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"teos" sind Teil der unternehmerischen Freiheit

"teos" sind Teil der unternehmerischen Freiheit

Die Schließung der teo-Märkte an Sonn- und Feiertagen kommentiert VORSPRUNG-Leser Julian Aponte in seinem Leserbrief.

"Seit einigen Tagen wird über ein Urteil des VGH Hessen berichtet, dass es tegut in Hessen verbietet seine vollautomatisierten Verkaufsstellen „Teo“ an Sonn- und Feiertagen zu betreiben. Hauptargument der Richter war hierbei war die Wahrung von Sonn- und Feiertagen als Ruhezeiten.

Die Begründung der Wahrung als Ruhezeit wirkt doch eher absurd, wenn man bedenkt, dass die 'Teos' keine Veranstaltung sind, die die Ruhe anderer in irgendeiner Weise stören. Von Störung der Anwohner durch Lärm abgesehen, aber diese sind standortabhängig und bei der Genehmigung der Aufstellung bereits separat zu prüfen. Wenn es um die Wahrung der Ruhezeit geht, wären an dieser Stelle nicht andere Dinge zu überprüfen? Wie sieht es mit der Gastronomie, den Geschäften mit Sonntagsarbeit an Bahnhöfen, Veranstaltungen wie Konzerten, Fußballspielen, Museen und sonstigen Angeboten aus? Freizeitangebote für die einen bedeuten in einer Vielzahl von Fällen bereits, dass andere Arbeitnehmer arbeiten müssen. Das statistische Bundesamt hat für 2022 festgestellt, dass 20,7% der Selbstständigen und 8,4% der Arbeitnehmer sonntags arbeiten. (Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/wochenendarbeitl.html) Somit kann in der Gesamtbetrachtung nicht davon geredet werden, dass es hier um den Schutz der Ruhezeit geht. Die Ausnahmen begrenzen sich mittlerweile längst nicht mehr auf die „notwendigen“ Ausnahmen wie Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr. Wenn es also um die Ruhezeiten im Allgemeinen geht, dann müssen wir eine Grundsatzdebatte führen und nicht über „Teos“.

Ein vielfach angeführtes Argument, dass es in der Vergangenheit auch ohne Einrichtungen wie 'Teos' funktioniert hat, ist jedenfalls kein rechtfertigendes Argument für ein Verbot der Öffnung an Sonn- und Feiertagen. Die Zeiten schreiten voran und machen auch vor dem Einzelhandel nicht halt. Wenn die Nachfrage mittlerweile auch an Sonn- und Feiertagen besteht und es eine Möglichkeit gibt diese, ohne Arbeit zu diesen Zeiten, zu gewährleisten, dann sollte der Gesetzgeber hier nicht eingreifen. Jedenfalls nicht, wenn andere nicht systemrelevante Veranstaltungen stattfinden dürfen. Inwiefern stört ein Konzert, die Gastronomie oder ein Fußballspiel die Ruhezeit denn weniger als ein vollautomatisierter „Teo“?

Abgesehen davon haben sich auch die Rahmenbedingungen der Gesellschaft verändert. Es gibt immer mehr Menschen, die nicht den klassischen „nine to five“ Job haben und somit von den 'Teos' profitieren. Noch absurder wird es dann, wenn die 'Teos' z.B. in Gelnhausen ein paar hundert Meter weiter am Bahnhof aufgestellt weiterbetrieben werden dürfen.

Zusätzlich scheinen die „Teos“ nur dann wirtschaftlich betrieben werden zu können, wenn diese nicht an die Ladenschlussgesetze gebunden sind. Somit würden einige kleine Ortschaften diese Einkaufsmöglichkeit wohl vollständig verlieren. Jedenfalls legt das die Kommunikation von tegut nahe. Insbesondere alte, gebrechliche oder Menschen ohne Auto werden somit darunter leiden müssen. Eine Vorstellung wie früher, dass sich Mitmenschen um diese Personen kümmern können ist sicher wünschenswert, aber die Realität zeigt, dass dem nicht (immer) so ist.

Das ebenfalls vertretene Argument, dass die Teos dem Lebensmitteleinzelhandel schaden und kleine Geschäfte somit darunter leiden lässt sich für mich auch nicht nachvollziehen: Im Jahr 2022 betrug der Marktanteil der großen Lebensmitteinzelhändler (Rewe Gruppe, Edeka Gruppe, Aldi Gruppe und Schwarz Gruppe) beherrschende 76%. (Quelle: https://lebensmittelpraxis.de/top-30-unternehmen-im-leh.html) In Anbetracht des eingeschränkten Sortiments und der im branchenvergleich hohen Preise, wird in „Teos“ kaum jemand seinen Großeinkauf erledigen. Viel mehr werden hier einzelne Waren des täglichen Bedarfs nachgekauft.

Als weiteres Argument werden die angeblich durch „Teos“ gefährdeten Arbeitsplätze genannt. Hierbei wird jedoch vergessen, dass auch im konventionellen Supermärkten immer mehr SB-Kassen Einzug halten. Auch wenn diese aktuell noch eher zurückhaltend genutzt werden, so werden auf lange Sicht viele dieser Arbeitsplätze auch ohne 'Teos' wegfallen. Sollte man sich nicht eher Gedanken darum machen, wie man diesen Strukturwandel sozialverträglich gestalten kann, anstatt zu versuchen diese Arbeitsplätze künstlich am Leben zu erhalten? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Automatisierung immer durchsetzt, wenn diese wirtschaftlich ist und vom Kunden angenommen wird. Außerdem kann jeder für sich selbst entscheiden, ob man das Angebot nutzt oder bevorzugt in konventionelle Supermärkten einkauft.

Zu guter Letzt wird tegut dafür kritisiert, dass diese mit den „Teos“ ausschließlich ihren Gewinn steigern wollen. Natürlich ist tegut darauf aus! Das ist das Prinzip unseres Wirtschaftssystems. Warum sollte das auch gesetzlich beschränkt werden, wenn niemand darunter leidet? Tegut war an dieser Stelle innovativ und mutig, somit sehe ich hier keinen Grund, weshalb tegut nicht auch davon profitieren sollte? Es gibt hierbei doch nur Gewinner: Tegut ist erfolgreich und jeder kann etwas kaufen, in dem Moment, indem er es benötigt. Wobei es doch vermutlich auch Verlierer gibt: Die Unternehmen, die keine Innovation bringen und Mut zeigen. Dies sollte doch meiner Ansicht nach so sein: Innovative Unternehmen, die einen Mehrwert bieten profitieren. Das ist der Grundgedanke hinter jedem wirtschaftlichem Wettbewerb.

Zum Schluss dieses Leserbriefs möchte ich dazu sagen, dass ich darauf hoffe, dass die hessische Regierungen hier die Gesetzeslage so anpasst, dass 'Teos' (oder natürlich vergleichbare Angebote) in Zukunft wieder an Sonn- und Feiertagen betrieben werden dürfen. Die Vorbehalte einzelner sollten hier nicht dafür sorgen, dass alle anderen darunter leiden müssen. Ein passender Spruch hierzu ist: 'Die Freiheit des einen hört dort auf, wo die Freiheit des anderen anfängt'. Da hier niemand zu Sonntagsarbeit veranlasst oder zum Einkauf im 'Teo' gezwungen wird, sind 'Teos' ein Teil der unternehmerischen Freiheit von tegut und der persönlichen Freiheit jeder Person, die dieses Angebot nutzen möchte."

Julian Aponte
Gelnhausen

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Kommentare

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A.S.
2 jahre vor
"Vorbehalte einzelner"
Es gibt wie fasst immer zu einem Ereignis zwei wenn nicht sogar mehrere Meinungen.
Dazu hat jeder das recht sich zu äußern. Das soll auch so bleiben.
Wenn man seine Meinung kundtut, bestärkt mit guten Argumenten, dann greift man zu Fakten, die einem plausibel erscheinen.
Wenn man sich dann nicht explizit auf fundierte, statistisch untermauerte Werte stützen kann, läuft man Gefahr Werte einzubringen die Spekulation vermuten lassen.
"Vorbehalte einzelner" erscheint mir solch eine zu sein.
Um seiner Meinung Nachdruck zu verleihen greift man dann schon mal gerne zu Annahmen. Da nehme ich mich nicht heraus.

In vielen Fällen ist auch ein gemeinsamer Nenner nicht zu finden. Dann bleibt es eben bei verschiedenen Auffassungen.

Zum Thema Zeitgeist: Im Moment so scheint es mir versucht man mit einer zum Teil rasanten Geschwindigkeit unser Leben zu optimieren. Der Zeitgeist macht uns zu seinen Sklaven. Sehr oft wird nicht hinterfragt sondern billigend hingenommen.
Muss ja gut sein es machen doch "scheinbar" alle!
Nur ob es am Ende jedem gut tut ist fraglich.
Natürlich kann man nur zu einer für viele sinnhafte Lösung gelangen wenn man Dinge ausprobiert.
Und vor allem diskutiert.
So allgemein gefragt: Wenn eine Optimierung einhergeht das man den Menschen durch Technik ersetzt dann sollte man sich die Frage stellen, zu wessen Wohl?
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Julian Aponte
2 jahre vor
Also ich habe ja bereits zwei Quellen genannt mit konkreten Zahlen. Bezüglich der Formulierung "Vorbehalte einzelner" ist das natürlich Auslegungssache. Da mir hier keine empirischen Daten vorliegen und im Rahmen eines Leserbriefs wohl auch nicht zuzumuten ist, dass man hier eigene Daten erhebt, habe ich diese Formulierung gewählt. Sicherlich wäre hier für eine sachliche Debatte eine andere Formulierung angebrachter gewesen.
Sicherlich wird man keinen gemeinsamen Nenner für alle finden, aber hier sehe ich es so, dass solange keine unmittelbaren Nachteile für andere entstehen sollte hierbei nach dem Mehrheitsprinzip entschieden werden. Wie die Mehrheiten hier liegen weiß ich nicht, unabhängig davon sollte man bei jeder Ausrichtung dann auch die gleichen Maßstäbe für alle Fälle anwenden.

Zum Thema Zeitgeist: Den Ausführungen kann ich nur zustimmen, aber ich denke damit stößt man eine viel größere und andere Debatte an, die jetzt nicht unmittelbar mit der Schließung an Sonn- und Ruhetagen zu tun hat.
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Walter Wähler
2 jahre vor
Zu Zeiten vom Joh war die Straße eine belebte Einkaufsstraße. Jetzt soll ein Lebensmittelcontainer die Rettung sein. So tief sind die Erwartungen gesunken. Das Engagement für den Teo überrascht. Landauf- Landab schließen Arztpraxen, ohne daß die Bevölkerung daran Anteil nimmt. Die sonntägliche Schließung eines Lebensmittelcontainers läßt die Emotionen hochkochen. Gewiß wäre der Teo für viele Ortslagen eine Erleichterung.

Grundsätzlich bleibt die Frage, warum die Dorfläden verschwunden sind. Das kann nicht am Einkaufsverhalten der dörflichen Bevölkerung liegen, denn der Bedarf nach Nahversorgung steigt demografisch kontinuierlich an. Wer sich um alte gebrechliche Menschen sorgt, wird sie nicht mit einem Container abspeisen wollen. Die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel müssen wieder so geändert werden, daß sich der Handel für die Betreiber lohnt.

Die Ereiferung für den Teo verkennt, daß das Wochende auf einem anderen Sektor viel mehr Einschränkungen beinhaltet. Wer das Pech hatte zwischen Feiertagen oder am Wochenende krank zu werden, weiß was gemeint ist. Ganz übel ist Krankheit zwischen den Jahren.

Gleichwohl sind die Sonntage, die Feiertage ein hohes Gut, das nicht leichtfertig aufgegeben werden sollte. Die Umwandlung des Sonntags zum Werktag bedeutet nicht nur neue Möglichkeiten sondern auch neue Einschränkungen. Die sonntägliche Ruhe wird nicht nur dem werktäglichen Dauerbetrieb geopfert. Sonntagszuschläge, Feiertagszuschläge haben keine Berechtigung mehr. Der Blick in Länder, wo der Sonntag ein normaler Einkaufstag ist, zeigt die Nachteile - nicht nur für Beschäftigte, auch für Konsumenten. Letztlich ist jeder Konsument auch Beschäftigter, von Sozialhilfe abgesehen.
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Julian Aponte
2 jahre vor
Ich befasse mich gerade ausführlich mit dem Thema nicht, weil ich es für die ultimative Lösung vieler Probleme halte, sondern viel mehr, weil hier einer einfachen unkomplizierten Lösung Steine in den Weg gelegt werden. Sicher gäbe es besser Möglichkeiten um die Situation für viele Menschen zu verbessern, aber diese Möglichkeit bestand schon und konnte sofort wirken. Im Gegensatz dazu würden politische Maßnahmen vermutlich mehrere Jahre bis zur Verabschiedung und wahrscheinlich nochmals mehrere Jahre bis zu Umsetzung dauern.

Zur Frage wie man mit Sonn- und Feiertagen umgehen sollen habe ich mich bewusst nicht geäußert. Ich finde nur, dass man eine klare Linie durchziehen sollte. Wenn der Sonntag wirklich ein Ruhetag sein soll, dann sollten auch nur die absolut notwendigen Berufe arbeiten und keine Gastronomie, kommerziellen Sport-/ und Freizeitanlagen, keine Konzerte und auch keine Profisport. Bei all diesen Dingen arbeiten viele Menschen, denen die freie Zeit dann nicht zur Verfügung steht. Wobei ich selbst dann nicht sehe wieso ein Teo schließen soll, aber ein Zigarettenautomaten, Getränkeautomaten usw nicht. Der einzige Unterschied ist die Möglichkeit des Zutritts und Gebäude betreten ist auch an Feiertagen wohl unkritisch.
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Walter Wähler
2 jahre vor
Die Übertreibung, die Sie als "klare Linie durchziehen wollen" wird zum Bumerang. Dadurch wird sich VGH bestätigt sehen. Denn genauso wie Sie ein Verbot aller Veranstaltungen anführen, könnte man die im Lebensmittelgeschäfte an allen Wochentagen öffnen. In genügend Ländern ist das der Fall. Wenn der Landtag für den Teo eine Gesetzesänderung beschließen kann, sollte das für andere Geschäfte auch kein Problem sein.
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Julian Aponte
2 jahre vor
Ja das ist ja genau meine Aussage. Der VGH hat lediglich seine Interpretation des Gesetzes angewendet. Ich denke weniger, dass es hier eine juristischen Lösung bedarf als mehr einer politischen Lösung.
Wenn sich eine Mehrheit für Sonntage als strikte Ruhetage findet, dann sollte das auch unabhängig von meiner persönlichen Meinung umgesetzt werden. Dann aber bitte mit gleichen Regeln für alle. Ob man jetzt sagt generell keine kommerziellen Angebote Sonntags oder "nur" keine mit Personaleinsatz ist dann wiederum eine politische Frage, die demokratisch entschieden werden muss. Eine meiner Meinung nach willkürliche Handhabung wie aktuell finde ich nur schädlich in Bezug auf Gleichbehandlung, Rechtssicherheit und auch Akzeptanz in der Bevölkerung.
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Proximo
2 jahre vor
Ein Leserbrief, bei dem ich jede Zeile unterschreiben könnte, frei jeglicher Ideologie und mit stichhaltigen Argumenten begründet.

*Daumen-hoch*
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