"'Es muss sich sehr, sehr viel ändern', gibt erzürnt noch vor den Parteitag der CDU Sachsens Ministerpäsident seiner Partei und vor allem dem Kanzler mit auf den Weg. Und meint damit das schleppende Reformtempo der Koalition beziehungsweise deren Fesselung durch die SPD, 'die jetzt auf keinen Fall in den Modus des Klassenkampfse zurückfallen dürfe'. Der Klassenkampf der SPD ist seit Ermordung von Karl Liebknecht und endgültig nach dem Parteitag von Bad Godesberg 1959 beendet, das ist allgemein bekannt und hat mit der SPD schon lange nichts mehr zu tun. Das weiß auch Herr Kretschmer, macht sich aber gut vor Wahlen. 'Wir müssen die Arbeitskosten senken', so seine Botschaft, das kann man nur mit Hilfe höherer Produktivität oder mit der Absenkung des Lohn- und Sozialkosten. Die Produktivität ist bereits weitgehen ausgeschöpft (Automatisierung, Robotereinsatz, KI), es bleibt die Abschmelzung des Mindestlohnes und Verschiebung der anteiligen Sozialkosten auf den Lohnarbeiter.
Unbestritten haben wir zur Zeit die bisher am weitesten geöffnete Schere zwischen extremen Reichtum der Vermögenden und ebenfalls der in der Relation stärksten Verarmung breiter Schichten der Bevölkerung. Und kaum Aufstiegschancen in Sichtweite. Eine erhebliche Gefahr für Demokratie auf dem Boden von Gerechtigkeit (siehe der Aufstieg der AfD). Ändern lässt sich dieser Prozess vor allem dadurch, dass die großen Vermögen (in der Mehrzahl durch Erbschaft) höher besteuert werden. Derzeit gibt es gerade für Superreiche eine Menge Schlupflöcher, ihre Steuern auf bis zu Null zu reduzieren. Die Wirtschaftsmacht der Reichen schlägt immer auch politisch durch. Lobbyarbeit und Klientelpolitik sind in Deutschland besonders ausgeprägt. Warum gehen aber Wahlen dennoch für die Konservativen immer noch glimpflich aus? Auch die Medieninhaber sind Unternehmer. Merz fragt eigentlich öfter mal 'Ist das alles wirklich richtig?' Nein, eigentlich nicht."
Jörg Sternberg
Hanau
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Kommentare
Zitat: "Reichtum der Vermögenden"
Ja, den gab es schon immer und den gibt es auch heute noch. Nur wenn jemand von Null anfangend zum reichsten Mann der Welt wird, wie z.B. Bill Gates, das ist damit auch ein Segen für die Menschheit verbunden. Und vergleichbare Lebensläufe gibt es unzählige.
Das Sozialsystem der westlichen Demokratien hat kein Problem der Verteilung von Reichtum, sondern von Geldverschwendung an Nichtsnutze an Schreibtischen und auf sogenannten "Sitzen".
Die reichsten Reichen sind heute die "Finanzverwalter" der Sozialkassen z.B. der USA, Australiens oder Schwedens.
Die Naturwissenschaft lehrt immer noch, je mehr wir wissen, um so mehr wissen wird nicht. Und mit diesem Nicht-Wissen wird die Menschheit immer noch permanent "hinter die Fichte geführt".
Geht nicht irgendwann sogar dem Autor seine immer gleiche Lamentation auf den Wecker?
Kann er einmal eine andere Schallplatte (mit einem anderen Thema als Klassenkampf) auflegen?