Impftempo im MKK zieht an, Statistik hinkt hinterher

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Am 23. März sind die ersten Patientinnen und Patienten im Kreisgebiet durch Hausärztinnen und Hausärzte geimpft worden. Mit 46 Arztpraxen hatte der Main-Kinzig-Kreis hier früher als in den meisten anderen Regionen bundesweit damit begonnen, die Corona-Impfaktion in die Fläche zu bringen, parallel zum Betrieb der Impfzentren in Gelnhausen und Hanau. Mittlerweile sind mehrere tausend Vakzindosen in den Praxen verimpft worden; insgesamt hat der Main-Kinzig-Kreis bis in diese Woche hinein über 9.300 Impfdosen ausgeliefert.

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Zu den Adressaten zählen auch Dialysezentren und Rehaeinrichtungen. „Wir konnten damit das Impftempo noch einmal kräftig erhöhen. Wichtig war uns aber auch zu erkennen, wo mögliche Probleme liegen und wo wir als Landkreis nachsteuern können“, erklärt Landrat Thorsten Stolz (SPD).

Nach Rücksprache mit Personal aus einigen der teilnehmenden Pilotpraxen stellt sich als größtes Problem die umfangreiche Bürokratie dar, die mit jeder einzelnen Impfung zu erfolgen hat. Viele Papierseiten sind auszufüllen, die Daten sind in den Arztpraxen aufzunehmen, einzugeben und noch einmal zentral an die Impfzentren weiterzugeben. Dort müssen sie auch noch mal ausgewertet und eingegeben werden. Was die Verarbeitung in den Impfzentren angeht, konnte der Main-Kinzig-Kreis bereits vereinfachende Verfahren umsetzen. In den vergangenen zwei Wochen sind die meisten Praxen jedoch – neben der alltäglichen Arbeit und den neu hinzugekommenen Impfterminen – mit der zusätzlichen Bürokratie nicht nachgekommen. „Ich kann viele Praxen verstehen, die angesichts des hohen Interesses bei ihren Patienten aus Risikogruppen sagen: Erst das Wichtigere, und das ist die Impfung“, so Thorsten Stolz. Leider sei die zeitintensive Impfdokumentation „ein nicht kleinzukriegendes bürokratisches Übel“, und daran lasse sich auf Kreisebene nur wenig ändern.

Gut eingespielt haben sich die Bestellung und Verteilung der Impfdosen in die Arztpraxen sowie das Terminmanagement in den medizinischen Einrichtungen. „Es ist sinnvoll und richtig, verstärkt auf die Routine der Medizinerinnen und Mediziner in der Fläche zu setzen. Vor allem sind das im vertrauten Umfeld die vertrauten Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger“, bilanziert Thorsten Stolz. Er berichtet aus Rückmeldungen in zahlreichen Mails und Anrufen von Bürgerinnen und Bürgern von „einer Art Aufbruchstimmung“: „Es ist ein riesiger Schritt nach vorn, wenn die Menschen sehen, dass Impfungen in der Fläche ankommen und wenn sie nicht mehr auf Terminportale angewiesen sind, die ihnen fremd und nicht gut durchschaubar erscheinen. Das wird sich sehr positiv auf die Impfbereitschaft auswirken“, findet Landrat Thorsten Stolz.

Mehr Menschen geimpft als in der Statistik bislang registriert

Mit über 5.000 Impfdosen ging das Pilotprojekt des Kreises in den ersten Tagen los. Sie sollten auch dafür genutzt werden, nicht mobile Ältere per Hausbesuch zu impfen. Wenige Tage vor Beginn dieser Pilotaktion hatte das Regierungspräsidium Kassel die Liste mit jenen Personen übermittelt, die sich dazu beim Land Hessen hatten registrieren lassen. Von diesen 4.000 übermittelten Personen für den Bereich des Main-Kinzig-Kreises sind mehr als 3.000 Menschen schon geimpft. Weitere Termine für Hausbesuche können die Arztpraxen peu à peu mit ihren Patientinnen und Patienten im direkten Austausch vereinbaren. Teils läuft eine Vor-Abklärung über den Main-Kinzig-Kreis, um die Praxen zu entlasten.

Rund 3.000 Impfdosen verteilte der Main-Kinzig-Kreis in der vergangenen und in dieser Woche an die niedergelassenen Ärzte sowie rund 500 Dosen an Dialysezentren und rund 900 Dosen an Rehaeinrichtungen. Ganz frei sind die Ärztinnen und Ärzte in der Vergabe der Impftermine jedoch nicht. Auch sie müssen sich an die Corona-Impfverordnung halten. In erster Linie sind es also die Älteren und jene mit starken gesundheitlichen Leiden, die sich impfen lassen können. Und doch bleibt beim Landrat nach etwas mehr als zwei Wochen die Erkenntnis, „dass wir uns mit den bürokratischen Anforderungen in Deutschland leider vielmals selbst im Weg stehen“. Der Main-Kinzig-Kreis erwartet für die nächsten Tage neben dem gewollt hohen Impf-Tempo auch eine Dokumentations-Aufholjagd seitens der Arztpraxen. „Wir kommen da nicht drum rum, so lauten die Vorgaben nun mal. Das müssen die Hausärztinnen und -ärzte parallel zu ihrer hervorragenden Arbeit leider auch leisten. Ich bin da aber zuversichtlich. In der Impfquote kann sich am Ende nur widerspiegeln, was durch dieses Bürokratie-Öhr gebracht worden ist“, so Stolz.

Derzeit weist der Main-Kinzig-Kreis eine Impfquote von 10,9% bei den Erstimpfungen und 5,7% bei den Zweitimpfungen auf, was in absoluten Zahlen 69.600 Impfdosen entspricht, die im Main-Kinzig-Kreis verabreicht worden sind. Rechnet man noch die rund 7.400 Vakzine hinzu, die schon vor einigen Tagen an die Praxen, Dialysezentren und Rehaeinrichtungen verteilt worden sind, deren Impfdokumentation aber noch aussteht, dann liegt die bereinigte Erstimpfquote nach Berechnungen des Main-Kinzig-Kreises mit 12,6% deutlich höher. „Unser Ziel sollte es eigentlich nicht sein, Bürokratie-Weltmeister zu bleiben, sondern beim Impfen Fahrt aufzunehmen. Lieber schneller impfen und später berichten als weniger impfen und pünktlich melden“, sagt Thorsten Stolz. „Wir wollen doch schnell und sozusagen in der Nachbarschaft vielen Menschen ein Impfangebot machen. Das erreichen wir mit dieser Öffnung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, und das war längst überfällig.“



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