Begleitet wurde sie von ihrer Tochter Frau Schwarz, die sie im Gespräch unterstützte. Schulleiterin Frau Thor eröffnete die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass Geschichte „nicht nur in Büchern stattfindet, sondern in Biografien und Stimmen, die von Mut, Verlust und Überleben erzählen“.
Im Anschluss betonte Frau Schumann, Vorsitzende des Fachbereichs Gesellschaftslehre, die besondere Bedeutung des Gesprächs im Kontext der vorausgegangenen Projekttage. Die Schülerinnen und Schüler hätten sich intensiv mit realen Biografien jüdischer Kinder aus Maintal auseinandergesetzt – die Begegnung mit Eva Szepesi gebe diesen historischen Recherchen nun eine zusätzliche persönliche Dimension und ermögliche es, die gewonnenen Erkenntnisse mit einer gelebten Geschichte in Beziehung zu setzen.
Musikalisch begleitet wurde der Auftakt von Patryk (8. Jahrgang) am E-Piano. Unter den Gästen befanden sich unter anderem Herr und Frau Begemann vom Verein Brüder-Schönfeld-Forum e.V. Herr Begemann unterstützte die Projektarbeit maßgeblich mit historischem Material und fachlicher Expertise.
Szepesi berichtete von ihrer glücklichen Kindheit in Budapest, die mit den antisemitischen Gesetzen ab 1938 jäh endete. Sie durfte nicht mehr ins Schwimmbad oder zum Sport, verlor Freundschaften und wurde in der Schule ausgegrenzt. Schließlich wurde sie von ihrer Mutter getrennt und in verschiedenen Familien versteckt, zuletzt bei zwei jüdischen Frauen, die sie liebevoll ihre „Märchenschwestern“ nennt.
Nach der Verhaftung aller drei kam sie über das Sammellager Sered nach Auschwitz-Birkenau. Dort war sie erst zwölf Jahre alt. Nur weil sie auf den Rat einer Aufseherin behauptete, 16 zu sein, wurde sie als arbeitsfähig eingestuft und überlebte. Sie erhielt die Nummer A-26877. Hunger, Kälte und Gewalt bestimmten ihren Alltag. Bei der Räumung des Lagers war sie so geschwächt, dass sie zurückgelassen wurde – ein Umstand, der ihr das Leben rettete. Am 27. Januar 1945 wurde sie befreit.
Nach sieben Monaten in der Obhut einer Hilfsorganisation lebte sie bei ihrem Onkel, dessen Schwester und Ehefrau ebenfalls überlebt hatten. Nach ihrer Rückkehr wurde jedoch kaum über das Erlebte gesprochen. Bereits am nächsten Tag musste sie wieder zur Schule gehen, und über ihre Erfahrungen aus der Zeit der Verfolgung herrschte weiterhin Stille. Viele Jahrzehnte lang sprach sie nicht über ihre Geschichte.
Die Schülerinnen und Schüler stellten zahlreiche Fragen zu Ausgrenzung, Deportation, Lageralltag, Befreiung und den seelischen Folgen. Szepesi beantwortete sie offen – unterstützt von ihrer Tochter. Im Anschluss besuchten beide die Ausstellung des 10. Jahrgangs, die während der Projekttage entstanden war.
Die Jugendlichen hatten anhand von Originalquellen – etwa Transportlisten, Aktenausschnitten oder historischen Fotos – die Lebenswege jüdischer Kinder aus Maintal rekonstruiert und daraus fünf thematische Stationen gestaltet: Kindheit, Ausgrenzung, NS-Bürokratie, Deportation/Flucht/Euthanasie und Erinnerung heute. Großformatige Biografieposter und sorgfältig zusammengestellte Dokumententafeln machten nachvollziehbar, wie die Lebenswege dieser Kinder verlaufen waren und welche Spuren die NS-Verfolgung hinterließ.
"Eva Szepesi und Frau Schwarz nahmen sich Zeit für die Ausstellung und zeigten sich beeindruckt von der gründlichen und respektvollen Arbeit der Schülerinnen und Schüler. Das Zeitzeugengespräch hinterließ einen tiefen Eindruck. Für die Schule war es ein Tag, der deutlich machte, wie wichtig lebendige Erinnerung bleibt – besonders in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung", heißt es abschließend aus der Schule.





