Die Option HU haben sie allerdings nicht; ein Umstand, den auch der Main-Kinzig-Kreis kritisiert, weshalb er schon seit 2013 im Kontakt zum Verkehrsministerium in Wiesbaden steht und auf eine Anpassung dringt. „Wir unterstützen den Wunsch einiger Bürgerinnen und Bürger, frei über ihr Kennzeichenkürzel auf dem Nummernschild entscheiden zu können. Wir wollen diese Wahlmöglichkeit auch erreichen, und zwar für alle Fahrzeughalter, inner- und außerhalb Hanaus, mit allen gültigen und vorherigen Kennzeichen des Kreisgebiets. Um es kurz zu machen: Wir wollen eine Vier-Kennzeichen-Lösung für alle im Main-Kinzig-Kreis“, erklären Landrat Erich Pipa, Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und Kreisbeigeordneter Matthias Zach in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Der Main-Kinzig-Kreis hält in diesem Zusammenhang einen Beschluss des Hanauer Magistrats vom Montag (9.3.), der Verwendung des Autokennzeichens HU im Main-Kinzig-Kreis zuzustimmen, für einen Schritt in die richtige Richtung. Allerdings ziele der Kreis auf eine größere Lösung, in der jeder Bürger überall auswählen könne, also von Maintal über Hanau und Gelnhausen bis nach Sinntal. „Wir sind uns in dem Thema mit der Stadt Hanau grundsätzlich einig. Wenn es also nach uns ginge, würden wir schon morgen an allen Zulassungsstellen alle vier Kennzeichen zur Verfügung stellen. Aber das geht nicht ohne das Okay aus Berlin“, heißt es in der Mitteilung der Kreisspitze. HU sei im Gegensatz zu GN und SLÜ kein „Altkennzeichen“, sondern das gültige Kürzel für den eigenen Zulassungsbezirk Hanau – das bedeute einen größeren gesetzgeberischen Aufwand, wie das hessische Verkehrsministerium gegenüber dem Kreis auf dessen Anfragen hin mehrfach schriftlich bekräftigt habe.
Die Entscheidungen treffe der Bund, offizieller Antragsteller sei das Land Hessen, erklären Pipa, Simmler und Zach. Die kommunale Ebene könne allenfalls Vorschläge machen, und das habe sie auch getan. Vor über einem Jahr bereits hat die zuständige Verkehrsbehörde des Kreises einen Lösungsweg unterbreitet, der in Wiesbaden derzeit noch geprüft wird, bevor er an das Verkehrsministerium in Berlin weitergeleitet wird. „In der Zwischenzeit hat es mehrere Briefwechsel und informelle Gespräche gegeben, auch auf Staatssekretärsebene beim Bundesverkehrsministerium. Wir mussten leider feststellen, dass unsere Initiative in Wiesbaden und Berlin nicht überall gleichermaßen unterstützt wird. Gleichwohl versuchen wir weiter auf verschiedenen Ebenen, die Umsetzung unseres Antrags zu beschleunigen“, teilen Pipa, Simmler und Zach mit. Laut einer Nachricht aus Wiesbaden dauere die Prüfung des Kreis-Vorschlags noch einige Wochen an.
Der Vorschlag des Main-Kinzig-Kreises aus dem Jahr 2013 sieht Folgendes vor:
Ø aus den derzeit zwei Zulassungsbezirken Hanau und Main-Kinzig wird nur noch ein einziger; schon jetzt betreut der Main-Kinzig-Kreis auch die Hanauer Zulassungsstelle, nach der Änderung könnte die Zuständigkeit komplett auf den Kreis übergehen; an der Struktur, dem Service und den Öffnungszeiten der Zulassungsstellen würde sich nichts ändern;
Ø HU wird als weiteres „richtiges“ Kennzeichen – nicht als Altkennzeichen – neben MKK für den gesamten Kreis anerkannt;
Ø die Kraftfahrzeugzulassungsverordnung wird an entsprechender Stelle ergänzt.
Bis diese Änderungen gesetzlich vorbereitet, verabschiedet und in Kraft getreten sind, wird es noch eine längere Zeit dauern, schätzt das zuständige Amt für öffentliche Sicherheit, Ordnung, Migration und Integration des Main-Kinzig-Kreises. „Möglicherweise können wir über eine Ausnahmegenehmigung aber schon früher HU flächendeckend ausgeben“, so die Kreisspitze, die in einer weiteren Initiative das Land Hessen auffordert, kurzfristige Lösungen zu beantragen.
„Es ist ein gutes Signal aus Hanau, dass Stadt und Kreis bei dem Thema Kfz-Kennzeichen auf einer Wellenlänge liegen. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für die Vier-Kennzeichen-Lösung stark machen, erhöhen wir den Druck auf die Landesregierung. Wir wollen die gleiche Wahlfreiheit für alle herstellen, also auch für Hanauer, die aus dem Raum Gelnhausen und Schlüchtern in die Brüder-Grimm-Stadt gezogen sind und ihr neues Fahrzeug mit GN, SLÜ oder MKK bestücken möchten“, erklärt die Kreisspitze. Der Kreisausschuss werde in seiner nächsten Sitzung kommende Woche über weitere Aktionen diskutieren, um den öffentlichen Druck in dieser Angelegenheit zu erhöhen.


