"Unsere zentrale Frage ist doch: Wollen wir weiterhin in unserer Energieversorgung von Trump, Putin und der Golfregion abhängig sein? Das Thema Stromexport und -import, basierend auf dem Europäischen Strommarkt, wird in Deutschland oft emotional diskutiert. Ein Versuch zum sachlichen Verstehen.
Stromexport und -import in Deutschland
Deutschland ist seit vielen Jahren Netto-Stromexporteur, auch wenn es zeitweise Strom importiert. Das klingt widersprüchlich, ist aber normal in einem europäischen Verbundnetz.
Warum importieren wir trotzdem Strom?
- Wenn er im Ausland kurzfristig günstiger ist (z. B. viel Wasserkraft in Norwegen).
- Wenn in Deutschland gerade wenig Wind/Sonne verfügbar ist.
- Für Netzstabilität im europäischen Strommarkt.
Warum exportieren wir Strom?
- Bei viel Wind- oder Solarstrom entsteht zeitweise Überschuss.
- Deutsche Kraftwerke produzieren günstiger als Nachbarländer.
- Der europäische Markt gleicht Angebot und Nachfrage über Ländergrenzen aus.
Anteil erneuerbarer Energien
Deutschland erzeugt inzwischen deutlich über 50 % seines Stroms aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Biomasse, Wasserkraft).
Ist regenerativer Strom „zu teuer“?
Das kommt auf die Perspektive an:
Erzeugungskosten
- Neue Wind- und Solaranlagen gehören heute zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung.
- Sie haben sehr niedrige laufende Kosten (kein Brennstoff).
Systemkosten
Teurer wird es durch:
- Netzausbau
- Speichertechnologien
- Reservekraftwerke für Dunkelflauten
Strompreis für Verbraucher
Der Endpreis setzt sich zusammen aus:
- Erzeugung
- Netzentgelten
- Steuern & Abgaben
- Umlagen
Der hohe Strompreis in Deutschland lag zuletzt vor allem an:
- Gaspreiskrise
- Steuern & Netzentgelten
- Marktmechanismen im europäischen Stromhandel
Nicht primär an den erneuerbaren Energien selbst.
Importierte vs. „nicht importierte“ Energieträger
Wichtig ist die Unterscheidung:
- Erneuerbare Energiequellen (Wind, Sonne) sind heimisch verfügbar.
- Fossile Energieträger (Gas, Kohle, Öl) mussten und müssen größtenteils importiert werden.
Mehr erneuerbare Energien bedeuten:
- Mehr Energieunabhängigkeit
- Weniger geopolitische Abhängigkeit
- Stabilere langfristige Kosten
Fazit
- Deutschland produziert inzwischen mehrheitlich sauberen Strom.
- Stromimporte sind normal im EU-Verbundnetz.
- Erneuerbare Energien sind heute in der Erzeugung meist günstig.
- Die Herausforderung liegt weniger in „zu teurem Ökostrom“, sondern in Netz, Speichern und Marktmechanismen.
Wie setzt sich der Strompreis konkret zusammen?
Der Strompreis für Haushalte besteht aus vier Hauptbestandteilen:
1. Stromerzeugung & Vertrieb
2. Netzentgelte
3. Steuern
4. Umlagen & Abgaben
Je nach Jahr schwanken die Anteile etwas, aber typischerweise sieht die Verteilung ungefähr so aus:
Stromerzeugung & Vertrieb (~30–40 %)
Das ist der eigentliche „Einkaufspreis“ des Stroms am Markt.
Dazu gehören:
- Kosten für Kraftwerke (Wind, Solar, Gas, Kohle)
- Handel an der Strombörse
- Gewinnmarge des Anbieters
Dieser Teil schwankt stark – z. B. während der Gaskrise 2022 stieg er deutlich.
Wichtig:
Erneuerbare Energien haben keine Brennstoffkosten, deshalb sind sie an der Börse oft günstig.
Netzentgelte (~20–30 %)
Das sind Gebühren für:
- Übertragungsnetze (Hochspannung)
- Verteilnetze (lokale Stromleitungen)
- Wartung & Ausbau
Warum steigen diese?
- Mehr Windparks im Norden → Strom muss in den Süden transportiert werden
- Netzausbau für Energiewende
- Digitalisierung der Netze
Dieser Anteil ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen.
Steuern (~15 %)
Vor allem:
- Stromsteuer
- Mehrwertsteuer (19 % auf alles)
Die Mehrwertsteuer wirkt „doppelt“, weil sie auch auf Netzentgelte und andere Abgaben erhoben wird.
Umlagen & Abgaben (~10–20 %)
Früher war hier die EEG-Umlage sehr hoch.
Die wurde 2022 abgeschafft – die Förderung erneuerbarer Energien läuft jetzt über den Bundeshaushalt.
Weitere Posten:
- Konzessionsabgabe (für Nutzung öffentlicher Wege)
- Offshore-Netzumlage
- KWKG-Umlage (Kraft-Wärme-Kopplung)
Beispielhafte Verteilung (vereinfacht)
Bei einem Strompreis von z. B. 40 Cent pro kWh könnte das ungefähr so aussehen:
- 14 ct → Erzeugung & Vertrieb
- 10 ct → Netzentgelte
- 6 ct → Stromsteuer + Mehrwertsteuer
- 5 ct → Umlagen & Abgaben
- Rest → weitere kleine Posten
(Das schwankt je nach Region und Jahr.)
Was treibt den Preis wirklich?
Kurz gesagt:
- Börsenpreise → stark abhängig vom Gaspreis
- Netzausbau → struktureller Kostentreiber
- Steuern & staatliche Abgaben → politisch steuerbar
Nicht korrekt wäre:
„Der hohe Strompreis kommt hauptsächlich vom Ökostrom.“
Tatsächlich sind neue Wind- und Solaranlagen heute die günstigsten und saubersten Erzeuger.
Warum bestimmt Gas häufig den Strompreis?
In Europa gilt das sogenannte „Merit-Order-Prinzip“.
Vereinfacht:
- Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten sortiert.
- Die teuerste noch benötigte Anlage bestimmt den Börsenpreis für alle.
Wenn also an einem Abend:
- Wind + Solar nicht reichen
- Kohle ebenfalls nicht genügt
- und ein Gaskraftwerk zugeschaltet wird,
dann setzt das Gaskraftwerk den Preis für den gesamten Strommarkt.
Warum gerade Gas?
- flexibel & schnell regelbar
- wichtig bei Dunkelflauten
- oft das letzte benötigte Kraftwerk
Während der Gaskrise 2022 führte das zu extrem hohen Strompreisen.
Was ist das Merit-Order-Prinzip genau?
Im europäischen Strommarkt (z. B. an der Börse der European Energy Exchange) werden Kraftwerke nach ihren Grenzkosten sortiert:
1. Wind & Solar (nahe 0 € Brennstoffkosten)
2. Kernenergie & Braunkohle
3. Steinkohle
4. Gas (meist teuerstes Kraftwerk)
Das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle.
Das sorgt dafür, dass immer zuerst die günstigsten Anlagen laufen – ökonomisch effizient, aber politisch umstritten.
Kann man das ändern?
Ja – technisch und rechtlich möglich.
Aber: Es hätte weitreichende Folgen.
Auf EU-Ebene (z. B. bei der European Commission) wird seit 2022 intensiv darüber diskutiert.
Mögliche Alternativen
Getrennte Märkte (z. B. Erneuerbare vs. Fossile)
Idee:
- Erneuerbare bekommen festen Preis (z. B. via Differenzverträge)
- Fossile laufen in separatem Markt
Vorteil:
- Gaspreis beeinflusst nicht mehr alles
- Mehr Preisstabilität
Nachteil:
- Weniger Markttransparenz
- Komplexe Regulierung
- Gefahr von Fehlanreizen
Kapazitätsmarkt
Kraftwerke werden nicht nur für Stromproduktion bezahlt, sondern auch dafür, dass sie bereitstehen.
Vorteil:
- Versorgungssicherheit wird abgesichert
- Weniger extreme Preisspitzen
Nachteil:
- Zusätzliche Kosten für Verbraucher
- Staat greift stärker in Markt ein
Langfristige staatliche Preisverträge (CfD)
Staat garantiert z. B. Windparks einen festen Preis.
Liegt der Marktpreis höher → Betreiber zahlt zurück.
Liegt er niedriger → Staat gleicht aus.
Wird in Deutschland bereits genutzt.
Vorteil:
- Investitionssicherheit
- Stabilere Preise
Nachteil:
- Staat trägt Marktrisiko
- Finanzierung über Steuern
Warum wird Merit Order trotzdem verteidigt?
Das bestehende System hat klare Vorteile:
- Höchste Effizienz
- Transparenter Markt
- Günstigste Anlagen werden automatisch zuerst genutzt
- Europaweit integrierter Wettbewerb
Ökonomen argumentieren:
Das Problem war nicht das System selbst, sondern der extreme Gaspreisschock.
Risiken einer Abschaffung
Wenn man das System stark verändert:
- Investoren könnten verunsichert werden
- Stromhandel zwischen EU-Ländern würde komplizierter
- Bürokratie würde steigen
- Politische Preisfestlegung statt Marktpreis
Ein falsches Design könnte am Ende sogar teurer werden.
Realistische Entwicklung
Wahrscheinlich ist keine komplette Abschaffung, sondern:
- Mehr langfristige Verträge für Erneuerbare
- Begrenzung extremer Preisspitzen
- Eventuell ergänzende Kapazitätsmärkte
- Reform, aber kein Systembruch
Fazit
Ja, man kann das Merit-Order-Prinzip ändern.
Aber:
- Es ist kein „Fehler“, sondern ein Marktmechanismus.
- Das eigentliche Problem sind fossile Preisschocks.
- Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien verliert Gas automatisch an Bedeutung"
Ernst Gottschalk
Brachttal
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Aber, dann frieren die Ozeane endlich wieder zu, die Gletscher wachsen.
Danke
PS. Berechnen Sie mal die CO2 Menge, die alleine im Gestein der Alpen gebunden ist. Wer das wohl damals emittiert, resorbiert hat? CO2 ist und war Teil unserer Erde. Egal wie Sie es rechnen. Erst die Photosynthese hat daraus ein Klimagas namens Sauerstoff erst erzeugt. Dieses Gas ist allerdings für manche Lebewesen sogar toxisxh gewesen. Gigantische Mengen an Eisen wurden in den Ozeanen ausgefällt. Nennt man heute Rohstoff.
Und jetzt kommen Sie. Panta rei.
Stoffwechselprozesse in unserer Biosphäre sind im Wesentlichen Kreislaufprozesse, die den CO2-Gehalt der Atmosphäre im Jahresmittel nicht signifikant beeinflussen.
Zitat:... nachschauen, wie viel Tonnen CO2 z.b. eine einzige Fichte in 100 Jahren speichert.
Kann man herunterrechnen und schauen, dass CO2 nicht für "Jahrhunderte" herumschwirrt.
Aber, das haben sie sicher gewusst, nur vergessen zu erwähnen.
Soll ich helfen?