TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Leben und Sterben zweier Sterbfritzer Soldaten

Leben und Sterben zweier Sterbfritzer Soldaten

„Ihr Bericht über das Schicksal unserer Sterbfritzer Gefallenen und ihre letzten Ruhestätten überall in Europa hat uns tief bewegt“.

Mit diesen Worten brachte Willi Merx, Vorsitzender des Dorfvereins „Starwetz lebt“, die Stimmungslage des Publikums auf den Punkt und die Reaktionen auf die Präsentation des wissenschaftlichen Mitarbeiters des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dr. Götz Hartmann. Eingeladen hatte der Verein zu der Veranstaltung „Deutsche Kriegsgräberstätten in Europa. Soldaten aus Sterbfritz und ihre Gräber“ in das Evangelische Gemeindehaus.

Der Kreis der Zuhörerrinnen und Zuhörer aus Sterbfritz und der Region blieb überschaubar, aber „ihr Interesse und ihre Anteilnahme am Thema waren so stark ausgeprägt, wie wir das selten erleben“, resümierte Willi Merx. Eine besondere atmosphärische Wirkung erhielt die Veranstaltung zudem durch eine großflächige ständig ins Auge fallende Plakatwand, auf der alle Sterbfritzer Soldaten, die allein in den letzten Kriegsmonaten 1945 sind gefallen sind, mit ihren biographischen Daten präsentiert wurden.

Am Leben und Sterben zweier Sterbfritzer Soldaten zeichnete der Referent beispielhaft das Schicksal der im Ersten Weltkrieg über 50 und im Zweiten Weltkrieg über 90 Gefallenen der Gemeinde nach: Zum einen an dem Bäckersohn Emmanuel Schuster aus dem Haus in der Brückenauer Straße 21, der als kaiserlicher Ulan an der Westfront 1917 sein Leben verlor und auf dem Friedhof Moulin-sous-Touvent in Nordfrankreich ruht.

Zum anderen an Karl Weigand aus dem Haus Brückenauer Straße 17, der als Gefreiter 1942 in Schlacht bei Rschew vor Moskau fiel, mit 80 000 gefallenen und 200 000 verwundeten deutschen Soldaten eine der blutigsten im Zweiten Weltkrieg, und auf dem Soldatenfriedhof – früher „Heldenfriedhof“ - Dubikano seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Die Familie Weigand hat der Krieg besonders hart heimgesucht: Ihr Sohn Adam, war ein halbes Jahr zuvor bei Barowski in Rußland gefallen. Seit seiner Gründung vor über einhundert Jahren obliegt es dem Volksbund Kriegstote zu finden, sie zu bergen, sie würdig zu bestatten und ihre Gräber zu pflegen.

Mancher Gast war überrascht, als der Referent Zahlen der Kriegstoten und ihre Ruhestätten nannte: So betreut der Volksbund im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von über 2,8 Millionen Kriegstoten im Ausland auf mehr als 830 Kriegsgräberstätten in 45 Ländern. Darüber hinaus begleitet der Volksbund im Inland wissenschaftlich beratend rund 12000 Kriegsgräberstätten, darunter den „Ehrenfriedhof“ in Schlüchtern, für deren Pflege nach dem Kriegsgräbergesetz jedoch die Kommunen zuständig sind. Noch heute, 85 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, ist der Volksbund unvermindert tätig mit der Wahrnehmung seiner zentralen Aufgaben. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Bergung der Toten der im Osten aus den noch häufig vereinzelt liegenden Gräbern oder aus kleinen Grablagen und die Umbettung der Toten in würdig gepflegte große Kriegsgräberstätten. An diesen Arbeiten wirken häufig ehrenamtlich Jugendliche mit sowie Soldaten der Bundeswehr. Seine Arbeit finanziert der Volksbund zum überwiegenden Teil aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

krigsgraebsterb az

krigsgraebsterb az1

krigsgraebsterb az2

Text: Ernst Müller Marschhausen
Bilder: Dorfverein

Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis