TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

„Caritas trifft Politik“: Vielfältiger Handlungsbedarf am Lebensende

„Caritas trifft Politik“: Vielfältiger Handlungsbedarf am Lebensende
Moderiert von Carsten Ullrich diskutierten der erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann, Bundestagsabgeordneter Jörg Cezanne (die Linke), Landtagsabgeordneter Max Schad (CDU), der Vizepräsident des Hessischen Landtags René Rock (FDP), Landtagsabgeordnete Kathrin Anders (Bündnis 90 / die Grünen) und die Vizepräsidentin des Hessischen Landtags Dr. Daniela Sommer (SPD) die Frage "Wie wollen wir sterben? Wie werden wir sterben?".

„Wie wollen wir sterben? Wie werden wir sterben?“ – mit dieser Frage beschäftigten sich rund 100 Gäste bei der diesjährigen Podiumsveranstaltung Caritas trifft Politik im Schloss Langenselbold.

Eingeladen hatte der Caritas-Verband für den Main-Kinzig-Kreis, um die Strukturen der Hospiz- und Palliativversorgung in den Fokus der öffentlichen Debatte zu rücken.

Emotionaler Auftakt

Ein eigens produzierter Film stimmte die Anwesenden ein. In eindrucksvollen Bildern zeigte er Erfahrungen und Schicksale am Lebensende und machte deutlich: Sterben betrifft alle – und würdiges Sterben ist keine Selbstverständlichkeit.

Fachliche Einordnung

Annette Böhmer-Seeliger, Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Hospizdienst, machte deutlich, dass die Bedingungen am Lebensende sehr unterschiedlich sind. Während Hospize eine qualitativ hochwertige Versorgung leisten, sterben die meisten Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern oder zu Hause – häufig unter schwierigen Umständen. Sie nannte Probleme wie überlastetes Pflegepersonal, fehlende Hausärzte, die Palliativpatienten zu Hause besuchen, sowie die Überforderung von Angehörigen. „Diese Symptome sind unaufschiebbar und unaushaltbar – für Patienten wie für ihre Familien“, so Böhmer-Seeliger. Sie betonte, dass ehrenamtliches Engagement unverzichtbar sei, aber kein Ersatz für professionelle Strukturen.

Positive Beispiele

Susanne Simmler (SPD), Direktorin des Landeswohlfahrtverbandes Hessen, verwies auf das „Expertenteam Palliative Pflege“ in den Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises. Dieses Modell habe nachweislich dazu geführt, dass Krankenhauseinweisungen in den letzten Lebenstagen deutlich zurückgingen – eine spürbare Entlastung auch für das Gesundheitssystem.

Der erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann (SPD) lenkte den Blick auf die Zukunft. Bedingt durch den demografischen Wandel werde die Zahl pflegebedürftiger Menschen in den kommenden Jahren deutlich steigen. „Schon heute zeigt der Pflegebedarfsplan, dass die bestehenden Strukturen allein nicht ausreichen werden“, so Hofmann.

Hochkarätige Politikerrunde

Hofmann brachte seine Expertise für den Main-Kinzig-Kreis auch in der anschließenden Podiumsrunde ein. Diese war in diesem Jahr erneut hochkarätig besetzt: Mit René Rock (FDP) und Dr. Daniela Sommer (SPD) nahmen gleich zwei Vizepräsident*innen des Hessischen Landtags teil. Außerdem stellten sich die Landtagsabgeordneten Max Schad (CDU) und Kathrin Anders (Grüne) sowie der Bundestagsabgeordnete Jörg Cezanne (Linke) den Fragen von Moderator Carsten Ullrich.

In der Debatte wurde deutlich, dass Hospiz- und Palliativversorgung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. René Rock sprach offen über persönliche Erfahrungen aus seiner Familie und machte klar, dass unzureichende Strukturen alle Menschen betreffen können – auch Politiker. Daniela Sommer betonte die Bedeutung einer parteiübergreifenden Zusammenarbeit: „Dieses Thema können wir nur gemeinsam sinnvoll angehen.“ Kathrin Anders hob regionale Versorgungslücken hervor, und Jörg Cezanne verwies auf die wachsende Zahl von Menschen, die am Lebensende ohne familiäre Begleitung sind. Max Schad blickte außerdem auf den schon jetzt großen Fachkräftemangel im Bereich Pflege, der die Lösung der Versorgungsprobleme auch weiter zu einer großen Herausforderung machen werde. Aus dem Publikum kamen zudem Impulse: eine bessere Verankerung palliativer Inhalte in der Ausbildung von Pflegekräften sowie mehr Aufklärung der Bevölkerung über bestehende Unterstützungsangebote.

Fazit

Am Ende der Diskussion überreichte Annette Böhmer-Seeliger den Politiker*innen einen „Handschmeichler“ mit dem eingravierten Wort Zuversicht. Er soll daran erinnern, dass die Diskussion nicht beim Abend enden darf, sondern konkrete politische Schritte folgen müssen. Die Gäste gingen nachdenklich, aber bestärkt nach Hause – mit der Gewissheit, dass das Thema „Sterben und würdige Begleitung“ künftig stärker in den öffentlichen Fokus rücken muss.

lebensendepolcaritas az1

Moderiert von Carsten Ullrich diskutierten der erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann, Bundestagsabgeordneter Jörg Cezanne (die Linke), Landtagsabgeordneter Max Schad (CDU), der Vizepräsident des Hessischen Landtags René Rock (FDP), Landtagsabgeordnete Kathrin Anders (Bündnis 90 / die Grünen) und die Vizepräsidentin des Hessischen Landtags Dr. Daniela Sommer (SPD) die Frage "Wie wollen wir sterben? Wie werden wir sterben?". 

lebensendepolcaritas az

Von links: Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann, der Vorsitzende des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis Ludwig Borowik, AGH-Leiterin Annette Böhmer-Seeliger, Moderator Carsten Ullrich, die Landtagsabgeordneten Max Schad und Kathrin Anders, Bundestagsabgeordneter Jörg Cezanne, der Vizepräsident des Hessischen Landtags René Rock, der stellvertretende Vorsitzende des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis Jochen Honikel, die Vizepräsidentin des Hessischen Landtags Dr. Daniela Sommer, der Regionalleiter des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis Rainer Broßmann und die Landesdirektorin des Landeswohlfahrtverbandes Hessen, Susanne Simmler freuen sich über eine gute Diskussion zu einem wichtigen Thema. 

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de

Kommentare

1
A.S.
8 monate vor
Hochkarätige Politikerrunde?
Bis dato hat man einer schleichenden Destabilisierung im Bereich Pflege mit offenen Augen zugesehen! Wissend das die Schieflage bereits bedrohlich ist, sieht man durch das Problem hindurch.
Wie man sieht haben zurückliegende Bekundungen einer hochkarätigen Politik in diesem Sektor mehr als versagt. Da helfen auch keine erneuerte Bekundungen.

Fazit!
Es bleibt alles wie es ist, nur noch schlimmer.

So nebenbei:
Der oder die eine oder andere, sollte sich einmal ein Pflegepersonalkittelchen anziehen und in der Palliativpflege oder im mobilen Pflegedienst mitarbeiten, nur um einmal zu sehen wie auch diejenigen die das ALLES am Leben erhalten auf der letzten Rille laufen.
(Gemeint ist nicht die geschönte Version für Politiker und Entscheidungsträger, denen man eine polierte Version vorspielt, die Tatsache sieht anders aus)!

Bekundungen, es mangele letztlich nur an einer intensivierten Informationspolitik, zeigt das man im politischen Lager wie so oft die Augen schließt und an der Realität vorbei agiert.
Da helfen auch keine schönen Zusammenkünfte im nostalgischen Ambiente.
Neben einer Palliativarbeit die dem Menschen eine angemessene letzte Zeit verschafft ist ein "Leben" mit Würde und Respekt gleichzusetzen.
Besonders denjenigen gegenüber, die sich "vor Ort" darum bemühen, all das umzusetzen.
Der eine oder andere sollte der Realität ins Auge sehen und weniger in Schlosspalais gut Mine zum desaströsen Spiel machen.
Gefällt mir 2 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
2
am end
8 monate vor
am end stirbsde beim Flaschensammeln so wies ausschaut :D
Gefällt mir 4 Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Kommentar melden
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis