeprojekt in Großkrotzenburg sollte einst als Vorzeigeprojekt für eine moderne und nachhaltige Energieversorgung präsentiert werden. Heute ist davon wenig übriggeblieben. Stattdessen stehen eine insolvente Betreibergesellschaft, Millionenverluste und ein politisches Schweigen im Raum, das viele Bürgerinnen und Bürger zu Recht irritiert.

Mit der Insolvenz der Wärme Energie Großkrotzenburg GmbH im März 2025 ist ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, der nach derzeitigen Informationen zwischen vier und sieben Millionen Euro liegen könnte. Für die Kunden der Fernwärme ist das ein Vorgang von erheblicher Tragweite. Diese Summen müssen mit Zinsaufwendungen durch höhere Gebühren  der Fernwärmenutzung zurückbezahlt werden. Die Verluste sind durch Fehlentscheidungen, Fehlplanungen und unfähige Verantwortungsträger entstanden!

Umso bemerkenswerter ist das nahezu vollständige Schweigen der politisch Verantwortlichen. Weder eine umfassende öffentliche Erklärung noch eine offene politische Debatte sind bislang erkennbar. Gerade jetzt, wenige Tage vor der Kommunalwahl, wäre jedoch genau das notwendig. Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es zu einer solchen dramatischen wirtschaftlichen Schieflage kommen konnte.

Stattdessen entsteht der Eindruck, dass dieses Thema möglichst geräuschlos über den Wahltermin hinweggetragen werden soll. Doch demokratische Verantwortung funktioniert nicht nach dem Prinzip 'Augen zu und durch bis nach der Wahl'.

Die zentralen Fragen liegen längst auf dem Tisch: Wurden vor Beginn des Projekts belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnungen erstellt? Welche Risiken wurden tatsächlich bewertet? Gab es Warnsignale im Verlauf des Projekts und wenn ja, wer hat darauf reagiert oder eben nicht reagiert? Und welche Informationen lagen den politischen Vertretern in den Aufsichtsgremien zu welchem Zeitpunkt vor?

Wer als kommunaler Mandatsträger in Aufsichtsgremien kommunaler Unternehmen sitzt, trägt Verantwortung – nicht nur formal, sondern auch politisch. Diese Verantwortung endet nicht mit einer Sitzung oder einem Protokoll. Sie beinhaltet auch die Pflicht, gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft abzulegen.

Wenn ein Projekt dieser Größenordnung wirtschaftlich scheitert, kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Dann braucht es Aufklärung, Transparenz und gegebenenfalls auch Konsequenzen. Alles andere würde das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die kommunalen Institutionen weiter beschädigen. Das Fernwärmeprojekt war als Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung gedacht. Heute ist es ein Beispiel dafür, wie mangelnde Transparenz und politisches Wegducken ein Problem noch größer machen können.

Großkrotzenburg braucht jetzt keine Beschwichtigungen, sondern Ehrlichkeit. Unsere Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf vollständige Aufklärung vor der Wahl, nicht erst danach."

Klaus Reuter
Bürgermeister a. D. der Gemeinde Großkrotzenburg

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Kommentare

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Hups
2 monate vor
Privatdiebe fesselt man auf Lebenszeit im Kerker, öffentliche Diebe gehen in Gold und Purpur.
Marcus Porcius Cato, der Ältere (Cato Censorius) (234 - 149 v. Chr.), römischer Staatsmann

Quelle: Gellius, Attische Nächte (Noctes Atticae), um 170 n. Chr. XI. Buch, Cap. 18: Ein merkwürdiger Ausspruch des M. Cato
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Dr. Gerhard Stehlik
2 monate vor
Wegducken, klein reden, das Wichtige weglassen, hilft nichts.

Das Fernwarme-Fiasko kostet die BUrger vor Ort viel Geld und ist auch anteilig selbst verschuldet durch inkompetente lokale Politik.

Reuter macht bei dieser Inkompetenz keine Ausnahme. Das kann leicht erkannt werden, weil er in seinem Beitrag das Zentralelement "Klima" nicht erwahnl.

Das GroBkrotzenburger "Vorzeigeprojekt" diente nicht nur für eine "moderne und nachhaltige Energieversorgung", sondern war vor allem als Klima-Rettungsbeitrag konzipierl. Und dieses C02-Konzept war nicht nur vor Ort mit Mehrheit akzeptiert, sondern eben auch regional, national, europaisch und transatlantisch, in den westlichen ("Alt"-Parteien-) Demokratien.

Die C02-Religion ist der H6he- und zugleich der Kipppunkt der neuen "grUnen" Weltreligion.

Nur in USA gab es seit der Ara von Ronald Reagan Widerstand (Suchbegriff: Oregon Petition). Dieser wuchs und wuchs und erreicht nun mit Donald Trump den vollständigen und endgültigen Durchbruch (Suchbegriff: Physiknobelpreisträger Dr. John Clauser).

Nach wie vor Gas und Kohle in Großkrotzenburg zu verbrennen und die Verbrennung ständig ein und aus zu schalten und nicht andauernd als Grundlast zu betreiben und damit auch die Abwärme zu nutzen, ist einfach nur kollektiv hirnrissig.
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Kaplosche
2 monate vor
Der Leserbriefschreiber bringt es doch selbst auf den Punkt. Poltiker sind Polktiker geworden, weil keine Stelle als Zitronenfalter frei war.

Leider gibt es keine persönliche Haftung für diese unqualifizierte Klientel. Weiterstadt müsste sonst erweitert werden.

Das Geld ist futsch, erhöht die Müllgebühren, die Grundsteuer.. das Übliche halt. Friedhof geht auch gut, die meckern und wählen nicht mehr.

Und kauft Euch gleich ne von allen anderen Steuerzahlern subventionierte Wärmebumbe.
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