Dass es auch mutig ist, noch unbekannte Jugendliche in das eigene Heim einzuladen, sich um sie zu kümmern, dafür zu sorgen, dass sie sich wohlfühlen und dabei die sprachlichen Barrieren zu meistern, wird niemand bestreiten. Dass es auch manchmal anstrengend ist, und hilfreiche Impulse von Eltern oder Geschwistern braucht, um eine „steife“ Situation wieder aufzulockern, kann man sich auch vorstellen. Auch als Gast in der Austauschfamilie bedarf es Empathie und genauem Beobachten, um die dortigen Regeln und Traditionen wahrzunehmen und respektvoll „mitzuspielen“.
Und dennoch ist ein Schüleraustausch in der Fremdsprache die Königsdisziplin nach etwas mehr als zwei Jahren Sprachunterricht in der Klasse, sich die „echte Begegnung“ mit Jugendlichen zuzutrauen und seine Sprachkenntnisse auszuprobieren. Dabei kommt es endlich nicht darauf an, ob jedes französische Verb richtig konjugiert ist, oder das spanische Adjektiv passend angeglichen wird. Auch gibt es keinen Rotstift, keine Note – es geht nur darum, sich gegenseitig zu verstehen, sich verständlich zu machen. Der Austauschpartner, die Austauschpartnerin kennt die Unsicherheiten und Nöte eines vielleicht noch unsicheren Sprachenlerners selbst zu gut, um nicht großzügig die Fehler zu überhören. Bei Absprache kann man sich gegenseitig korrigieren – sofern die beiden dies möchten - Lernen in Frankreich, in Spanien ohne Eingreifen von Lehrern, aber mit allen Emotionen, die dazu gehören und das Lernen befördern. Auch die begleitenden Lehrerinnen freuen sich darüber –Gelerntes erlaubt nun echte Begegnungen, gemeinsame Erfahrungen, grenzübergreifenden Austausch und nicht zuletzt persönliches Wachstum und Reifen.
Die langjährigen Schulpartnerschaften mit Lyon (Frankreich) und Reus (Spanien) ermöglichen den Schülern und Schülerinnen des Albert-Einstein-Gymnasiums seit Jahren ganz im Sinne des europäischen Gedankens respektvolle Begegnungen auf Augenhöhe. Völlig abseits von Kommerz und Verträgen öffnen sich junge Menschen gegenseitig die Türen – eine zutiefst menschliche Geste -und zeigen sich die Besonderheiten ihrer Regionen und ihres Landes.
34 aufgeschlossene Schüler und Schülerinnen aus dem 9. Jahrgang haben sich dieses Schuljahr als Gastgeber, Gastgeberinnen und respektvolle Gäste in französischen und spanischen Familien in Lyon und Reus bewährt und dabei am meisten gewonnen.




